Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Horst Reischenböck
DrehPunktKultur, December 2015

HOFFMEISTER, F.A.: Keyboard Sonatas, Vol. 1 (Tzinlikova) GP666
HOFFMEISTER, F.A.: Keyboard Sonatas, Vol. 2 (Tzinlikova) GP667
HOFFMEISTER, F.A.: Keyboard Sonatas, Vol. 3 (Tzinlikova) GP668

Um Ausnahme-Genies begreifen zu können, ist es nicht sinnvoll und nötig, sich mit deren Umfeld zu beschäftigen, zumal keiner der meister unbeeinflusst von außen blieb. Den Mozart-Zeitgenossen Franz Anton Hoffmeister, zwei Jahre älter als dieser und Joseph Haydn drei Jahre überlebend, kennt die Musikwelt vornehmlich durch jenes Streichquartett KV 499, das Wolfgang Amadé diesem Verleger komponierte. Hoffmeister war aber auch selbst ein veritabler Komponist war: Für Bratscher ist sein Konzert Pflicht, auch Kontrabassisten etwa freuen sich über Hoffmeisters Konzerte für ihr Instrument. Auch er war eigentlich ein „Wierner Klassiker“. Als Schöpfer von über sechzig Symphonien war es Hoffmeister, der in „La festa della Pace 1791“ (der Titel bezieht sich auf den Friedensschluss zwischen der Türkei und Kaiser Leopold II. Bezieht) im „Turchesco“-Finale Triangel, Becken und Basstrommel einsetzte. Damit nahm er Haydns „Militär“-Symphonie vorweg.

Biliana Tzinlikova ist seit geraumer Zeit am Werk, uns den Komponisten von mindestens zwanzig Klaviersonaten nahe zu bringen. Die bulgarische Pianistin Biliana Tzinlikova hat am Mozarteum bei Andor Losonczy und Christoph Lieske studiert und lehrt nun selbst hier. 2013/14 nahm sie elf Hoffmeister-Sonaten in Schloss Weinberg im oberösterreichischen Kefermarkt auf. Werke, die durchaus als Bereicherung des Repertoires angesehen werden dürfen. Es stellt sich eigentlich die Frage, warum sie so lange vernachlässigt, ja vergessen wurden. Si siend absolut „dankbar“, verleugnen durchaus nicht virtuose Ansätze und verlangen auch entsprechenden Spielwitz, um ihre Gedanken funkelnd zum Vorschein kommen zu lassen. Biliana Tzinlikova vermittelt ambitioniert, dass manche dieser Stücke durchaus Haydn oder dem jungen Ludwig van Beethoven an die Seite zu stellen wären.

Effektsicher ist der Variationen-Schluss der mit einem Adagio formal ungewöhnlich anhebenden B-Dur-Sonate aus 1797 (sie steht am Ende der CD Nr. 3). Wie eine Reihe anderer werke überdauerte diese Sonate in der Sammlung des Leipziger Universitätsprofessors Pölitz (dort, wo Hoffmeister den noch heute bestehenden Verlag C. F. Peters gründete). Genauso spontan begeistert die Sonate in A-Dur, mit der die erste der drei CDs anhebt, vor allem in ihrem in gedankliche Tiefe führenden Binnensatz, mit dem sich Hoffmeister durchaus auf Höhe seiner Zeit stehend beweist. Reizvoll auch der durchaus dramatisch abdriftende Kopfsatz des G-Dur-Schwesterwerks im Anschluss daran.

Auch die fünf etwas kürzeren Beiträge, in der zweiten CD gebündelt, entpuppen sich bei genauem Hören als durchaus mehr als bloß charmant. All das wirkt geadelt durch Biliana Tzinlikovas genussvoll brillantes Spiel. Eine Bereicherung nicht nur für Hörer, die schon alles zu kennen glauben. © 2015 DrehPunktKultur



Michael Wruss
Nachrichten.at, November 2015

Franz Anton Hoffmeister zählt zu den bekannten Unbekannten in der Musikgeschichte. Einerseits war er einer der wichtigsten Verleger seiner Zeit—auch für die Musik Haydns, Mozarts und Beethovens. Andererseits war der 1754 in Rottenburg am Neckar Geborene ein geschätzter Komponist, der an die 70 Symphonien, 42 Streichquartette, sonstige Kammermusik und zahlreiche Solokonzerte komponierte.

Dass es von ihm auch Klaviersonaten gibt, war bis vor kurzem beinahe unbekannt. Genauso unbekannt wie die Entstehungszeit dieser pianistischen Kleinodien, die die österreichisch-bulgarische Pianistin Biliana Tzinlikova nun erstmals auf drei CDs eingespielt hat. Musik, die Tiefe genug hat, um aus den Untiefen der seichten Unterhaltungsmusik herauszustechen. Die Sonaten knüpfen bei den Meistern der Vorklassik an, haben auch die Kunst des frühen Josef Haydn inhaliert und sind dennoch in ihrer kraftvollen Vitalität höchst individuelle Eingebungen, die durch die inspirierenden wie musikantisch lebendigen Interpretationen Tzinlikovas neu zum Leben erweckt wurden. © 2015 nachrichten.at



Radio Österreich 1, May 2015

Franz Anton Hoffmeister, Zeitgenosse Mozarts, Haydns und Beethovens war Komponist und Verleger. Seinem Wiener Verlagshaus war nur kurze Blüte beschieden, Hoffmeisters Leipziger Verlagsgründung hingegen existiert noch heute: C. F. Peters. Dass Hoffmeister bloß ein nebenbei komponierender Geschäftsmann gewesen sei, versucht die in Salzburg lebende Bulgarische Pianistin Biliana Tzinlikova zu widerlegen: drei Klaviersonaten und ein Variationenwerk Hoffmeisters hat sie ausgegraben und auf einer CD präsentiert. © 2015 Radio Österreich 1



Ernst Hoffmann
Piano News, March 2015

Interpretation:
Klang:
Repertoirewert:

Wie praktisch ist es doch, wenn man als Komponist auch gleich sein eigener Musikverleger ist. Viele Komponisten der Gegenwart haben bereits erkannt, dass man im Eigenverlag auch ganz gut klarkommt, wenn das organisatorische Aufkommen übersichtlich bleibt. Der Mozart- und Beethoven-Zeitgenosse Franz Anton Hoffmeister verlegte nicht nur die bedeutendsten Vertreter der Wiener Klassik, er selbst komponierte 42 Streichquartette, 70 Sinfonien und eine ganze Reihe ungeheuer reizvoller Klaviersonaten. Die von Biliana Tzinlikova hier eingespielten Werke aus den frühen neunziger Jahren des ausgehenden 18. Jahrhunderts stehen Haydn und Mozart sehr nah. Besonders die A-Dur-Sonate aus dem Jahr 1790 ist reich an virtuosen Läufen, klar und übersichtlich im formalen Aufbau, nicht zu schwer, aber eben auch musikalisch nicht wenig anspruchsvoll. Tzinlikova setzt auf eine beinah schon glasklare Phrasierung und eine blitzblanke Akkuratesse. Schön klingen die oft eingeblendeten Pianissimo-Passagen, die die Pianistin voller Zartheit ins Umfeld einpasst. Wohl ist sich die heute am Salzburger Mozarteum lehrende Bulgarin bewusst, wie voraushörbar und erwartbar dieVerlaufe in den Hoffmeisterschen Sonaten oft sein können. Sie begegnet dem mit einer reichen Ausdruckspalette, vielen dynamischen Abstufungen und klugen Zäsuren. In den schnellen Rahmensätzen wird man von der Flut der Läufe wahrlich mitgerissen. © 2015 Piano News



Klassisch Harb 137, January 2015

Wer war Franz Anton Hoffmeister? „Er schrieb mit leichter Feder für das Jetzt und Heute, und versuchte den Geschmack des Publikums zu treffen“, heißt es auf einer einschlägigen Klassik-Homepage. Es ist da auch die Rede von „gehobener, kunstvoller Unterhaltungsmusik seiner Zeit“ und dem Geschick und der Produktivität dieses Mozart-Zeitgenossen. Ein Wort fehlt, das durchaus auch auf diesen versatilen Musiker und Verleger zutrifft: Originalität.

Natürlich ist diese nicht zu vergleichen mit den „Großmeistern“ der Epoche. Die formalen Anlagen der Komposition werden nicht experimentell aufgebrochen. Sprich: Eine Sonate bleibt eine Sonate nach den Regeln der Kunst. Gleichwohl weisen die langsamen Sätze der Klaviersonaten auch schroffere, rhetorisch zugespitzte Elemente auf, ehe quirlige, auf Brillanz abgestellte Finali den zeitüblichen flotten Kehraus markieren. Aber schon die virtuose Fingerfertigkeit, die eine geschmeidige, alerte Technik verlangt, führt musikalisch in ein durchaus üppiges, stets ohrenfreundlich bequem ausströmendes pianistisches Klangbad, das mit frischen melodischen Spritzern und pointierten Wendungen garniert ist.

Derzeit ist die in Salzburg unterrichtende Pianistin Biliana Tzinlikova dabei, die Klaviersonaten und Variationen in drei Folgen einzuspielen. Sie tut das, wie man der ersten Veröffentlichung mit drei Sonaten von 1790 und 1792, also im Umkreis von Mozarts Todesjahr, entnehmen kann, mit durchaus herzhaft handfestem Zugriff, der nötigen Portion Vitalität und spielerischem Geschmack. Die Perspektive ist bereits frühromantisch geweitet, die Einfälle werden sicher gesetzt und abwechslungsreich verarbeitet. Unterhaltungsmusik? Durchaus, aber mit Formgefühl und frischem, fantasievollem Impetus. Es wird einem also nicht langweilig.

Aber wer war nun Franz Anton Hoffmeister? Er wurde als achtes von elf Kindern in einem gutbürgerlichen Haus in Rothenburg am Neckar 1754 geboren. Schon als 14-Jähriger wurde er nach Wien geschickt, um Jus zu studieren. Seine Leidenschaft aber galt der Musik, dem Orgel- und dem Klavierspiel, und dem Komponieren in allen Genres. Rund 60 Symphonien sind bekannt, fünf Klavierkonzerte, zwölf Klaviersonaten, Streichquartette und andere Kammermusik, Singspiele und Opern – und jenes auch virtuos dankbare Konzert für Viola und Orchester, das immer noch Pflichtstück für Orchesteraufnahmeprüfungen ist. In Wien starb Hoffmeister 1812 im Alter von 58 Jahren.

Eingeprägt hat sich der Name indes nachhaltig als Geschäftsmann, wenngleich er da wechselndes Glück hatte. Seine erste Verlagsgründung erfolgte in Wien, bedeutsamer aber war das „Bureau de musique“ in Leipzig, das er 1800 mit Ambrosius Kühnel etablierte. Heute firmiert das Unternehmen, das Hoffmeister 1805 freilich nicht ohne Querelen schon wieder verließ, unter dem immer noch geachteten Namen C. F. Peters.

Als Verleger arbeitete Hoffmeister mit künstlerischem Weitblick mehr als mit geschäftlichem Sinn für seinen „lieben Bruder“ Beethoven, für Mozart, Haydn und andere Komponisten seiner Zeit. Die ökonomische Geschichte dieses Musikers wäre also auch eine spannende Parallel-Zeitgeschichte. Mozart widmete Franz Anton Hoffmeister 1786 sein Streichquartett in D-Dur, KV 499. Rein geschäftlich können die Beziehungen also nicht gewesen sein. Es muss da wohl auch Respekt vor den eigenständigen kreativen Leistungen dieses Musiker-Verlegers mitgeschwungen haben. Die Klaviermusik jedenfalls ist jetzt ein erster Schritt zur kontinuierlichen besseren Bekanntmachung eines „bekannten Unbekannten“, wie Gottfried F. Kasparek im Booklet der CD Hoffmeister treffend nennt. © 2015 Klassisch Harb 137





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group