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Album Reviews



 
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Werner Theurich
Spiegel Online, November 2016

Flinke Läufe und grelle Melodien

Sehr viel elegischer und weniger burlesk bringt die russische Komponistin Galina Ustvolskaya (1919–2006) die Folkfarbe ihrer Heimat in ihre Werke ein. Das Concerto für Klavier, Streichorchester und Pauken aus dem Jahre 1946 lässt im Solopart dennoch eine Menge Raum für individuelle Akzente. Die aus Russland stammende deutsche Klaviervirtuosin Elisaveta Blumina nutzt dieses Spielfeld kraftvoll aus. Nach dem beinahe barock anmutenden Intro fliegen Solisten und das Stuttgarter Kammerorchester förmlich in tonal gebundene Dialoge voll virtuoser Momente. Klar und markant gliedert Elisaveta Blumina die flinken Läufe und grellen Melodiefetzen, der Dirigent Thomas Sanderling räumt der Virtuosin deutlich die Führung ein. Er handelt richtig, denn so verteilt die Komponistin Ustvolskaya die Gewichte, das Ensemble gibt mehr die Stichworte, die Erzählung liegt beim Piano.

Poetische Meta-Musik

Ganz anders die vier “Nachspiele” von Valentin Silvestrow aus dem Jahre 2004, bei denen man sich aussuchen darf, zu welchem Filmabspann seine “Postludes” wohl am besten passen würden. Der 1937 in der Ukraine geborene und in Kiew lebende Pianist und Komponist erforschte variantenreich verschiedene Kompositionstechniken, wandte sich in den Siebzigerjahren gelangweilt von der gewohnten Avantgarde ab und schuf etwas, das poetische Meta-Musik genannt wurde. Atmosphäre, die später durchaus als Mood Music durchgehen würde, und aus heutiger Sicht Avantgarde ist. Elisaveta Blumina behandelt Silvestrows seidige Klangflächen mit Sensibilität, das Orchester sekundiert mit entspannter Präzision. Ein weiteres Album auf dem verdienstvollen Label Grand Piano, das sich der Klaviermusik abseits des allzu Bekannten widmet—und dabei wie häufig schönste Entdeckungen präsentiert. © 2016 Spiegel Online



Christoph Schl├╝ren
Klassik heute, November 2016

Das Naxos-Sublabel Grand Piano erkundet systematisch das unbekannte Klavierrepertoire. Nach einem sehr schönen Soloalbum mit idyllisch-nostalgischen Stücken des Ukrainers Valentin Silvestrov erscheint Elisaveta Blumina nun mit einem gemischten russisch-ukrainisch-georgischen Album in Begleitung eines Kammerorchesters: mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Thomas Sanderling, dem Schostakowitsch-geschulten Kenner russischer Musik, spielt sie Werke von Galina Ustvolskaya, Valentin Silvestrov und Giya Kancheli. Während letztere eine absolut schlüssige Kombination ergeben, will das frühe Concerto für Klavier, Streicher und Pauken von Galina Ustvolskaya (komponiert 1946) nicht zu den anderen passen—stilistisch wäre es in der Umgebung z. B. von Bacewicz, Lutoslawski, Shchedrin oder Tishchenko viel besser aufgehoben. Es ist ein äußerlich imposantes, etwas grobschlächtiges Konzert in einem Satz, offenkundig von der Erfahrung Schostakowitsch geprägt, doch fern von dessen Raffinesse, Schlüssigkeit oder hintergründiger Substanz. Gleichwohl bereitet es immer wieder ein dunkles Vergnügen. So intensiv und ernsthaft die Musiker sich in diese Musik stürzen mögen, bleiben doch ein paar Schwächen festzustellen, besonders hinsichtlich der Temponahme: Die langsame Einleitung ist zu geschwind genommen, in der Solokadenz ist der Rubatogebrauch zu grob, vor dem Grave wird ein Ritardando eingebaut, wo sich das Tempo subito ändern sollte. Außerdem vermute ich, dass Ustvolskaya sich ein größer besetztes Streichorchester vorgestellt hat, denn zumindest die Kontrabässe brauchen mehr Wucht, als ihnen hier möglich ist.

Derlei Probleme gibt es bei Silvestrov nicht, dessen Musik seit nunmehr einigen Jahrzehnten eine Art neue Einfachheit darstellt, die sich eindeutig auf das „in Schönheit verwelken“ Gustav Mahlers bezieht. Höchst erstaunlich ist, dass seine innig verträumten 4 Postludien von 2004 zum ersten Mal eingespielt wurden. Das ist absolute ‚Antivirtuosenmusik’ am Rande des Stillstands, in Schönheit ersterbend. Giya Kancheli hingegen, der große Komponist Georgiens, bewegt sich wiegend am Rande der Stille, durchbrochen von machtvollen Eruptionen. Auch sein Sio für Streicher, Klavier und Schlagzeug von 1998 wurde hier zum ersten Mal auf CD aufgenommen, und es ist ein zeitloses Meisterwerk, das auf höchstem Können und intensivstem Hineinhören in die verborgenen Zusammenhänge basiert. Unglaublich, wie bezwingend es Kancheli gelingt, einfachste Folklore und reduzierteste Harmonik mit schroff clusterartigen (gleichwohl keineswegs beliebig dissonierenden) Attacken zu verbinden, wie eins dynamisch aus dem anderen erwächst, obwohl es von Beginn äußerlich an den Charakter eines sanften Ausklingens trägt. Auch großartig, welche Vieldimensionalität der schlichte Dreiertakt entfalten kann, ohne dass irgendeine Form von komplexer Struktur vonnöten wäre. Gemeinsam mit Silvestrov ist ihm die in Bann ziehende introvertierte Gestimmtheit, doch unterscheidet er sich klar in der konturstarken Struktur. Kancheli kann man getrost als Genie bezeichnen. Zum Abschluss erklingt ein Werk, das nicht einmal mehr das Klavier nötig hat, jedoch programmatisch perfekt passt: der sechsminütige Hymnus von Valentin Silvestrov, entstanden 2001 und seinem Freund Kancheli gewidmet: eine sanft getönte, innerlich überströmende Liebeserklärung in so fein aufgefächert nuanciertem wie reduziert luzidem Satz. Darbietungen und Aufnahmequalität sind von angemessen hohem Niveau, der Booklettext informiert ordentlich. © 2016 Klassik heute




JH
Concerti, November 2016

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