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Ernst Hoffmann
Piano News, March 2017

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Ulrich Hermann
The New Listener, November 2016

Libanon? Und Musik? Ja, Palmen, Zedern, Meer, Gebirge, Beirut, Krieg und alle möglichen politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, aber komponierte Musik?

Doch, es gibt Komponisten im Libanon, und die schreiben wunderschöne und sehr vielfältige Musik, wie diese CD beweist. Vier Ersteinspielungen und Klaviermusik vom feinsten, gespielt von einer hervorragenden urmusikalischen Pianistin, die—in der Ukraine geboren und aufgewachsen—mit dem libanesischen Komponisten Houtaf Khoury (*1967) verheiratet ist. Sie ist eine exzellente Sachwalterin nicht nur der Klaviermusik ihres Mannes, nein, all der Stücke, die auf dieser faszinierenden Scheibe erklingen. Das reicht von einem Variationszyklus vom ältesten Komponisten Toufic Succar (*1922) von 1947, einem herrlich verspielten Stück bis hin zu Khourys Sonate Nr. 3 von 2013, einem dreisätzigen Werk, das einen pessimistischen, aber ungeschminkten Blick auf das derzeitige Leben in diesem so zerrissenen Land freigibt, einem Land, von dem Houtaf Khoury sagt:

„ Die Libanesen glauben mehr an ihre Künstler als an ihre Politiker. Und ich glaube, wir als Künstler können viel verändern.“ (In welchem Land der derzeitigen Welt wäre es anders?) Das dreisprachige Booklet gibt umfassend Auskunft über die einzelnen Komponisten und ihre Situation. Einige, wie der 1900 geborene und 1970 verstorbene Anis Fuleihan (die hier vorliegende 9. Klaviersonate schrieb er kurz vor seinem Tod), wurden auch im Ausland populär, andere wie George Baz (1926–2012) spiegeln den französischen Einfluss wider, unter dem der Libanon ja bis 1943 stand. Baz beschreibt seine Musik als „Erinnerung an den Impressionismus, angereichert durch kleine persönliche Entdeckungen.“ Was in seiner Klaviermusik auch deutlich zu hören ist, aber das ist ja nicht die schlechteste Voraussetzung für klanglich überzeugende und bewegende Kompositionen.

Auch Boghos Gelalian (1927–2011) hatte unter widrigen Umständen zu leiden, zuerst als Armenier, dann im Libanon als Klavier—und Kontrapunktlehrer, der seinen Unterricht stoisch und unter erschwertesten Bedingungen fortsetzte.

Seine Musik, von der mir besonders die klagende „Canzone“ zusagt, ist meisterlich. Aber allen Stücken gemeinsam ist, dass sie von einer Pianistin ins Leben gerufen werden, deren Spiel bei aller manchmal erforderlichen Lautstärke nie hart wird, immer äußerst melodisch und durchhörbar bleibt und einen ganz speziellen Klang produziert, der immer daran erinnert, das die „Dinger“ T A S T E N heißen.

Wie schon Heinrich Jacoby 1945 in seinem überaus wichtigen Buch „Jenseits von Begabt und Unbegabt“ auf Seite 329 schreibt: Der Name „Tasten“ sagt im Grunde alles aus, was zu geschehen hätte, wenn jemand mit dem Klavierspielen anfangen will!“ (Wie viele Pianisten vergessen das immer wieder?) Nicht aber Tatjana Primak-Khoury, die mit dieser Einspielung der libanesischen Klaviermusik den denkbar besten Dienst erweist und uns mit einer wunderbaren, bisher unbekannten Kunst bekannt macht. © 2016 The New Listener





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