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Dr. Michael B. WeiƟ
Klassik heute, October 2016

Allzu lange hat die offensichtliche Nähe, in der sich Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert D-Dur zur Filmmusik befindet - tatsächlich hat der Komponist hier auf Material rekurriert, das er bereits in Filmmusiken verwendet hatte -, von den wirklich interessanten Elementen dieses Stücks abgelenkt. Da ist zum Beispiel schon der Anfang: Wie sonst nicht viele Gattungsbeiträge beginnt dieses Konzert nicht etwa mit einer Orchestereinleitung, sondern in medias res mit dem Soloinstrument. Will sich der Solist gleich positionieren, muss er sozusagen den einen minimalen Moment noch vor der Musik zählen lassen.

Thomas Albertus Irnberger gelingt dies auf seiner neuen CD subtil, ohne, dass er dem Orchester notentextwidrig vorausgriffe, zum Ausgangspunkt des gesamten Geschehens zu werden, durch mikroskopisch genau gesetztes Timing, nicht zuletzt aber auch durch die einladende Haltung, mit der er die erste Kantilene einen Momentbruchteil vor dem Orchester intoniert. Hierin—es geht nur um den einzigen, wiewohl herausgehobenen Anfangspunkt—ist er etwa Ulf Hoelscher und Anne-Sophie Mutter überlegen, die konventionell mit der Begleitung zusammen einsetzen; einzig Jascha Heifetz, der die Uraufführung spielte, legt in seiner amerikanischen Aufnahme einen ähnlich bewussten Beginn vor.

Natürlich ist dieser raffinierte Moment nur ein Versprechen auf eine äußerst reflektierte gesamte Deutung, die Irnberger mit scheinbar selbstverständlicher Meisterschaft denn auch zuverlässig realisiert. Er spielt dieses Konzert mit einem so feinen Ton, so kammermusikalisch intim, als ob er der Musik von vornherein jedes auftrumpfende, oberflächlich breitwandige Element fernhalten wollte. Hier muss man eben doch noch einmal auf den Filmmusikvorwurf kommen, da auch die Begleitung durch das Israel Symphony Orchestra unter Doron Salomon so betont differenziert gehalten, so schlüssig von den Einzelstimmen her aufgefasst ist, dass sich gar keine Konnotation von Hollywood-Pauschalität einstellen kann. Dies ist eine neue Referenzaufnahme dieses in den letzten Jahren voll rehabilitierten Stückes.

Besonderes Interesse beansprucht auf diesem Album auch das beigegebene Violinkonzert Jules Conus, der als Julij Konjus in Moskau geboren wurde (1869–1942), einem seinerzeit bedeutenden Musiker, Schüler von Tanejew und Arensky, mit Tschaikowsky und Rachmaninow bekannt, der in den Kriegsjahren in Russland ein trauriges Ende fand. Sein Konzert e-Moll von 1896/97 erfreut, obwohl es kompositorisch keine eigenständigen Akzente setzt, durch die handwerkliche Meisterschaft; Irnberger spielt es mit höchster Konzentration, bei aller Brillanz eher nach innen gewandt, und tut ihm dadurch einen großen Dienst. Den besten Eindruck hinterlässt auch das außerordentlich plastische Klangbild: Dieses Album sollte man hören. © 2016 Klassik heute





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