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Album Reviews



 
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Michael Wersin
Rondo, June 2019

Der österreichische Geiger Thomas Albertus Irnberger begeistert einmal mehr, diesmal mit einem umfassenden Engagement für Edward Elgar: Dessen Violinkonzert in h-Moll, ein forderndes virtuoses Ausnahmewerk des frühen 20. Jahrhunderts, meistert er nicht nur mittels bravouröser Technik, sondern macht seine substanzielle Dichte zudem durch die stupende Eindringlichkeit und Expressivität nachhaltig zum Erlebnis. Mit James Judd, der das Royal Symphony Orchestra leitet, hat er dafür ganz offensichtlich einen gleichgesinnt engagierten Partner gefunden: Gemeinsam mit dem hochkonzentriert spielenden Royal Philharmonic verhelfen Irnberger und Judd dem großartigen Stück zu derjenigen Geltung, die ihm aufgrund seiner Qualität zukommt.

Nicht minder überzeugend gelingt Irnberger die Darbietung der Violinsonate e-Moll von 1918, hier zusammen mit dem großartigen Begleiter Michael Korstick. Zauberhaft gleich der erste Satz, der anfangs forsch und drängend, bald aber auch eigenwillig zögerlich bei immer wieder reduzierter Satzdichte daherkommt: ein rätselhaftes Stück, das durch eine so poetische Darbietung wie die hier zu hörende in seiner ganzen Rätselhaftigkeit zum fesselnden Hörereignis wird. © 2019 Rondo




Remy Franck
Pizzicato, May 2019

Im Violinkonzert von Edward Elgar spielt Thomas Albertus Irnberger beseelt und expressiv, kräftig zupackend und kontrastvoll in den Ecksätzen, mit bewegender Zurückhaltung im langsamen Mittelsatz. Gerade hier, wo viele Künstler durch ein Zuviel an Gefühl sündigen, zeigt Irnberger, dass weniger wieder einmal mehr ist, und präsentiert so mit dem kongenial mit ihm atmenden Dirigenten James Judd eine sehr gute Darbietung.

Auch die Sonate, mit der Elgar in seine Nachkriegs-Trauerphase eingetreten ist, wird mit Einfühlung und rhythmischer Klarheit wiedergegeben. Im Mittelsatz, einer Romanze, erreichen Irnberger und der Pianist Michael Korstick im perfekten Dialog eine hervorragende Rhetorik. © 2019 Pizzicato




Dr. Michael B. WeiƟ
Klassik heute, April 2019

Eine neue CD von Thomas Albertus Irnberger ist immer ein Ereignis, doch hier hat sich der gebürtige Salzburger Geiger—nach exzellenten Aufnahmen etwa von spätromantischen Violinkonzerten, aufregend durchtobten Beethoven-Sonaten und sogar einem ganzen Album mit heiklen Salon-Piècen—endgültig selbst übertroffen. Der 34jährige nimmt sich zweier ausgewachsener Werke von Edward Elgar an, eines Komponisten, der trotz des Erfolges seiner Enigma-Variationen und des Violoncellokonzertes in den Konzertsälen außerhalb Englands nie wirklich heimisch geworden ist.

Besonders das Violinkonzert h-Moll op. 61 hat es schwer, wohl weniger wegen seiner hohen technischen Anforderungen für den Solisten, sondern, weil es den Hörer mit seiner zeitlichen Ausdehnung auf die Probe stellt: Nach zwei ausgewachsenen Sätzen folgt nicht etwa ein zündender Kehraus, sondern noch einmal ziemlich unverhofft eine veritable Tondichtung von knapp zwanzig Minuten Länge. Bei diesem Werk kommt man folglich mit reiner Brillanz nicht weit. Überflüssig zu erwähnen, dass die violinistischen Schwierigkeiten bei Irnberger, wie stets, sogar einfacher wirken, als sie wirklich sind; das mehrstimmige Spiel, vor dem die Solisten Respekt haben, ist klar, kernig und blitzsauber, und bei schnellen Skalen kann man wirklich genau hinhören und immer noch einzelne Töne unterscheiden.

Was Irnberger jedoch bei diesem Werk auf höchst bewunderungswürdige Weise gelingt, ist, die Konzentration des Hörers über fast 50 Minuten hinweg an sich zu binden. Halb verführt er dazu mit einer Spielphantasie und einem langem Atem, mit dem man auch einen üppigen nach-viktorianischen Roman farbenfroh und kurzweilig vorlesen könnte; sein Ton ist dabei angenehm kühl und ruhig, vibriert kontrolliert, klingt in der Tiefe pastos. Halb erzwingt er die Aufmerksamkeit förmlich, weil er in manchen Passagen, insbesondere den kadenzartigen, jede noch so kurze Phrase, bisweilen jeden Ton so bohrend tiefsinnig ausdeutet, als ob er von einem Alban Berg stammen würde. Dabei hat er keine Scheu vor höchst expressiven Portamenti, sogar leicht angeschliffenen Tönen. Doch wenn sich Irnberger verausgabt, hat er immer noch mehr als genug an Energie vorrätig, um große Bögen über die einzelnen Sätze ziehen zu können.

Mit den Musikern vom Royal Philharmonic Orchestra hat Irnberger wahrlich gleichgesinnte Kollegen gefunden. James Judd belässt die Entwicklungen in schön resignativen Tempi, das reiche und ausgiebige Rubato ist jedoch immer erfüllt. Glücklicherweise wurde die alte deutsche Orchesteraufstellung gewählt, so dass selbst an wuchernden Stellen das räumliche Wechselspiel der einander opponierenden ersten und zweiten Violinen sehr plastisch herauskommt; die überaus transparente Klangtechnik von Gramola gewährt eine gleichberechtigte Balance von Solist und Kollektiv.

Ähnlich ausführlich müsste man über den zweiten Programmpunkt dieser Produktion, Elgars Violinsonate e-Moll op. 82, berichten, die Irnberger mit dem ebenbürtigen pianistischen Partner Michael Korstick als ebenso emotionalen wie konstruktiven Dialog auffasst. Stattdessen sei dazu aufgerufen, dieses Album aufmerksam zu hören. Am besten mehrmals. © 2019 Klassik heute





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