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Uwe Krusch
Pizzicato, October 2016

Eine Vorbemerkung anlässlich, nicht wegen, dieser CD sei gestattet: Über Konzertmitschnitte kann man sich unterhalten. Dem vielleicht größeren Engagement der Musiker vor Publikum gegenüber dem sterilen Studio steht möglicherweise die schlechtere Tonqualität wegen ungünstigerer Aufnahmebedingungen und Nebengeräusche gegenüber. Von der schlechteren technischen Umsetzbarkeit kann man hier nichts merken, also daraus entsteht kein Nachteil. Und das Engagement der Ausführenden ist vorhanden, ob es im Studio schlechter gewesen wäre? Aber: Der sich anschließende Applaus auf den Livemitschnitten ist ein totaler Stimmungstöter. Warum ist er da? Um die Einspielung vor Publikum zu beweisen (könnte man auch dazu schneiden?) Um die Begeisterung des Publikums nahe zu bringen und auf den Hörer überschwappen zu lassen? Dazu kann man nur sagen: Der Hörer ist von der Musik begeistert (oder auch nicht), nicht vom Klatschen. Und er ändert deswegen seine Einstellung nicht und ist nur genervt. Wer die Liveatmosphäre haben möchte, geht ins Konzert. Wer zu Hause auf seiner Anlage hören möchte, möchte das Klatschen nicht. Und wenn das Klatschen denn schon drauf soll, dann bitte auf einem gesonderten Track, dann kann man es wenigstens ausblenden.

Doch kommen wir nun endlich zu dieser CD. Vorgestellt werden die zweite und die vierte Symphonie von Robert Schumann.

Der Dirigent hat einen festen Platz im internationalen Musikbetrieb. Die Ergebnisse seiner Arbeit lassen immer wieder positiv aufhorchen. Mit seinem Orchester Santa Cecilia hat er ein erstklassiges Ensemble an der Hand, welches wohl erst durch seine Arbeit so in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist. Und das ist verdient. Alle Gruppen des Orchesters liefern Erstklassiges. In der vorliegenden Aufnahme fallen insbesondere die Holzbläser mit ihrem betörenden Klangbögen auf und auch die Streicher bezaubern mit schönem, teilweise schmelzendem Klang. Die Blechbläser treten am Beginn des Finalsatzes der vierten Symphonie in aller Pracht in Erscheinung.

Diese beiden Symphonien zu kombinieren, ist nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Auch wenn die Nummerierung und die Opus-Zahlen (61, 120) anderes nahe legen, ist die Vierte sogar die ältere von beiden. Sie entstand etwa zeitgleich mit der Ersten 1841, die Zweite dann 1845. Im Vergleich zur Ersten ist die Vierte radikaler im Ansatz. Durch die Attacca-Verschmelzung und die starke motivische Verzahnung der Sätze erreicht Schumann eine große und mit rund 40 Minuten auch lange Einheit, die zu der Zeit nicht üblich war. Dieser neue Ansatz hat beim zeitgenössischen Publikum ungläubiges Erstaunen bewirkt und das war wohl der Anlass für Schumann, über zehn Jahre weitere Überarbeitungen vorzunehmen, aus denen sich die hohe Opus-Zahl ableitet.

Über Schumanns Kompositionskunst ist in früheren Zeiten viel Negatives geredet worden. Gerade die Orchesterwerke haben dabei eine abfällige Konnotation bekommen. Sie wurden als zu dick instrumentiert und die Motivverwendung als monoton angesehen. Durch die historisch informierte Praxis haben sich neue Sichten erschlossen, die dieses Bild korrigiert haben. Insbesondere wurden in den Orchesterwerken kleinere Besetzungen favorisiert, die eine bessere Durchhörbarkeit der Strukturen ermöglichen.

Hier nun wird eine Interpretation mit großem Orchester angeboten. Zumindest ergibt sich aus dem Beiheft kein Hinweis auf eine reduzierte Besetzung. Dies schadet der Darbietung jedoch nicht. Die Klangproportionen werden gewahrt und ein schlüssiges Ganzes entsteht. Eine Besonderheit dieser Interpretation ist die teilweise von anderen Einspielungen abweichende Gestaltung der Tempi und daraus folgend der Übergänge. Dies ist gerade im Vergleich langsamer und schneller Abschnitte sehr überzeugend gelungen und die Übergänge ergeben sich nicht nur so, sondern sie wirken zwingend.

Einzelne Abschnitte, wie der langsame Satz der vierten Symphonie begeistern als schwebende Klangwolke, die mit engelsgleichen Sphärenklängen für sich einnehmen. Bezaubernd! Aber es gibt auch, insbesondere in den Außensätzen Passagen, die etwas monoton und gleichförmig daher kommen. Da gibt es interessantere Deutungen. © 2016 Pizzicato





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