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Album Reviews



 
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Stephan Bultmann
Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award), August 2018

Thomas Beecham, aus reichem Industriellen-Elternhaus stammend, erregte schon als Kind mit musikalischer Hochbegabung Aufsehen, blieb aber Autodidakt. Diese Live-Mitschnitte mit dem Royal Philharmonic Orchestra, darunter auch Erstveröffentlichungen, repräsentieren seine letzte Schaffensperiode ab 1954. Zwar lassen sich in dieser hervorragend tönenden Box nicht alle Beecham-Spezialitäten unterbringen. Doch das Repertoire, welches vorgelegt wird, zeigt exemplarisch, welche außergewöhnlichen Klangbilder und Feinheiten Beecham seinen Musikern entlocken konnte. Wer heutigen Trends folgend einen im Studio digital perfektionierten, ausgedünnt-historisierenden Sound vorzieht, der mag sich hier eines Besseren belehren lassen. Kein Werk liegt der tiefgründig dämonischen Ausstrahlung Beechams besser als die “Faust”-Symphonie von Liszt. © 2018 Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award)



Hartmut Hein
www.klassik.com, June 2018

Beecham war ein Jahrhundert-Dirigent. Diese 4-CD-Box macht mit bislang unveröffentlichten BBC-Mitschnitten von Konzert-Aufführungen wichtiger Werke seines Kern-Repertoires aus den letzten Jahren bekannt. © 2018 www.klassik.com



Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2018

Wieder erschließen Erstveröffentlichungen von Originalbändern des BBC aus der Sammlung Itter neue Facetten in der kommerziell reichen Diskographie eines grandiosen Dirigenten, wie Sir Thomas Beecham es war. Die Aufnahmen aus den letzten Schaffensjahren des Pultmagiers wurden live beim Edinburgh Festival, in der Royal Albert Hall London, der Royal Festival Hall bzw. den BBC Studios mitgeschnitten. Bis zu seinem Tod 1961 konnte Beecham eine der umfangreichsten Diskographien an Studioaufnahmen vorweisen, u.a. basierend auf Verträgen mit RCA-Victor sowie der amerikanischen Columbia. Die jetzt (großteils) erstveröffentlichten Schätze sind nicht nur ob ihrer für die Zeit der Aufnahmen unwahrscheinlich brillanten Tonqualität unverzichtbare Ergänzungen zu dem bislang schon zugänglichen klingenden Vermächtnis Beechams. Alle Aufnahmen belegen auch die hohe technische Qualität und den künstlerischen Rang des von Beecham 1947 gegründeten Royal Philharmonic Orchesters. Alles hat hier Biss und Klarheit, die Raumtiefenstaffelung funktioniert bestens. Falls Sie es nicht gewusst haben: Auch das London Philharmonic Orchester ist auf Initiative Sir Thomas Beechams entstanden (1932).

Beim musikalischen Autodidakten Sir Thomas Beecham fallen sofort die viril kraftvolle Attitüde, eine hohe mentale Energetik, die verblüffende Präzision, sowie ein untrüglicher Instinkt für die Architektur, den dramatischen Aufbau der interpretierten Werke und deren Spannungskurven auf. Vielleicht ist er vom Typus her Toscanini ähnlich, nur humorvoller dürfte er schon gewesen sein. Als sprunghafter und launischer Charakter konnte er offensichtlich Musiker als auch Aufnahmeleiter immer an die „Kante des Stuhls“ zwingen. Alle Wiedergaben zeugen von hochkonzentriertem Spiel.

Einige Konzerte sind zwar durchaus interessant anzuhören, interpretatorisch ist da aufgrund der Fortschreibung der Aufführungspraxis jedoch der Zahn der Zeit drüber, wie etwa bei den beiden Haydn Symphonien Nr. 99 und 101 („Die Uhr“). Besser steht es da schon um Mozart, wo Beecham in der „Linzer“ und erst Recht der Symphonie Nr. 39, KV 543 weniger in Rokokoseligkeit schwelgt, denn brillant die „klassischen“ Strukturen offenlegt und die Finali aufraut und anpeitscht wie kein Zweiter nach ihm. Was für eine faszinierende Exzentrik des wohl besten britischen Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Allerdings erscheinen mir die Live‘s insgesamt nicht so unberechenbar, wie das im Booklet dargestellt wird. Da hatte einer schon seine konzisen Vorstellungen und genau gewusst, wo der Weg lang geht. Das zeigt sich etwa in den hervorragenden Wiedergaben von Beethovens und Brahms jeweils zweiter Symphonie. Jugendlicher Impetus bei Beethoven und herbstliche Töne bei Brahms, bei stets formal geschlossenen Visionen. Am genialsten sind jedoch die Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner und die „Faust-Symphonie“ von Franz Liszt. Beim Holländer bläst ein antikische Kräfte freilegender Orkan, die entfesselten Elemente und hochhaushohen Wellenungetüme sind kaum je sinnstiftender Klang geworden wie in dieser Wiedergabe aus der Royal Festival Hall vom 22. November 1954. Desgleichen zählt die „Faust Symphonie“ vom 14. November 1956 zu den besten und kraftvollsten auf Tonträgern erhältlichen Interpretationen (in einer Liga mit Bernstein und Solti). Alexander Young ist ein herrlich markanter und stilistisch eleganter Tenorsolist. Sir Thomas Beecham at his best! © 2018 Online Merker





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