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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, October 2016

Basierend auf zwei konzertanten Aufführungen in der Cultural Centre Concert Hall vom Jänner 2016 ist der Hong Konger Ring nun in der Halbzeit angelangt. Nach einem aufsehenerregenden Rheingold allein schon wegen des Rollendebüts vom Matthias Goerne als Wotan, folgt nunmehr eine Walküre, die vor allem dank des spektakulären High Definition Sounds viel Freude bereitet. Kaum je wurde der Klang der menschlichen Stimme akustisch so authentisch und plastisch abgebildet, wie dies den Toningenieuren von NAXOS hier gelungen ist. Zu hören auf der Blu-ray Audio Version.

Der musikalische spiritus rector des Unterfangens, Jaap van Zweden, verlangt dem Hong Kong Philharmonic Orchestra, das bei Bläsern; Harfen etc. durch Musiker aus Deutschland, Australien und den USA ergänzt wurde, viel an differenziertem Spiel ab. Die Tempi sind insbesondere im ersten Akt sehr breit gewählt, was Raum für Details gibt, aber Gefahr für die Spannung und das sängerische Durchhaltevermögen birgt. Im Vergleich zu Karajan (3h55), Haitink (3h50), Furtwängler (3h48) und den flotten Dirigenten C. Krauss (3h30) und Böhm (3h28) ist van Zweden mit 3h56 insgesamt der langsamste. Das Orchester klingt tendenziell hell und transparent, eine gehörige Portion Romantik mit eingeschlossen.

Die Besetzung zeigt viel von Freud und Leid in Bezug auf den Wagnergesang heute. Uneingeschränktes Lob und Bewunderung gebührt Stuart Skelton als Siegmund, der in dieser Rolle schon zweimal auf Tonträgern repräsentiert ist. In der Aufnahme aus dem Jahr 2010 mit den Hamburger Philharmonikern unter der Leitung von Simone Young und in der Ring-Gesamtaufnahme der Seattle Opera (2013) mit Asher Fisch als Dirigenten. In Hong Kong singt er einen jugendlich dramatischen Siegmund, metallisch grundiert mit viel Fingerspitzengefühl für die emotionalen Valeurs und spektakulären Höhepunkte seines Parts. Er ist in dieser Rolle auf jeden Fall in einem Atemzug mit Jonas Kaufmann und Andreas Schager zu nennen.

Ihm zur Seite gestaltet Heidi Melton die Sieglinde mit schöner dunkler Mittellage und schlanken Höhen. Gegenüber ihrer Sieglinde in Berlin ist mir aufgefallen, dass die Stimme zuweilen oben zu weit ausschwingt, was nicht gerade für eine lupenreine Gesangstechnik spricht.

Der Hunding wird von Falk Struckmann mit der nötigen Autorität und dräuendem Grollen interpretiert. Viele Qualitäten seines heldischen Wotans kommen auch beim Hunding voll zur Geltung, wenngleich unüberhörbar ist, dass Struckmann Bariton und kein Bass ist.

Im Zentrum des zweiten Akts steht das Rollendebüt von Matthias Goerne als Wotan. Mit seinem breit geführten, dicht textierten Bariton vermag er wie schon im Rheingold für tief empfundene und beinahe schon belkantesk gesungene Linien zu sorgen. Die deklamatorischen Passagen von Wotans Erzählung sind exquisit vorgetragen. Wo es hochdramatisch wird, gelangt Goernes samtenes Stimmmaterial aber hörbar an seine Grenzen. Augenzeugenberichten zufolge soll Goerne gerade im zweiten Akt seinen Blick nicht von der Partitur gelöst haben, ein untrügliches Zeichen für noch mangelnde Sicherheit in der Rolle. Auf der Habenseite steht wiederum, dass einer der besten Liedinterpreten der Jetztzeit sich überhaupt an eine Grenzpartie wagt, was neue Eindrücke und ein neues Verständnis der Rolle schafft. Im dritten Akt gelingt Wotans Abschied berührend und stimmlich souverän. Freilich hilft Goerne die formidable Aufnahmetechnik, wodurch mögliche Mängel in der Projektion abgemildert und die Stimme extrem klar hörbar mit dem Orchester abgemischt ertönt. Dass dieser sympathische Sänger den Wotan je auf der Bühne singen könnte, will man sich allerdings jetzt noch nicht so recht vorstellen.

Als sein Wotanskind Brünnhilde agiert Petra Lang routiniert. Klanglich berückend schönen Momenten wie etwa in der Todesverkündigung stehen angestrengt und unsauber intonierte Hojotohos gegenüber. Lang schleift manche Töne über Gebühr an, insgesamt klingt der Vortrag infolge des häufigen Einsatzes von Portamenti bisweilen antiquiert. Abgesehen davon ist ihre Brünnhilde grosso modo sehr gut gesungen und nicht besser oder schlechter als andere aktuell erfolgreiche Rollenvertreterinnen. Die Fricka von Michelle DeYoung ist ein Kaliber für sich. Mit prächtig aufblühendem Mezzo und beispielhafter Dekamation ist es der Gattin Wotans und Göttin der Ehe ein Leichtes, ihren Wunsch „Lass von dem Wälsung“ erfüllt zu bekommen.

Die Walküren (Sarah Castle, Karen Foster, Katherine Broderick, Anna Burford, Elaine McKrill, Aurhelia Varak, Okka von der Damerau und Laura Nykänen) werfen sich mit Elan in ihren jauchzenden Schlachtgesang.

Insgesamt kann der Aufnahme in Bezug auf Technik und die hohe Qualität der musikalischen Leitung Ausnahmerang attestiert werden. Bei grundsätzlich exzellentem sängerischem Niveau gilt es aber vereinzelt Abstriche zu machen. High End Freaks werden auf alle Fälle ihre helle Freude mit der klanglich zukunftsweisenden Tonqualität der Blu-ray Audio Disc haben. © 2016 Online Merker





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