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Bernd Hoppe
Opera Lounge, July 2019

Ein neuer Preljocaj bei Naxos: Für sein Ballett Le Parc wurde der Choreograf Angelin Preljocaj 1995 mit dem renommierten Benois de la Danse—dem Oscar der Tanzwelt—ausgezeichnet. Es ist seine bisher berühmteste Schöpfung geblieben. Gleichwohl ist der Franzose bekannt für seine hohe Produktivität, arbeitet auch für die Filmbranche und kreiert Werbespots für die Parfümindustrie. Bereits 1984 gründete er seine eigene Compagnie—das Ballet Preljocaj—die seit 2006 ihren Sitz im Pavillon Noir in Aix-en-Provence hat.

Die neue Kreation La Fresque (The Painting on the Wall), die Naxos auf Blu-ray Disc veröffentlicht (NBD0094V), wurde im Juni 2017 im Théatre de la Criée von Marseille aufgezeichnet. (Im Bonus der DVD wird allerdings September 2018 als Entstehungsdatum genannt.) Das Ballet basiert auf einer chinesischen Erzählung. Vor Zeiten suchten die beiden Reisenden Chu und Meng an einem regnerisch-stürmischen Tag Zuflucht in einem Tempel, in dem ein Einsiedler lebte, der sie einlud, einzutreten und ein wunderbares Fresco an der Tempelwand zu betrachten. Es zeigt eine Gruppe junger Mädchen mit Sonnenschirmen, eines davon pflückt Blumen, lächelt bezaubernd, hat rote Lippen und strahlende Augen. Chu ist derart fasziniert von diesem Anblick, dass er das Mädchen intensiv und anhaltend betrachtet und schließlich gänzlich in dem Bild aufgeht. Nach Jahren des Glücks wird er von Kriegern aus der Welt des Frescos vertrieben, kehrt in die reale Welt zurück, wo er Meng wieder trifft. Beide schauen erneut auf das Bild, aber das Mädchen trägt nun alle Anzeichen einer verheirateten Frau.

Die Musik komponierte Nicolas Godin, der bereits 2003 für Preljocajs Near Life Experience den Sound kreiert hatte. Für La Fresque schuf er träumerische, mysteriöse Klänge, die den märchenhaften Charakter des Stückes atmosphärisch grundieren. Die Kostüme stammen von dem tunesischen Designer Azzedine Alaïa, der schon für Claudette Colbert und Greta Garbo gearbeitet und 1989 die berühmte Robe der französischen Tricolore für Jessye Norman entworfen hatte. Bühne und Videos gestaltete Constance Guisset, die bereits 2009 mit Preljocaj bei seinem Solo La funambule zusammenarbeitete.

Wie Insekten kriechen die beiden Reisenden herein, um dann zu kraftvollen Sprüngen und Drehungen zu wechseln. Das Fresco wird von Tänzerinnen dargestellt, die in kurzen Hemdchen ekstatisch ihre Körper schütteln und sich zu Gruppenskulpturen vereinen. Die Begegnung von Chu mit dem Mädchen ist von somnambulem Zuschnitt, wirkt in slow motion wie eine Traumsequenz. Beider nachfolgender Pas de deux vor einem nächtlichen Sternenhimmel wird gleichermaßen von sportiver Energie wie verrätselter Zweisamkeit getragen. Das sich anschließende Solo des Mädchens ist in seinem aufbegehrenden Gestus ein Höhepunkt der Choreografie, wie auch ein Maskentanz, der für einen turbulenten Wirbel sorgt. Raffiniert ist eine Figurenskulptur als Schattenriss mit drei Tänzern, deren Arme wie bei einer Spinne oder einem Tausendfüßler abstehen. Viele Szenen sind in ihrer Rätselhaftigkeit schwer zu deuten. Das Booklet enthält leider auch keine Trackliste mit Angaben zu den einzelnen Episoden. Gleichwohl besitzt diese Veröffentlichung ihren Reiz und ist allen Freunden des modernen Tanztheaters zu empfehlen. © 2019 Opera Lounge





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