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Renate Wagner
Online Merker, March 2018

SHAKESPEARE, W.: Hamlet (Royal Shakespeare Company, 2016) (NTSC) OA1164D
SHAKESPEARE, W.: King Lear (Royal Shakespeare Company, 2016) (NTSC) OA1232D
SHAKESPEARE, W.: Othello (Royal Shakespeare Company, 2015) (NTSC) OA1154D
SHAKESPEARE, W.: Cymbeline (Royal Shakespeare Company, 2016) (NTSC) OA1242D

Die Royal Shakespeare Company ist der Gegenentwurf zu dem, was im „Globe“ gezeigt wird. Bietet dieses „Shakespeare pur“, so ist das andere Ensemble (einst 1960 von dem kürzlich verstorbenen Peter Hall gegründet) im Sinn von „Shakespeare heute“ unterwegs. Zuhause ist man vor allem im Shakespeare-Ort Stratford-upon-Avon, wenn man sich nicht auf Tournee befindet. Gespielt wird auf einer Raumbühne und in dem Sinn, wie wir deutsches Regietheater erleben—die Werke strikt in die Gegenwart geholt, in Kostüm, Ambiente und Verhalten der Menschen. Das gibt unterschiedliche Ergebnisse—aber durchaus spannende.

 Wenn etwa „Hamlet“ ganz „schwarz“ ist, die meisten Hauptdarsteller mit Farbigen besetzt, womit ein Hauch von Exotik das Geschehen durchsetzt und man sich nicht in Dänemark, sondern in einem totalitären afrikanischen Land wähnt—Afrika-Folklore schimmert in den Stoffen und Accessoirs, die Theater-auf-dem-Theater-Szene wirkt wie eine regelrechte Afrika-Parodie, der finale Kampf findet mit Stöcken statt (allerdings stand Hamlet mit einer Pistole hinter dem betenden Claudius und erwog, ihn zu töten…)

„King Lear“ ist der großartige Antony Sher, der—wie man es sich auch in einer Inszenierung hierzulande vorstellen könnte—am Ende im Irrenhaus landet, von Krankenschwestern umgeben. Auch hier ist Shakespeares „grausames Theater“ schonungslos realisiert, und immer wieder macht dieser Dichter klar, wie man sich in seiner Beurteilung von Menschen irren kann, wenn man die Elemente Macht und Gier nicht entsprechend berücksichtigt…

In „Otello“ ist auch Jago ein Schwarzer, was seinem Haß eine neue Dimension gibt, und alles dreht sich um die blonde Desdemona, wobei wir uns auch hier in einer gegenwärtigen Welt befinden, ein Militärlager, wo zur Unterhaltung in der Disco Rap und Hip-Hop herrschen…

„Cymbeline“ schließlich ist in eine düstere Halbwelt der Fetzen- und Unterwäsche-Träger versetzt, in der König Cymbeline zu einer Königin geworden ist und um die Macht mit den Mitteln der Verbrecherwelt des Kinos gekämpft wird—durchsetzt mit echten filmischen Horrorelementen. Näher kann man an die Gegenwart gar nicht heranrücken. Und doch: Auch das ist Shakespeare. © 2018 Online Merker





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