Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...


Remy Franck
Pizzicato, November 2016

Am Anfang waren ein genauer Plan, ein Ablauf, keine Handlung, Bilder und mehrere Rahmen, die Robert Wilson und Philip Glass dann mit alles Anderem als opernhaften Inhalten füllten. Und dennoch nannten die beiden Oper, was im besten Sinne Musiktheater ist, eines der ungewöhnlichsten und zugleich attraktivsten Musiktheaterwerke der letzten fünfzig Jahre.

Im Mittelpunkt steht Albert Einstein, eine Kompromissfigur für die beiden und zugleich ein Glücksfall. Mit seiner Relativitätstheorie liefert er die Grundlage für diese ‘Oper’, mit einer Folge von Assoziationen, die nur ein Ziel haben: eine eigentlich unverständliche Einheit von Sprache, Klang und visuellen Impressionen zu bilden.

Wenn nach der ersten halben Stunde nichts anderes zu hören war als Zahlen und einzelne Worte, muss man schon auf den Timer des Videoplayers schauen, um sich eine Idee von der Zeit zu machen. Man verliert nämlich im Laufe des Ganzen das Gefühl dafür…und erlangt es eigentlich auch nicht wieder in den über vier Stunden, die ‘Einstein on the Beach’ dauert.

Und, nein, langweilig ist das nicht, jedenfalls nicht beim ersten Mal, wenn man sich diese ‘unendliche Geschichte’ anschaut. Denn schließlich wartet man gespannt darauf, dass endlich etwas geschieht. Und so arbeitet man sich traumverloren von Szenenwechsel zu Szenenwechsel und versucht natürlich zu verstehen, was nicht zu verstehen ist. So wird das Gehirn beschäftigt, und am Ende hat man das Gefühl von unverdauten vier Stunden Musiktheater.

In ‘Einstein on the Beach’ wird der Mensch mit allen seinen Sinnen gefordert und er stellt sich eine Million Fragen, die er nicht beantworten kann und auf die es auch keine richtige Antwort gibt. Das einzig Konkrete ist der mehrmals als Geiger auftauchende Einstein. Aber der liefert nun schon gar keine Antworten, bleibt aber letztlich der einzige Mensch in einer automatisierten Welt, in der Atombombe und Gerichtszene samt Gefängnis wegen ihrer ‘Direktheit’ schon regelrecht irritieren. So genau wollte man es ja nicht wissen. Einstein geht schließlich auch nicht an den Strand, wie der Titel verheißt.

Die hier gezeigte Aufführung aus dem Paris Châtelet gilt als Meilenstein in der Geschichte des Kunstwerks, das man gesehen haben sollte, auch vierzig Jahre nach seiner Uraufführung, als es wegen seiner Radikalität noch einen ganz anderen Impakt hatte. © 2016 Pizzicato





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group