Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Bernd Hoppe
Opera Lounge, February 2016

Natalia Osipova ist der neue Star beim Royal Ballet London. Nach ihrem Hausdebüt als Giselle im Januar 2014 hat sie inzwischen auch die Doppelrolle der Odette/Odile in Swan Lake getanzt und ist nun dank Opus Arte auf DVD als Lise in La Fille mal gardée zu erleben, wo sie auch ihr Talent für komische Situationen zeigen kann (OA 1196 D). Frederick Ashtons Klassiker aus dem Jahre 1960 hat nichts von seiner erfrischenden Heiterkeit verloren.

Seine Choreografie folgt der Originalversion von Dauberval, uraufgeführt 1789 am Grand Théatre von Bordeaux. Zu einer eigenen Fassung hatte ihn Tamara Karsavina angeregt, die die pantomimischen Szenen des Stückes in ihrer Jugend am St. Petersburger Mariinsky-Theater studiert hatte. Mit dem Dirigenten John Lanchbery erstellte er eine Musikcollage aus Kompositionen von Rossini, Donizetti, Pleyel u.a., welche in ihrem rhythmischen Drive und der Melodienfülle die perfekte Folie für das heitere Geschehen bildet.

Die Geschichte um Lise, Tochter der Witwe Simone, die den jungen Bauern Colas liebt, von ihrer Mutter jedoch mit Alain, Sohn des wohlhabenden Bauern Thomas, verheiratet werden soll, beginnt mit dem witzigen Auftritt der putzigen Hühner, die samt ihrem Hahn den Tag begrüßen. Auch Lise erwacht und sehnt sich nach Colas, dem sie ein Band als Zeichen ihrer Liebe hinterlässt. Osipova besticht vom ersten Moment an mit Grazie, Eleganz, Witz und kapriziöser Leichtigkeit. Tänzerisch ist sie wie stets über jeden Zweifel erhaben, brilliert mit schwierigen Balancen und mirakulösen Trippel-Schritten.

Ihr Colas ist mit Steven McRae ideal besetzt—ein flinker Tänzer mit burschenhaftem Charme. Sympathisch und liebenswert, dazu technisch glänzend, was sogleich sein erster Auftritt beweist, in dem er bravouröse Pirouetten zu  absolvieren hat. In seinen Soli imponiert er mit außergewöhnlich hohen Beinen und rasanten grand jétés à la manège; sie zählen zu den effektvollsten Nummern der Choreografie. Lise und Colas haben in jedem Bild einen Pas de deux, insgesamt vier, die gespickt sind mit immensen Schwierigkeiten—hohen Hebungen und einem schier unglaublichen Tempo in den Schrittkombinationen.  Am Ende haben sie listig  Simone getäuscht, die nach der Entdeckung des sich küssenden jungen Paares im Schlafzimmer ihren Segen zur Hochzeit gibt.

Thomas (Christopher Saunders) stolziert als eitler Gockel daher, sein Sohn (Paul Kay) ist rührend in seiner schüchternen Hilflosigkeit, auch entzückend, wenn er auf dem Schirm reitet wie auf einem Steckenpferd und die Beine wirft und spreizt wie ein Schnürlkasper. Und am Ende kommt er als Letzter nochmals auf die Bühne zurück wie Mohammed im Rosenkavalier, um nach seinem roten Regenschirm zu suchen. Urkomisch ist Philip Mosley als dralle Simone mit herrlich schalkhaftem Ausdruck, die in ihrem Holzschuhtanz natürlich gebührend abräumt. Aber auch ihr Duo mit Lise in ihrem Haus sprüht vor Heiterkeit und Lebensfreude. Das Corps de ballet kann sich in seinen Auftritten, häufig auf accelerando-Passagen, von seiner besten Seite zeigen. Barry Wordsworth bringt die spritzige Musik mit dem Orchestra of the Royal Opera House mit Verve und Esprit zu Gehör. Der Bonus hält Darcey Bussell im Gespräch mit der Tanzlegende Lesley Collier fest und zeigt Probenausschnitte mit den Mitwirkenden. Für alle Ballettfreunde ist diese Ausgabe ein Muss! © 2016 Opera Lounge





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group