Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Ingrid Wanja
Opera Lounge, March 2016

„No sex please, we’re British“, gilt ganz bestimmt nicht für die Produktion von Bizets Carmen an Covent Garden, allerdings gehen Röckeheben, Beinespreizen und Hüfteschwenken doch sehr auf Kosten einer subtileren Erotik, die der recht ältlichen, blässlichen, zudem der Mercedes zum Verwechseln ähnlichen Titelheldin von Christine Rice leider abgeht. Ihr Mezzo is leicht und hell, wird musikalisch, das Chansonhafte betonend geführt, ist aber nicht gerade von betörendem Timbre. Auch im Kartenterzett bleibt die Stimme zu farbarm. Da kann man die Entscheidung Don Josés umso weniger verstehen, als die Micaela ein zwar treu Libretto altmodisch blondbezopftes Mädchen in Tracht ist, aber beherzt und kämpferisch wie selten in dieser Partie zu erleben, so dass ihr Gebet im 3. Akt eher wie eine Kampfansage klingt, sie auch im vierten Akt auftritt, es dabei allerdings bewenden lässt. Neben dem Kuss der Mutter gibt es im ersten Akt noch einen gar nicht mütterlichen, und auch die Sopranstimme von Maija Kovalevska ist farbiger und nuancenreicher als die der Carmen.

Das interessanteste Spiel und die interessanteste Stimme hat der Don José von Bryan Hymel, der die Konflikte, in die ihn seine Leidenschaft stürzt, vokal wie darstellerisch sehr eindrucksvoll zu vermitteln weiß, mit einer Blumenarie, die am Schluss tatsächlich morendo gesungen wird, mit schöner mezza voce in der zweiten Strophe des Duetts mit Micaela, im dritten Akt allerdings an seine lyrischen Grenzen stoßend. Auf einem frommen Gaul reitet der Escamillo von Aris Agiris auf die Szene, ist eine angemessen elegante Erscheinung und singt ohne jede Anfechtung sein schwieriges Auftrittslied. Nicht mehr und nicht weniger als solide sind die Sänger der kleineren Rollen mit Elena Xanthoudakis (Frasquita), Paula Murrihy (Meercedes), Le Dancaire (Adrian Clarke), Le Remendado ( Harry Nicoll)—das Schmugglerquintett hat man schon pointierter gehört. Nicolas Coutjal als Zuniga ist seinen Kollegen mit besonders schöner Stimme überlegen.

Der Vorhang zeigt eine tiefrote Rose, die Bühne Don José, wie er vom Henker zur Hinrichtung geführt wird, und schließt so an Merimées Novelle an, die die Vorlage zum Libretto lieferte. Die Inszenierung, die ursprünglich von Francesca Zambello stammt, von Duncan MacFarland wiederbelebt wurde, könnte ohne weiteres auf die Bühne der Arena di Verona übertragen werden, so üppig hat Tanya McCallin mit Dekorationen, Statisten, einschließlich Esel und Huhn, sie ausgestattet, mit echtem Wasserlauf, aus dem reichlich auf Vorübergehende gespritzt wird, mit Akrobaten, Schmugglerballett, kurz und gut: naturalistisch wie es naturalistischer nicht sein könnte, und das bei einer Produktion aus dem Jahre 2006 . Es wird die Fassung mit gesprochenen Dialogen gegeben, die nicht durchgehend besonders französisch klingen. Der Chor erweist sich als des großen Hauses würdig, das Orchester unter Sergey Levitin könnte an manchen Stellen straffer, nuancierender geführt werden. Der Film ist übrigens auch in 3D verfügbar (Blu-ray Disc Opus Arte 807 188). © 2016 Opera Lounge





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group