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Renate Wagner
Online Merker, February 2017

Wir sind gewöhnt, den Gurre-Liedern, Arnold Schönbergs großem „romantischen“ Werk (keine Angst hier vor den „neuen Tönen“, für die dieser Komponist steht!) im Konzertsaal zu begegnen. Doch es ist abendfüllend, es beschäftigt mehrere Sänger, es hat eine Handlung, und man konnte zweifellos versuchen, es als Geschichte auf die Bühne zu bringen, wie es 2014 überzeugend genug in Amsterdam geschehen ist, um das Ergebnis auch auf DVD zu bannen. Es war tatsächlich die„Szenische Uraufführung“ des Werks über den dänischen König Waldemar, seine Liebe zu Tove, deren Ermordung und sein wahnsinniges Rasen gegen Gott…

Pierre Audi hat sich für die szenische Aufführung natürlich nicht für ein historisierendes Ambiente entschieden. Keine königliche Welt, wie es einem alten dänischen Märchen (Jens Peter Jacobsen schrieb die tragische Geschichte aus dem Mittelalter nieder) zukäme, sondern die Optik grotesk-heutig, schäbig-häßlich, eine Halle aus Beton (Christof Hetzer), wo ein „Sprecher“ in Gestalt von Sunnyi Melles (im Herrenanzug und mit Strohhut) vor das Publikum hinspringt und den leicht surrealen, leicht grotesken Ton anschlägt, der dann den Abend durchzieht. Hier geht es um Liebe und Verlust, um Psychologie und Mystik.

Ein verzweifelter Mann von Anfang an, hockt Waldemar (der beeindruckende Burkhard Fritz) sehr unköniglich, verworren, verwahrlost (im T-Shirt) auf seinem Bett, umgurrt von der noblen Tove (Emily Magee). Und schon kommt der Engel mit den großen schwarzen Flügeln (Anna Larsson) als Todesverkünder (Toves Tod wird nur berichtet). Dann schwer zu ortende Figuren, ein Bauer (Markus Marquardt), ein Narr (Wolfgang Ablinger-Sperrhacke in Weiß, erscheint in einer Art Ballon), viel szenisches Chaos, in dem sich auch Soldaten tummeln—schließlich fordert der verzweifelte König ja Gott heraus und will mit einer Armee Toves Tod rächen.

Pierre Audi hat allerdings mehr die verzweifelte Stimmung als eine logisch nachvollziehbare Handlung bebildert, aber das turbulente Geschehen trägt nicht nur die Handlung, sondern auch den Betrachter fort. Auch das Live-Publikum ist, wie die Aufzeichnung zeigt, in stürmischen Applaus ausgebrochen.

Wie man weiß, ist vor allem der Orchesteraufwand, den Schönberg getrieben hat (und man hört es auch!), gigantisch: 120 Musiker, gestellt vom Niuederländischen Philharmonischen Orchester, mit denen Dirigent Marc Albrecht jenen romantisch-impressionistischen, man kann auch sagen jugendstilartig-vergoldeten Klangrausch entfesselt, für den das Werk berühmt ist, unterstützt auch von einer gewaltigen Chorschar. Der musikalischen Macht dieser Post-Wagner-Welt kann man sich nicht entziehen.

Man würde sich nicht wundern, wenn es künftig mehr Versuche gäbe, Schönbergs Werk als Oper zu begreifen (auch wenn man weiß, dass er selbst gegen eine Bühnenrealisierung war…)—Schreker, Zemlinsky, Korngold sind „in“, warum auch nicht hier reizvolle Musik mit einer Handlung szenisch verquicken? Dieser sehenswerte erste Versuch aus Amsterdam beweist jedenfalls eindrucksvoll, dass es sich lohnt. © 2017 Online Merker





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