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Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2017

Beinahe noch nachträglich traurig stimmt die Erinnerung an das Galakonzert zum fünfzigjährigen Berliner Bühnenjubiläum von Plácido Domingo kürzlich in der Staatsoper/Schiller Theater, vergleicht man seine angestrengte Leistung mit der des unbeschwert aus dem Vollen schöpfenden jungen Tenors, der 1975 an Covent Garden einen in jeder Hinsicht strahlenden Riccardo in Verdis Ballo in Maschera an der Seite von Katia Ricciarelli und Piero Cappuccilli gab. Wie nun auf Opus Arte DVD zu sehen ist.

Jürgen Rose schuf die recht provinziell wirkende Bühne, das schwedische Schloss ohne Glanz und einen Galgenberg ohne Grauen, ist wohl auch für die im letzten Bild allzu knallbunten Kostüme verantwortlich, Otto Schenk inszenierte den Chor für die damalige Zeit erstaunlich differenzierend, die Solisten scheinen sich eher auf Opernstandardgesten zu verlassen.

Domingo glänzt durch sein leidenschaftliches Spiel, ist als Silvano charmant frech und sein Tenor ist so strahlend am Schluss des ersten Bildes wie elegant geführt in der Canzone oder rauschhaft mit kräftigen Farben prunkend im Invan tu celi Amelia. Im Liebesduett übertrifft er seine Partnerin bei weitem an leidenschaftlichem Ausdruck, und nur die Intervallsprünge in die Tiefe fallen etwas aus dem kostbaren Rahmen. Katia Ricciarelli hatte durch falsche Rollenwahl zu dieser Zeit bereits etwas von ihrem wunderschönen elegischen Timbre eingebüßt, aber ihre Piani sind noch immer bewundernswert, die zweite Arie Morrò ma prima liegt ihr weitaus besser als die erste, aber im Vergleich zu Domingo klingt sie oft zu geschmäcklerisch, zu sehr säuselnd. Zwar räumt Piero Cappuccilli nicht wie in Wien neben Pavarotti bereits mit seiner ersten Arie ab, aber sein reiches Material, seine Superfermaten (patria), seine auftrumpfende Vendetta, nicht zuletzt sein Piano am Schluss der ersten Arie verfehlen ihre Wirkung nicht—das Wunderbare ist, dass man bei ihm nie zittern muss, einfach nur genießen kann. Putzig zwitschert Reri Grist ihren Oscar, kann das Ensemble am Schluss des zweiten Bildes überstrahlen. Eine beeindruckende Haltung hat Elizabeth Bainbridge für die Ulrica, leider klingt sie oben schrill und unten grummelnd. Wie erstickt hört sich die Stimme von William Elvin als Cristiano an, bereits damals imposant klingt Gwynne Howell als Ribbing.

Ein ganz großes Plus ist der junge Claudio Abbado am Dirigentenpult, Rauschhaftes ist aus dem Orchestergraben beim Liebesduett zu hören, er ist der Garant für das Hörbarmachen der Eleganz der Partitur und ihres elegischen Grundcharakters. Leider kann man die englischen Untertitel nicht ausschalten, solche in anderen Sprachen gibt es nicht. © 2017 Opera Lounge





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