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Ekkehard Pluta
Opernwelt (Germany), July 2017

DONIZETTI, G.: Rosmonda d’Inghilterra [Opera] (Fondazione Donizetti, 2016) (NTSC) DYN-37757
DONIZETTI, G.: Lucrezia Borgia [Opera] (Royal Opera House, 1980) (NTSC) OA1237D

Mit seiner «Rosmonda d’Inghilterra » auf ein Libretto von Felice Romani, der die historische Geschichte von Henry II. und seiner Geliebten Rosamund de Clifford sehr frei behandelte, errang Gaetano Donizetti bei der Uraufführung (Florenz, Februar 1834) nicht mehr als einen Achtungserfolg. Noch zu seinen Lebzeiten verschwand das Stück von den Spielplänen. Erst im Zuge der Donizetti-Renaissance tauchte es wieder auf. Eine CD-Produktion des Labels Opera Rara (mit Renée Fleming in der Titelrolle) entstand 1994. Gelsenkirchen wagte zehn Jahre später eine szenische Wiederbelebung, die allerdings folgenlos blieb.

Nun liegt eine Produktion aus Donizettis Heimatstadt Bergamo auf DVD vor, die einer Rekonstruktion der Originalfassung gleichkommt und die bislang geringe Wertschätzung des Werks unverständlich erscheinen lässt. Zwei Monate nach «Lucrezia Borgia» und anderthalb Jahre vor «Lucia di Lammermoor» herausgekommen, ist «Rosmonda» in jeder Beziehung eine Oper der Reifezeit: Die Schablonen des romantischen Melodrams werden aufgebrochen, die Türen zu einem moderneren Verständnis des Musikdramas aufgestoßen.

Zwar versorgt Donizetti die fünf Protagonisten—in der Premiere sangen wie kurz darauf in «Lucia» Fanny Tacchinardi Persiani und Gilbert- Louis Duprez—in Fülle mit eingängigen Kantilenen und attraktiven Bravourstücken, aber in den Duetten mit ihren ständigen Peripetien findet spannendes Theater statt. Dass er am Ende (nachdem die Gattin ihre Nebenbuhlerin ermordet hat) auf die große Finalarie verzichtete, das Stück stattdessen mit einem stillen Tableau beschloss, nahmen Publikum und Kritik dem Komponisten sehr übel.

In Bergamo erfuhr «Rosmonda» im vergangenen Herbst eine musikalisch wie szenisch gleichermaßen packende Wiederbelebung. Sebastiano Rolli und das Orchester der Donizetti Opera begeistern schon in der detailgenauen, musikantisch spritzigen Ouvertüre und setzen im Folgenden markante dramatische Akzente. Die Inszenierung der Schauspielerin Paola Rota konzentriert sich auf das Wesentliche: eine differenzierte Personenführung bei sparsamer Bewegung in einem auf Reduktion und Abstraktion setzenden Bühnenraum (Nicolas Bovey). Dieses Konzept trägt vor allem in dem großen Ehekriegs-Duett zwischen Enrico und Leonora im zweiten Akt Früchte, in dem Dario Schmunck und Eva Mei auch sängerisch zu großer Form finden. Jessica Pratt bleibt als Rosmonda blasser und wirkt stimmlich mit schneidenden Spitzentönen etwas kühl («freddina, freddina» empfand Donizetti seinerzeit schon die Tacchinardi). Der Bass Nicola Ulivieri als Rosmondas Vater und die Mezzosopranistin Raffaella Lupinacci in der Hosenrolle des in sie verliebten Pagen Arturo bleiben ihren Partien nichts schuldig.

Es trifft sich gut, dass eine schon legendäre Londoner Aufführung der «Lucrezia Borgia» von 1980 (Regie: John Copley) jetzt auf DVD wiederveröffentlicht wird, die einen Blick ins Opernmuseum erlaubt. Wie es sich für ein Königliches Opernhaus geziemt, ist alles auf Repräsentation ausgerichtet. Das Teuerste ist gerade gut genug. In üppigen Renaissance- Kostümen bewegen sich Pappkameraden über die Bühne. Und auch das Orchester spielt unter Richard Bonynge eher gravitätisch-bedeutungsvoll als dramatisch pulsierend. Zwei epochale Sänger im Spätsommer ihrer Karriere, die allerdings keine begnadeten Darsteller waren und auch hier mehr posieren als spielen, waren wohl die raison d’être dieser Produktion. Joan Sutherland imponiert in der Titelrolle mit vokaler Power und technischem Know-how, ohne als Figur zu berühren. Alfredo Kraus gibt den jugendlichen Heißsporn Gennaro im Habitus eines spanischen Granden, überrumpelt aber mit der ungebrochenen Strahlkraft seines flexiblen Tenors. In der von Donizetti nachkomponierten Arie des zweiten Aktes («T’amo qual s’ama un angelo»), die ihm in der RCA-Aufnahme von 1966 noch vorenthalten wurde, stoppt er regelrecht die Show. Stafford Dean als Alfonso und Anne Howells als Orsini stehen vokal hinter den Stars nicht zurück. © 2017 Opernwelt (Germany)



Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2017

Eine wahre Kostümorgie (Michael Stennett) feierte Covent Garden mit Donizettis Lucrezia Borgia in der Regie von John Copley, und welche Diva könnte diese Wunderwerke der Theaterschneiderei besser oder überhaupt zur Geltung bringen als Joan Sutherland?! Dazu trägt sie einander sich an Üppigkeit überbietende Frisuren und den jeweils dazu passenden Kopfputz, hat eine wahrhaft königliche Haltung und eine fast unbewegliche Miene. Das alles scheint sie nicht zum Ideal einer liebenden und leidenden Mutter zu machen, doch alles, was die Optik nicht hergeben will, wird im Gesang in Überfülle geboten: eine Superhöhe, eine unerhörte Breite von Variationsmöglichkeiten in der Farbgebung, des chiaro-scuro, der morbidezza, kurzum, eine Lektion in Belcanto. Ähnlich verhält es sich mit Alfredo Kraus als Gennaro, der über wenige Gesten, aber über unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme verfügt, die elegant und stilsicher geführt wird, auch wenn manch ein Zuhörer den Tenor als zu grell und trocken empfinden mag. Eher wie Boris Godunov als wie Alfonso d’Este wirkt Stafford Dean dunkel dräuend und auch optisch ein rechter Finsterling. Sehr charmant, aber eher weiblich gibt Anne Howells einen Orsini geschmeidigsten Mezzosoprans, einen meckernden Charaktertenor setzt Francis Egerton für den Alfonso-Getreuen Rustighello ein, so wie das Gefolge des Gennaro zwar optisch ideale Bilder von Renaissance-Jünglingen bietet, aber vokal eher schwächelt. Natürlich waltet am Dirigentenpult Richard Bonynge seines balcantokundigen Amtes mit einer dramatischen Sinfonia und einem hochsensiblen Vorspiel zur zweiten Szene des zweiten Akts.

Ohne diese beiden DVDs hat man für die junge Generation kaum Maßstäbe für das, was Verdigesang (Cappuccilli) oder Belcanto (Sutherland, Kraus) sein können. Der ältere Opernfan ist zur Miesepetrigkeit beim Vergleich mit den meisten heutigen Sängern verdammt. © 2017 Opera Lounge





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