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Kai Löffler
SWR2 Radio, July 2018

Die einzelnen Filme sind sehr unterschiedlich, mal erzählen sie Geschichten, mal haben die Bilder nur eine lose, assoziative Verbindung. Dazwischen geschnitten sind Aufnahmen des BBC National Orchestra of Wales, dirigiert von David Atherton, in einer lichtdurchfluteten Halle. Die Aufnahmen sind liebevoll und aufwändig inszeniert - von Nahaufnahmen der Instrumente bis zu einem Kamerakran, der über dem Orchester kreist. Schade ist nur, dass diese Ausschnitte - wie in einem Musikvideo auf MTV - immer nur ein paar Sekunden dauern. Die Option, sich nur das Orchester ohne die Kurzfilme anzusehen, gibt es leider nicht.

Besonders eindrucksvoll sind die letzten beiden Teile der Suite: Uranus, der Magier ergründet Astronomie und Raumfahrt, und Neptun, der Mystiker ist eine experimentelle, psychedelische Bilderflut, die an Stanley Kubricks Film "2001" erinnert. Am Ende der Suite wartet noch eine Überraschung, ein achter Satz. Gustav Holst starb, bevor Pluto entdeckt wurde, so steht es im Booklet, und so hat der britische Komponist Colin Matthews im Jahr 2000 mit "Pluto der Erneuerer" die Suite vollendet. Genaugenommen wurde Pluto schon im Jahr 1930 entdeckt, vier Jahre vor Gustav Holsts Tod, und die Experten streiten, ob man ihn überhaupt als Planeten bezeichnen kann. So oder so ist Colins Matthews Stück aber eine respektvolle Verbeugung vor Holst und ein willkommener musikalischer Bonus.

DVD zwei ist Edward Elgars Enigma Variationen gewidmet und erfreulicherweise befindet sich darauf, neben der Musik, auch ein knapp einstündiger Dokumentarfilm. Darin taucht Dirigent Sir Andrew Davis in Elgars Biografie ein, und vor allem in das Werk, das ihn berühmt gemacht hat. Jede der 14 Enigma-Variationen ist jemandem aus Elgars Leben gewidmet: seiner Frau Alice, Musikern, Freunden, Familienmitgliedern, einer verlorenen Liebe... und einem Hund. Andrew Davis:

"Here is the dog tumbling down the bank...swimming upstream... climbing out"

Überhaupt präsentiert Sir Andrew Davis sehr anschaulich, oft mit Hilfe seines Klaviers. Immer verspielt, manchmal sehr leidenschaftlich - wie als er das Thema für Alice vorstellt - den wohl wichtigsten Menschen in Elgars Leben. Allerdings war Alice nicht seine einzige Liebe, bis heute wird spekuliert, wem er die die 13. Variation gewidmet hat, die namenlose Romanza. Ein musikalisches Zitat aus Medelssohns "Calm Sea and Prosperous Voyage" deutet auf eine Seereise hin. Andrew Davis:

First Mendelssohn... Now Elgar...

Davis erklärt auch dass Nimrod, sich aus einen Jäger aus der biblischen Mythologie bezieht, und so ist die berühmteste der 14 Variationen Elgars bestem Freund gewidmet, dem Verleger August Johannes Jaeger. Davis dirigiert auch das BBC Symphony Orchestra, in der Kathedrale von Elgars Heimatort Worchester. Und erfreulicherweise befindet sich, neben Ausschnitten im Dokumantarfilm, auch die komplette Aufnahme auf der DVD.
Große Werke zweier musikalischer Giganten Es ist etwas schade, dass es zu Holsts Planeten - abgesehen von Pluto - keinerlei Zusatzmaterial gibt. Das ändert aber nichts daran, dass British Classics eine tolle - und originelle - Präsentation von großen Werken zweier musikalischer Giganten ist. David Athertons und vor allem Andrew Davids Interpretationen sind dynamisch und leidenschaftlich, und die Video-Collagen zu Holsts Planeten sind sehenswert, wenn auch nicht alle gleichermaßen.

Die Hauptattraktionen der Box sind eindeutig Elgars Enigma-Variationen, dank einer makellosen Einspielung und eines gut aufbereiteten Dokumentarfilms, beides dank Andrew Davis. Der versucht sogar, das Rätsel um Elgars "verstecktes Thema" aufzulösen - wenn auch erfolglos. Andrew Davis:

One of them for example is "Twinkle Twinkle Little Star". Let's see if we can make that fit (singt in moll). © 2018 SWR2 Radio





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