Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...


Pizzicato, April 2020

WAGNER, R.: Walküre (Die) [Opera] (Royal Opera House, 2018) (NTSC) OA1308D
WAGNER, R.: Walküre (Die) [Opera] (Royal Opera House, 2018) (Blu-ray, HD) OABD7270D

Ich hasse es, wenn in einer Operninszenierung nichts zueinander passt, das Bühnenbild nicht zum Text, die Requisiten nicht zum Bühnenbild etc. Kurz gesagt, ich hasse diese überfrachtete Walküren-Inszenierung mit einem Bühnenbild, das von stupiden Ideen nur so strotzt, so als hätten Regisseur und Bühnenbilder in einem Katalog geschaut, was man denn noch alles auf die Bühne setzen könne, etwa einen Leder-Bürostuhl neben eine Felsenquelle in demselben Büro. Logisch, weil Hunding ja ein Büro haben muss… Er braucht sowas…

Aber da man neue Opernaufnahmen quasi nur noch als Live-Videos angeboten bekommt, und eine Blu-ray letztlich nicht mehr kostet als ein Set von mehreren CDs, kann man es sich auch leisten, das Bild wegzuschalten, was ich denn auch gemacht habe, um mich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Und die ist durchaus beachtlich. Stuart Skeltons baritonal gefärbte Tenorstimme liefert einen erstaunlich fein nuancierten und angenehm schön gesungenen Siegmund. Ihm gegenüber steht Ain Anger, der einen harten, harschen und eiskalten Hunding singt, sehr passend zur Figur. Dazwischen steht die nicht eben so herausragende Sieglinde von Emily Magee. Enthusiasmus über die Begegnung mit Siegmund lässt sich aus ihrem Gesang nicht gerade hören. Passend ist sie erst im zweiten Akt.

Neue Figuren bringt Wagner in diesem 2. Akt ins Spiel: Den Wotan singt John Lundgren mit klarer, gut artikulierender Stimme und ebenso viel Götterautorität wie Vaterliebe. Nina Stemmes Brünnhilde ist einfach großartig. Ihr wunderbares Timbre, ihr gepflegter Gesang, ihr Rollenverständnis und ihre stimmliche Darstellungskraft sind phänomenal. In der Abschiedsszene ist sie total ergreifend.

Sarah Connolly singt eine sehr gute Fricka, die Rollen der anderen Walküren sind ordentlich besetzt.

Neben dem was, von der Bühne kommt, ist aber vor allem auch der Beitrag aus dem Orchestergraben ganz hervorragend. Pappano spornt das Orchester des Royal Opera House zu einem qualitativ hohen, engagierten und kraftvoll-dynamischen Musizieren an. Aber auch die Farbenpalette ist großartig, so dass das Orchester einen gestalterisch wichtigen, stimmungs- und spannungsvollen Beitrag leistet.

Die Tonaufnahme ist gut, die Balance zwischen Graben und Bühne ist fein geregelt. Allein, das was aus dem hinteren Lautsprechern kommt, ist nicht ausreichend. Der Unterschied zwischen dem Stereo- und dem Surround-Klangbild ist gering.

Fazit: Auch wenn die Inszenierung Mängel aufweist: dies ist musikalisch die bei weitem beste Walküre, die ich in diesem Jahrhundert gehört habe. © 2020 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, March 2020

WAGNER, R.: Walküre (Die) [Opera] (Royal Opera House, 2018) (NTSC) OA1308D
WAGNER, R.: Walküre (Die) [Opera] (Royal Opera House, 2018) (Blu-ray, HD) OABD7270D

Hatte er vor Jahrzehnten noch in Macerata mit einer heroinsüchtigen Mimi die damals noch heile Welt der Oper in Angst, Schrecken und Empörung versetzt, so sind die Empfindungen, die Keith Warner beim heutigen Opernbesucher, so dem der Walküre in London, weckt, nur die eines mühsam unterdrückten Gähnens. Welche optischen Herausforderungen und Möglichkeiten bietet gerade dieser Teil des Ring mit Walkürenritt oder Feuerzauber, allesamt verschenkt zugunsten einer langweiligen drehbaren weißen Wand oder von Wunschmädchen, die mit wehenden Umhängen wie aufgescheuchte Fledermäuse mit Pferdeschädeln wedeln, um Aktivität vorzutäuschen. Und Wotans Abschied als langsames über die Bühne Schleichen, Hand in Hand mit Brünnhilde, die nicht weiß, wie ihr geschieht bei dem Domingo-verdächtigen Abschiedskuss, das alles spricht von Verlegenheit und Einfallslosigkeit, die beinahe noch schlimmer sind als Provokation. Auch die vielen Farbwechsel, dazu auch in Rot, tragen dazu bei, den Feuerzauber um seine optische Wirkung zu bringen. Ein Goldregen, wie ihn Frau Holle hätte verursachen können, oder ein Kanapee mit Widderhörnern, zwischen denen Hunding sein Gebet an Fricka verrichtet, scheinen auch eher Verlegenheitslösungen als durchdachtes Regiekonzept zu sein. Dabei genießt der Video-Betrachter noch den Vorzug, durch eine kluge Kameraführung meistens vor dem Totalanblick einer hoffnungslos zugemüllten Bühne bewahrt zu werden.

Ein Opernhaus, das auf sich hält, engagiert, falls Jonas Kaufmann nicht zu haben ist, als Siegmund Stuart Skelton, der die längsten und kraftvollsten „Wälse“-Rufe aller Zeiten zum Besten gibt, so auch in dieser Aufführung, der zudem für die recht tief liegende Partie auch eine wohltönende Mittellage hat, dessen Tenor von einheitlicher Farbe ist und der ein schönes, fast italienisches Legato singt. Ausgerechnet die „Winterstürme“ klingen verhuscht und gehen fast unter, während der Schwellton auf „Frauen“ höchst erfreulich ist. Optisch ist der Australier eher an Johan Botha gemahnend als an seinen deutschen Kollegen und dementsprechend ist auch sein Spiel ein eingeschränktes. Seine Sieglinde ist Emily Magee in zunächst schlimm verunstaltendem Kostüm, aber einem Sopran von rundem, vollem Klang, präsent auch in der Mittellage. Die Sängerin gibt manchmal mehr, als die Rolle an Dramatik erfordert und wird dann leicht schrill. Ihr „Rettet die Mutter“ treibt dem Hörer Tränen in die Augen, warum sie zu Beginn sich wie in Wehen auf einem Podest hin- und herwinden muss, bleibt unerfindlich.

Fast zu attraktiv für den Hunding ist Ain Anger mit bassgewaltiger Stimme, die auch sotto voce noch höchst präsent ist. Sein Todeskampf ist hollywoodwürdig. Optisch wie vokal ihm ebenbürtig ist Sarah Connolly als Götter-Gattin Fricka, so hoheitsvoll wie verführerisch, deren Kostüm so farbenprächtig ist wie ihre Stimme, die viele unterschiedliche Emotionen hörbar macht.

Der Schwachpunkt der Aufführung ist der Wotan von John Lundgren, der optisch nur in Bezug auf das verloren gegangene Auge überzeugen kann, dazu einen eher eines Brunnenvergifters als Göttervaters würdigen Bariton vorweisen kann, ein gar nicht edles Timbre, eine im Piano wenig tragfähige Stimme, wie das fast tonlose „so küsst er die Gottheit von dir“ zeigt und der erst in der Beschwörung Loges angemessenes akustisches Format zeigt.

Der unbestrittene Star der Aufführung aber ist die verdienstvolle Brünnhilde vom Dienst, Nina Stemme, die eine sehr menschliche Walküre voller Wärme und Entschlossenheit spielt, deren Sopran ein warmes Leuchten auszeichnet, ein farbiges Piano für „War es so schmählich“, eine wunderschöne Todesverkündigung, sehr, sehr viele Schattierungen und die durchgehend zeigt, dass Wotan zwar die Macht, sie aber die unbeirrbare Stärke hat. Dass das „Hojotoho“ nicht besonders eindringlich ist, liegt an dem unglücklichen Regieeinfall, dass es beim Hinabklettern von einer Leiter gesungen werden muss.

Antonio Pappano dirigiert sängerfreundlich, aber wenn angebracht auch angemessen rauschhaft und auf Überwältigung setzend, wie Nina Stemme wird er ganz besonders vom Publikum gefeiert. Aber ist das alles genug (Opus arte BD7270D)? © 2020 Opera Lounge





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group