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Album Reviews



 
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Ekkehard Pluta
Opernwelt (Germany), February 2017

WAGNER, R.: Rheingold (Das) [Opera] (Goerne, DeYoung, Begley, Sidhom, Cangelosi, Hong Kong Philharmonic, van Zweden) 8.660374-75
WAGNER, R.: Walküre (Die) (Goerne, DeYoung, Skelton, Melton, P. Lang, Struckmann, Hong Kong Philharmonic, van Zweden) 8.660394-97
WAGNER, R.: Ring des Nibelungen (Der) [Opera] (Bayreuth Festival 2008, Thielemann) OACD9000BD
WAGNER, R.: Ring des Nibelungen (Der) [Opera] (Bayreuth Festival Chorus and Orchestra, Kempe, Hines, T. Stewart, Thaw, Stolze, D. Ward, Roth-Ehrang) C928613Y

Man kann sie kaum noch zählen, die kompletten Aufführungen von Wagners « Ring des Nibelungen », die in den letzten Jahren als Mitschnitte auf CD oder DVD erschienen sind. Wien, Hamburg, Frankfurt, Weimar, Lübeck, Kopenhagen, Amsterdam, Seattle usw. Und jetzt also auch noch Hongkong. Dort hat man vor zwei Jahren einen konzertanten Zyklus gestartet, der nun bis zur « Walküre » gediehen ist und in fortgeschrittenster Aufnahmetechnik bei Naxos publiziert wird. In diesem Jahr kommt « Siegfried » heraus, Ende Dezember 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Wer braucht das?, möchte man angesichts des Überangebots fragen. Denn sieht man einmal vom Reiz des exotischen Orchesters ab, findet man auf dem Besetzungszettel durchweg Namen von Künstlern, die schon in früheren Live-Aufnahmen zu erleben sind. Einzige Ausnahme: Matthias Goerne, der bei dieser Gelegenheit sein Wotan-Debüt gibt.

Seine Leistung ist in vokaler wie gestalterischer Hinsicht beachtlich und macht neugierig auf die weitere Entwicklung des Sängers in diesem Fach, auch wenn er kein echter Heldenbariton ist (und wahrscheinlich auch nicht werden wird). Doch die deklamatorische Prägnanz in den Dialogen mit Fricka und Brünnhilde und das vollmundige Legato bei Wotans Abschied lassen auch beim verwöhnten Hörer kaum Wünsche offen. Ihm ebenbürtig an mustergültiger Diktion und liedhafter Phrasierung ist der australische Tenor Stuart Skelton als Siegmund. Das ist Wagner-Belcanto pur, wie man ihn heute nur noch selten erlebt. Falk Struckmann, der Wotan im Hamburger « Ring », hat jetzt den Hunding übernommen, ohne deshalb ein Bassist geworden zu sein. Ihm fehlen die dunklen Farben, die man von Gottlob Frick oder Kurt Moll im Ohr hat, aber dank scharfer sprachlicher Profilierung bringt er die sinistren Seiten der Figur deutlich heraus.

Mit den weiblichen Protagonisten kann ich mich weniger anfreunden. Heidi Melton nimmt mit schöner Mittellage für sich ein, neigt in der Höhe aber schnell zum Kreischen—mit einiger Skepsis sehe ich ihrer Brünnhilde im demnächst folgenden « Siegfried » entgegen. Die wird hier von Petra Lang mit einer immer noch jugendlich klingenden Stimme gestaltet, die freilich in den exponierten Lagen aus dem Fokus gerät, mit einer Tendenz zum leicht heulenden Portamentieren. Michelle De Young reduziert die Fricka auf den keifenden Ehedrachen: dadurch geht die argumentative Kraft ihrer Auseinandersetzung mit Wotan verloren.

Im « Rheingold » war Goerne der einzige deutsche Sänger im Ensemble, und man muss anerkennen, in welchem Maße auch die anderen um eine präzise Artikulation des Textes bemüht waren, auch wenn sie ihren jeweiligen Akzent nicht leugnen konnten. Loge, Alberich und die beiden Riesen bieten ansprechende, wenn auch nicht sonderlich profilierte Leistungen, das restliche Ensemble hält gutes Stadttheaterniveau. Das chinesische Orchester ist von seinem holländischen Chefdirigenten Jaap van Zweden gut auf Wagner eingeschworen worden. Van Zweden dröselt die Partitur gleichsam auf, nimmt das Orchester oft zurück, um die Sänger plastischer hervortreten zu lassen. Über weite Strecken erlebt man ein Kammerspiel. Das ist wohlgetan und ganz in Wagners Sinne. Die breiten Tempi—der « Vorabend » dauert eine halbe Stunde länger als bei Clemens Krauss und Karl Böhm—werden allerdings nicht durch innere Spannung ausgefüllt, die orchestralen Höhepunkte stehen etwas isoliert da, dem Ganzen fehlt der große epische Atem.

Gleichzeitig mit der « Walküre » aus Hongkong bringt Naxos den schon früher veröffentlichten kompletten Bayreuther « Ring » von 2008 zu einem relativ günstigen Preis erneut auf den Markt. Die Kassette ist in erster Linie ein Dokument des Kultes um den Wagner-Dirigenten Christian Thielemann, der sich hiermit gleichsam selbst Konkurrenz macht, denn seit Jahren ist auch sein Wiener « Ring » von 2011 (Deutsche Grammophon) im Handel. « Auf dem Siegertreppchen » verortet der für alle Teile der Tetralogie identische Booklet-Text den Maestro und prophezeit dem Mitschnitt, dass er nicht nur in die Bayreuther Annalen, sondern auch in die Schallplattengeschichte eingehen werde. Letzteres darf mit Fug bezweifelt werden. Unbestritten ist Thielemanns intime Kennerschaft der Partitur, Geschmackssache bleiben seine in breiten Tempi sich auslebenden Klangvorstellungen, die gewollt eine Gegenposition einnehmen zu den eher analytischen Interpretationen der jüngeren Vergangenheit von Boulez bis Petrenko. Auf vokaler Ebene sind aber kaum denkwürdige Leistungen zu registrieren.

Um die völlig verloren gegangenen Maßstäbe des Wagner-Gesangs in Bayreuth und anderswo wieder zurechtzurücken, kommt der bei Orfeo erstmals publizierte « Ring » von 1961 unter Rudolf Kempe gerade recht. Im homogenen Ensemble finden sich einige Sänger, die mit ihren RollenporRollenporträts eine ganze Epoche geprägt haben. Dazu zählen an erster Stelle Birgit Nilsson als Brünnhilde und Gottlob Frick als Hunding und Hagen. Die Nilsson übernimmt ihre Glanzrolle hier von Astrid Varnay, die im Bayreuth der fünfziger Jahre gleichsam ein Monopol darauf hatte und hier in der « Walküre » noch einmal ihre Klasse zeigen kann. Régine Crespin, später Karajans Brünnhilde, ist eine leuchtkräftige, sinnliche Sieglinde, Regina Resnik eine imponierende Fricka. Loge wurde nie charakterschärfer gezeichnet als von Gerhard Stolze, und Otakar Kraus ist als Alberich ein ernsthafter Gegenspieler von Wotan. Den verkörpern hier die Bayreuth-Debütanten Jerome Hines und James Milligan (« Siegfried »), beide mit großer vokaler Autorität und Gespür für die Finessen von Wagners Deutsch. Der 33-jährige Kanadier Milligan stand am Beginn einer Weltkarriere, erlag aber nur wenige Monate nach diesem Auftritt während einer Probe in Basel einem Herzinfarkt. Thomas Stewart lässt als Donner und Gunther schon erkennen, dass er sich zum führenden Wotan seiner Generation entwickeln wird. Die glücklosen Helden sind hinsichtlich der Stimmfarbe eher ungewöhnlich besetzt. Fritz Uhl gibt mit heller schneidender Loge-Stimme den Siegmund, der sehr baritonal klingende Hans Hopf den Siegfried als gestandenes Mannsbild, nicht als naiven Jüngling. Rudolf Kempe baut in Bayreuth auf seinen Londoner « Ring »-Erfahrungen auf, schafft bei einem schlanken Gesamtklang einen ruhigen Erzählfluss, aus dem sich die dramatischen Höhepunkte organisch entwickeln. © 2017 Opernwelt (Germany)



Stefan Gawlick
Hifi&Records, April 2010

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Wolfgang Denker
Orpheus, March 2010

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Dieter David Scholz
Rondo, February 2010

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Ulrich Ruhnke
Das Orchester, January 2010

Sollte die Welt einst so untergehen, möchten wir gerne dabei sein. Selig versinken im Klangrausch, in den Orchesterfluten, die derzeit kein zweiter wie Christian Thielemann aufzupeitschen versteht. Gewaltig, die Erde verschlingen, und dabei doch immer am menschlichen Maß gemessen, niemals donnerhaft dröhnend wie bei manch einem seiner Kollegen, die es im selbstverlorenen Testosteronrausch gerne mal so richtig krachen lassen und die nun mit kantigem Gesicht und durchaus nicht unlächerlicher Kapellmeisterstrenge nach Altväter Sitte verächtlich aus dem Plattenregal blicken. Nicht nur am Ende von Wagners „Ring“ ist es nur ein kleiner Schritt von der musikalischen Monumentalskulptur hin zu ihrer im Dauerforte dröhnenden Karikatur. Thielemann und das Orchester der Bayreuther Festspiele gehen, eigentlich müsste man sagen: tanzen diese Gratwanderung auf atemberaubende, höchst musikalische Weise und ohne Fehltritt die gesamten knapp 15 „Ring“‐Stunden (für pedantische Stundenglaszähler: 14 Stunden und 56 Minuten sind es genau). Es ist eine der schönsten Eigenschaften dieses Dirigats, dass es sich der kleinen, versteckten musikalischen Figuren mit ebensolcher Hingabe annimmt wie den vordergründigen, den traumhaft souverän gelenkten und kanalisierten Gesamtfluss prominent dominierenden. Und dass all dies und damit das Ganze zugleich mit einer so individuellen Prägung und in ganz eigener Handschrift gestaltet ist, die nicht weniger überzeugend wie ganz anders daherkommt als alle anderen „Ring“‐Exegesen, die man derzeit noch hören kann, ist es, was diese Lesart so einzigartig macht. Fernab von Aktlängen und Stoppuhrzeiten, an denen die Diskussion um eine vermeintliche Werktreue so gerne festgemacht wird und die letzten Endes doch ebenso offen und unbeantwortet bleiben muss wie bei der Frage um die szenische Gestaltung: Ein gutes Kunstwerk ist halt immer schlauer als sein Schöpfer und sowieso grundsätzlich autonom von ihm. Was Christian Thielemann hier mit dem grandiosen Orchester der Bayreuther Festspiele zustande gebracht hat, ist nicht weniger als ein genialer künstlerischer Wurf.

Weit weniger gelungen ist dagegen der offenkundige Versuch, die besondere Akustik im Bayreuther Festspielhaus einzufangen, wo dieser „Ring“ als Live‐Mitschnitt im Sommer 2008 aufgenommen wurde. Mit einiger Imaginationskraft vermag man sich in die Mitte des hölzernen Hochparketts versetzen und sich erinnert fühlen an das echte Klangerlebnis. Für Sekunden gelingt es auch, ist das Festspielhaus um einen präsent, doch kaum, dass man dem Klang genauer nachhorchen will, ist es auch schon wieder weg, eine bloße Erinnerung. Was bleibt ist eine klingende Kostbarkeit, die nur aus der Ferne, wie durch einen Vorhang ans Ohr dringt, der aber eben nicht gleichzusetzen ist mit der Abdeckelung des Orchestergrabens in Bayreuth. Hier ist der Klang zwar auch nicht so unmittelbar wie in einem Haus mit offenem Graben, aber deswegen doch nicht ein My weniger präsent und prägnant. Auf der vorliegenden Aufnahme leider schon. Oder vielleicht auch Gott sei Dank. Furchtbar, könnte die Technik solche akustischen Rätsel lösen und in ein beliebig reproduzierbares Produkt ummünzen.

Die Sängerbesetzung, auch wenn man sich inzwischen einigermaßen an sie gewöhnt hat, ist und bleibt nichts für echte Stimmenliebhaber. Eva‐Maria Westbroek als Sieglinde, Kwangchul Youn als Hunding, Hans‐Peter König als Hagen sind noch die Besten im Bunde, auch Stephen Gould (Siegfried) hat wunderbare Momente und Töne, doch lässt die Hörfreude mit dem mehr grundsoliden als superben Albert Dohmen als Wotan und der mehrfach sich ordentlich mühen müssenden Linda Watson als Brünnhilde schon deutlich nach.



Stephan Schwarz
Fono Forum, January 2010

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Georg Henkel
www.musikansich.de, January 2010

Auch wenn Christian Thielemanns sehr langsame Tempi nicht den von Richard Wagner gewünschten dramatischen Pulsschlag erreichen (was dem Bayreuther Meister freilich auch bei seinen Dirigenten zu Lebzeiten nicht vergönnt war), gelingt ihm doch ein eindringlicher Ring des Nibelungen. Zwar benötigt er von allen Wagnerdirigenten die meiste Zeit. Doch die Proportionen stimmen und damit die internen Spannungsverläufe. Thielemann schwelgt in der Partitur. Die Klangfarben sind rauschhaft disponiert, der große Apparat klingt organisch und entfaltet einen hypnotischen Sog. Nicht nur das kongenial aufgefasste, suggestiv strömende und wirbelnde Vorspiel zum Rheingold ist ein großer Wurf. Selbst die oft so vulgär dahingalloppierende Walküren-Musik glost in attraktiven Farben; man kann diesen Teil ja auch mit gutem Grund ziemlich schrecklich finden, doch gemacht ist es hier einfach toll.

Ins allgemeine Wagner-Gesangs-Verfall-Lamento kann man natürlich auch bei dieser Produktion einstimmen. Dabei gibt es einige ausgezeichnete größere und kleinere Nebendarsteller zu entdecken: Kwanchul Youn (Hunding), Hans-Peter König (Hagen), Gerhard Siegel (Mime), Christa Meyer (Erda) und Michelle Breedt (Fricka) machen ihre Sache gut und verlieren nicht den Kampf gegen die breiten Tempi. Wichtige Rollen haben dagegen nicht immer das Glück einer befriedigenden Besetzung: Albert Dohmen bringt als Wotan zumindest Solidität mit. Doch Endrik Wottrichs Siegmund artikuliert unsauber, Linda Watsons scharf timbrierter Brünhilde fehlt es an Frische und Stephen Goulds schmalem Siegfried geht das Heldische zu sehr ab. Klanglich ist das ganze ordentlich und weitgehend störungsfrei. Auf der Promopressung war jedoch der zweite Akt der Walküre total verknistert.



M. Wilks
Das Opernglas (Germany), January 2010

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Kurier, November 2009

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