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ouverture - Das Klassik-Blog, April 2019

Wer Lust hat, zum Osterfest einmal nicht Bachs Matthäuspassion anzuhören, und wer eine große Portion romantisches Pathos verkraftet, dem sei an dieser Stelle Carl Loewes Passionsoratorium Das Sühnopfer des neuen Bundes empfohlen.

Der Komponist ist heute vor allem für seine großartigen Balladen- vertonungen bekannt. Er hat mehr als 500 Lieder komponiert, und außerdem 17 Oratorien, etliche Kantaten, sechs Opern, diverse Kammermusik sowie je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, die leider alle in Vergessenheit geraten sind. Diese Einspielung mit den Arcis-Vocalisten München sowie dem Barock- orchester L’arpa festante unter der Leitung von Thomas Gropper zeigt, dass sich eine Sichtung dieser Notenbestände durchaus lohnen könnte.

Johann Carl Gottfried Loewe (1796 bis 1869) war der Sohn eines Kantors. Er stammte aus Löbejün bei Magdeburg, und ging zunächst in Köthen zur Schule. Dank eines Stipendiums konnte der höchst begabte Knabe seine Ausbildung 1809 an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale fortsetzen. Er sang als Sopranist im Stadtsingechor, und war auch ein gefragter Solist. Daniel Gottlob Türk und Johann Friedrich Reichardt gehörten zu seinen Lehrern.

1816 bewarb sich Loewe um die Organistenstelle an der Marktkirche, die er aber nicht bekam. So begann er dann ein Jahr später, nach bestandener Reifeprüfung, ein Theologiestudium an der Universität der Saalestadt. Außerdem wirkte er auch weiterhin als Sänger, und komponierte. 1820 erfuhr Loewe, dass für die Stettiner Hauptkirche St. Jacobi ein Kantor gesucht wird. Auf Wunsch des dortigen Magistrats reiste der junge Musiker zunächst nach Berlin, wo Carl Friedrich Zelter, Leiter der Singakademie und Berater der preußischen Regierung in musikalischen Angelegenheiten, Loewes Eignung prüfte. Das Zeugnis fiel offenbar positiv aus – Loewe erhielt die Stelle, und blieb in Stettin sagenhafte 46 Jahre lang. Der Musiker war dort nicht nur Kantor und Organist, er unterrichtete auch am Gymnasium und am Lehrerbildungsseminar und war städtischer Musikdirektor. Außerdem gründete er den Pommerschen Chorverband, und organisierte zahlreiche Musikfeste. In den Ferien ging er auf Konzertreisen; er war ein exzellenter Tenor und auch ein begnadeter Pianist. 1837 wurde Loewe Ehrendoktor der Universität Greifwald, und Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

1864 erlitt Loewe einen Schlaganfall, und wurde in Kiel von seinen Töchtern gepflegt.  Als er dann nach seiner Genesung den Dienst in Stettin wieder antreten wollte, forderte ihn der Magistrat auf, in den Ruhestand zu treten. Und so kehrte Loewe 1866 nach Kiel zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In Kiel ist er auch begraben, doch sein Herz wurde in einem Pfeiler unter „seiner“ Orgel in Stettin beigesetzt. Eine Gedenktafel erinnert dort noch heute an den großen Musiker.

Das Libretto für Das Sühnopfer des neuen Bundes lieferte Wilhelm Telschow, eigentlich ein Experte für Buchhaltung und kaufmännische Rechnen. Es ist eine Kombination aus Bibelzitaten, Psalmtexten, Choralstrophen und freier Dichtung. Die Bibelworte hat Telschow sprachlich meist vereinfacht; die Rede Jesu allerdings ließ er unangetastet. Ansonsten fällt die betont schlichte Sprache auf, für die sich der Dichter entschied.

Die Musik hingegen ist kunstvoll; Loewe zeigt in seiner Kirchenmusik, neben seiner Bach-Verehrung, Sinn für Dramatik. Doch auch die Gefühle jener Menschen, die Christus auf dem Wege vom Hause Simonis, wo eine Frau Jesus mit duftendem Wasser übergossen hat, über Gefangennahme und Kreuzigung bis zur Grablegung begleiten, spiegelt er ausdrucksvoll in seinem Werk.

Monika Mauch, Ulrike Malotta, Georg Poplutz und Andreas Burkhart als Solisten sowie die Arcis-Vokalisten und das Barockorchester L’arpa festante stellen das Oratorium höchst ansprechend vor. Wer eine andere Facette des Balladenspezialisten Loewe kennenlernen möchte, der sollte diese Doppel-CD unbedingt anhören. Eine Entdeckung, nicht nur für Freunde sakraler Chormusik. © 2019 ouverture - Das Klassik-Blog



Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2019

Carl Loewe schrieb jede Menge an Liedern, ca. 400 an der Zahl (z.B.: „Die Uhr“, „Heinrich der Vogler“). Bekannt sind heute selbst Kennern nur noch Balladen wie „Erlkönig“, „Herr Oluf“ oder „Archibald Douglas“. Der jetzt wieder zu entdeckende Frühromantiker Loewe hat aber auch sechs Opern, zwei Symphonien und Klavierkonzerte sowie 17 geistliche und weltliche Oratorien komponiert.

Der aus Sachsen-Anhalt stammende Komponist fand seine Lebensstellung als Kantor an der St. Jacobi Kirche in Stettin (Westpommern, heute Polen). Während seiner 46 Dienstjahre in Stettin fungierte Loewe u.a. als Organist, Lehrer, Kammermusiker, Musikdirektor, Chorleiter und Dirigent. Loewe war überdies ein sehr guter Sänger und Pianist, er trug seine Balladen und Lieder in Berlin und Potsdam am preußischen Hof unter Friedrich Wilhelm IV. akklamiert selbst vor. Sein Arbeitsvertrag untersagte Loewe jedoch, Opern für das Theater in Stettin zu schreiben. So erklärt sich, dass seine Oratorien, wie „Das Sühneopfer des Neuen Bundes“, eher musikdramatisch hitzig denn still-kontemplativ klingen.

Der Librettist Wilhelm Telschow hatte ein Pasticcio aus Bibelzitaten, Psalmen, Chorälen und freier Dichtung zu einer tauglichen Grundlage der Passionsgeschichte geformt. Der ohne Evangelisten auskommende Passionsbericht stammt großteils in vereinfachter Version aus den Evangelien des Matthäus und des Johannes, nur die Worte des Jesus wurden im Original beibehalten. Mit Bachs Passionen verbindet Loewe die grundsätzliche Dramaturgie als auch die Funktion der Chöre als kollektive Stimme verschiedener Personengruppen, wie Kriegsknechte, Jünger oder Zionstöchter.

Ich finde die Musik Loewes großartig in ihrer einprägsamen Bildhaftigkeit, emotionalen Ehrlichkeit und ihrer dramatischen Verknappung trotz einer romantisch schwärmerischer Grundierung. Lange Arien gibt es kaum; einfache, aber stets spannende Rezitative treiben die Handlung voran. Vor allem die vielen, höchst abwechslungsreichen Chöre begeistern und zeigen, wies sehr Loewe dieses Genre souverän beherrschte. Musikalische Querverweise zu Schubert und Mendelssohn sind evident, erklären aber nicht alleine die vollkommen originäre Kraft der musikalischen Eingebung. Dirigent Thomas Gropper erklärt dazu: „Loewes Stil hat seine Wurzeln in der mitteldeutschen und norddeutschen Kantorentradition, in Herders Volksliedideal, in den Balladen von Zumsteeg, im Liedschaffen der Berliner Schule und dem Goethe-Kreis um Reichardt und Zelter. Und er war der Tradition der Hausmusik und des bürgerlichen Gesangsvereins und Chorwesens verpflichtet“.

Die im Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk entstandene Einspielung ist nicht nur klangtechnisch hervorragend, sondern besticht durch dramatischen Puls, eine verblüffende erzählerische Dichte, die einfühlsame Sangeskultur der Arcis-Vocalisten München sowie ein exquisit harmonisches Solistenquartett (Monika Mauch Sopran, Ulrike Malotta Mezzo, Georg Poplutz Tenor, Andreas Burkhart Bass). Das Barockorchester „L‘Arpa Festante“, benannt nach der gleichnamigen Oper von Giovanni Battista Maccioni, unter der Leitung von Thomas Gropper ist Garant eines historisch informierten, saftig energetischen Instrumentalparts.

Für alle Liebhaber von sakraler Chormusik dürfte dieses Oratorium eine wunderbare Entdeckung sein. Insgesamt bietet die Neuerscheinung eine spannungsgeladene Begegnung mit einem vergessenen Meisterstück, von der ersten bis zur letzten Note ohne Fehl und Tadel interpretiert. © 2019 Online Merker




Uwe Krusch
Pizzicato, February 2019

Für viele steht die Musik von Carl Loewe nicht im Mittelpunkt, und wenn, kennt man ihn als Lied- oder noch spezifischer Balladenkomponisten. Dass er u. a. auch siebzehn Oratorien komponierte, ist weitgehend unbekannt. Loewe wirkte viele Jahre in Stettin und betreute dort das Musikleben in vielerlei Hinsicht. Die späten Jahre seines Lebens kümmerten sich seine Töchter in Kiel um ihn.

Von seinen wenigen geistlichen Oratorien ist „Das Sühneopfer des neuen Bundes“ zu nennen. In romantischer Tonsprache veranschaulicht Loewe den Leidensweg des Jesus von Nazareth vom Besuch in Bethanien bis zur Grablegung. Das Werk auf einen Text von Wilhelm Telschow, der Bibelzitate, Choräle und eigen Worte kombiniert, gliedert sich in drei Teile zu jeweils drei Abschnitten. Damit entsprechen die Szenen mit jeweils bezeichnetem Ort der Handlung genau den Stationen des Passionsberichtes. Loewe kombiniert die Formen Rezitativ, Arioso, Arie, Chor und Choral. Loewe versteht es, der Musik eine personaltypische Prägung und gleichzeitig Ausdrucksstärke zu verleihen. Letztere war Grund dafür, dass dem Oratorium wieder Interesse entgegengebracht wird.

Thomas Gropper hat seine ‘Arcis-Vocalisten’ wieder einmal mit dem Orchester ‘L’Arpa Festante’ und Solisten zusammengebracht, um die miteinander vertrauten Ensembles erneut ein im Schatten stehendes Werk ans Licht zu holen. Dabei gelingt es Chor und Orchester wiederum, ihre Stärken zu vereinen, um dieses mit fast durchgehend ruhigem Tempo gestaltete Werk dennoch mit durchgehender Innenspannung kunstvoll zu beleben.

Auch die vier Solisten tragen mit schlichten, aber eindringlichen Beiträgen dazu bei, die auf Besinnung und Innehalten gerichtete Erzählung mit menschlicher Wärme zu betrachten und dem Hörer dies zu vermitteln. © 2019 Pizzicato





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