Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Johannes Schmitz
Fono Forum, May 2016

Musik
Klang

Er phrasiert musikalisch, kann seine Stimme, die einen angenehm weichen Grundklang hat, zurücknehmen, die Höhe ist da, die Artikulation klar. Und dennoch: Maximilian Schmitts Recital deutscher Opernarien ist eine Enttäuschung. Die Stimme geht nicht durch, sie scheint irgendwo im Phonationstrakt einer Verengung zum Opfer zu fallen, die zu nasalen und bei den offenen Vokalen mitunter zu gepressten Klängen führt (den Vokal „a“ bekommt er einfach nicht in Position). Da tun sich grundsätzliche technische Probleme eines mangelnden Vokalausgleichs auf, die auch durch eine kluge Sprachbehandlung nicht zu kaschieren sind. Der Weg, den Schmitt gehen zu wollen scheint, zeichnet sich auf der CD bereits ab: Urlyrischen, liedhaften deutschen Stücken wie „Horch, die Lerche singt im Hain“ (Nicolais „Lustige Weiber“) oder „Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen“ (Lortzings „Zar und Zimmermann“) setzt er Grenzrollen wie den Max aus dem „Freischütz“ und das Gebet des Rienzi aus Wagners gleichnamiger Oper entgegen. Der Nachfrage des Sänger-Marktes wird er mit seinem Hang zum Schwereren auf jeden Fall entgegenkommen. Hoffentlich kann er noch lange widerstehen. Weltkarriere im Lyrischen hat Schmitt ohnehin schon gemacht, Scala und Staatsoper Wien eingeschlossen. Zu den Pluspunkten der Aufnahme gehört die Zusammenstellung der Stücke. „Wie ein schöner Frühlingsmorgen“ aus dem „Vampyr“ von Marschner oder „Was quälst du dich“ aus Schuberts „Fierrabras“ sind wie „Unter blühenden Mandelbäumen“ aus der „Euryanthe“ wertvolle Schätze aus den Geheimschatullen des Repertoires. Das WDR Sinfonieorchester Köln unter Patrick Lange bereitet Schmitt ein gutes, sauber gegossenes Fundament. Umso stärker treten die gesangstechnischen Unzulänglichkeiten zutage. © 2016 Fono Forum




Matthias K├Ąther
kulturradio vom rbb, March 2016

Einem breiteren Publikum ist der lyrische Tenor Maximilian Schmitt kürzlich durch die neue Gesamtaufnahme von Mozarts “Entführung aus dem Serail” unter René Jacobs bekannt geworden—er sang dort die Rolle des Belmonte. Nun hat er ein Album mit romantischen deutschen Tenorarien herausgebracht.

Ein schöner Repertoire-Mix! Maximilian Schmitt folgt da einem Trend, den vor ihm schon einige deutsche Sänger wie Christian Gerhaher oder Jonas Kaufmann zelebriert haben. Nämlich nicht nur die großen Klassiker der deutschen Romantik aufzuwärmen wie Weber und Wagner, sondern an die Komponisten dazwischen zu erinnern. Hier finden sich auch Arien von Lortzing, Flotow, Marschner und Nicolai, und das nicht nur mit dem allgemein üblichen Standarts; aufgenommen wurde etwa auch eine Arie aus Flotows selten gespielter Oper Alessandro Stradella (die sogar den Titel fürs Album lieferte). Und sogar ein Schubert ist dabei - eine große Szene aus der Oper Fierrabas. Doch natürlich läßt es sich Schmitt nicht nehmen, die ganz großen Versatzstücke zu präsentieren. Mit dabei auch: Fliegender Holländer, Tannhäuser und Freischütz.

Feinsinnige Akzentuierung

Maximilian Schmitt ein passabler Liedsänger, und auch mit Opern-Repertoire aus dem 18. Jahrhundert hat er durchaus respektable Erfolge erzielt.

Als Tenor der Romantik und des Biedermeier überzeugt er mich weniger. Keine Frage, er ist ein intelligenter Sänger, im Booklet gibt er ein kluges Interview, in dem er sein Repertoire verteidigt. Aber ich glaube, dass eine rein intellektuelle Durchdringung der Stücke den Werken nicht gerecht wird. Trotz feinsinniger Akzentuierung vieler Passagen und großer Selbstkontrolle (die etwas flackrige Stimme wird nicht selten mit eiserner Selbstdisziplin stabil gehalten) springt bei mir der Funke nicht über.

Ein ordentliches Album

Mir fehlt diese gewisse Spur Sentimentalität und der Hauch Herzschmerz, den diese Arien mit ihren weitgeschwungenen Bögen nun mal brauchen. Wer hier nur mit dem Kopf singt, singt am Ziel vorbei. Deswegen hat sich im Baritonfach ein analytischer Sänger wie Fischer-Dieskau von Lortzing/Flotow/Nicolai fast immer ferngehalten, und deswegen hat ein Gemüts- und Bauchmensch wie Hermann Prey diese Sachen immer so gesungen, dass es heute immer noch ein Vergnügen ist, zuzuhören. Man kann sich da vieles ausdenken, um Gänsehaut zu erzeugen. Man darf dazu auch gern mal beim Singen entspannt die Hände in die Taschen stecken. Nur eins darf man nicht—man darf nicht “Sie” zu den Noten sagen.

Hier ist ein ordentliches Album entstanden mit fein herausgeputzten sauber gesungen Arien. Wer das so mag, dem will ich nicht hineinreden. Aber mir fehlt das Feuer, der Schmelz. Mir ist dieser Gesang zu steril.

Glutvolle Begleitung

Tragikomischer Kontrast: einer recht blutarmen Interpretation steht eine wirklich glutvolle Begleitung gegenüber. Das WDR-Sinfonieorchester ist genau richtig für dieses Genre, es gelingt dem Klangkörper, die Musik so zu gewichten, dass sie weder zu bombastisch noch zu windig klingt, alle Titel haben genau den Schmelz und die federnde Leichtigkeit, die diese Musik braucht. Und zu Patrick Lange muss man in Berlin nicht mehr viel sagen, er war lange ein großartiger Dirigent an der Komischen Oper. Selten habe ich diese romantischen Arien mit so delikatem Orchestersound gehört. © 2016 Kulturradio





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group