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ouverture - Das Klassik-Blog, February 2016

Johann Mattheson (1681 bis 1764) darf man wohl mit Fug und Recht zu den Universalgenies zählen. Der Sohn eines wohlhabenden Hamburger Kaufmanns erlernte nicht nur Fremdsprachen, Reiten und Fechten, er erhielt zudem eine erstaunlich umfangreiche musikalische Ausbildung. Bereits als Knabe sang er im Hamburger Opernchor; später übernahm er auch Solistenpartien, spielte Cembalo und Orgel und komponierte. 1704 wurde Mattheson zunächst Hofmeister, dann Sekretär und Korrespondent des englischen Gesandten. Diese Position sicherte ihm bis ins hohe Alter Status und Einkommen.

1715 wurde Mattheson zusätzlich Vikar und 1718 Musikdirektor am Hamburger Dom. Diese Stelle musste er im Jahre 1728 aus zwei Gründen aufgeben. Zum einen verschlechterte sich sein Gehör drastisch; er wurde erst schwerhörig und dann sogar taub. Zum anderen scheint Mattheson keinem Streit aus dem Wege gegangen zu sein. Legendär ist sein Duell mit Händel, das wohl nur wegen eines Knopfes keine schlimmeren Auswir- kungen hatte. Und Auseinandersetzungen mit Oratoriensängern sollen derart eskaliert sein, dass sie die weitere Zusammenarbeit mit Mattheson verweigert und so seinen Rückzug erzwungen haben sollen.

Einen bleibenden Ruf errang Mattheson mit seinen musiktheoretischen und musikhistorischen Schriften. Seine Grundlage einer Ehren-Pforte beispielsweise, erschienen 1740, enthält 149 Musikerbiographien. Auch seine Schriften über das Orchester gelten bis heute als wichtige Quellen. Es steht außer Zweifel, dass Mattheson zu den bedeutendsten Musikpublizisten seiner Zeit gehörte. Allerdings ist sein Urteil mitunter tendenziös bis befremdlich. So wird Bach in der Ehrenpforte nicht einmal erwähnt, obwohl Mattheson 1725 in Leipzig war und den Thomaskantor erlebt und kennengelernt hat.

Eine andere Facette seines Lebenswerkes präsentiert nun bei Oehms Classics Andrea Benecke. Die Pianistin stellt auf einer CD den Musiker Mattheson vor, der neben Opern und Oratorien auch ein wenig Kammermusik und einige Werke für das Klavier geschrieben hat. Sie hat dafür Die wohlklingende Fingersprache ausgewählt, eine Sammlung von zwölf Fugen, einer Fughetta und fünf Suiten-Sätzen, sowie eine Sonata per Clavicembalo aus dem Jahre 1713, komponiert vermutlich für einen Schüler. Für ihre Einspielung nutzt sie einen modernen Steinway, weil seine Dynamik und die erreichbaren Feinheiten im Anschlag ihrer Meinung nach das Potential dieser Musik besser aufzeigen können als der originale Cembaloklang.

Matthesons Stil ist der galante. Das gilt auch für seine Fugen, die eher niedlich wirken als mathematisch streng: „Matthesons Fugen basieren stets auf einem gesanglichen Thema, das ständig ohne komplizierte kontrapunktische Verwicklungen präsent bleibt und deren Zwischenspiele verspielt sind“, urteilt Benecke im Beiheft zu dieser CD. Harmonisch ergeben sich des öfteren spannende Effekte, aber man hat insgesamt den Eindruck, dies geschieht eher aus Versehen—Matthesons Themen sind oftmals banal, und ihre Verarbeitung sprüht ebenfalls nicht gerade von Geist und Witz, die man allerdings in seinem Schriften sonst durchaus antrifft. Im musikalischen Bereich scheint Mattheson doch limitiert gewesen zu sein, und daran vermag auch diese liebevolle Einspielung nichts zu ändern. © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog





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