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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, June 2016

Walter Braunfels (1882–1954), von den Nazis mit einem Aufführungsverbot in die innere Emigration getrieben, fand nach dem Krieg keinen Anschluss an das Musikleben seiner Zeit. In Schallplattenkatalogen ist sein Werk nur spärlich vertreten. Doch, obwohl seine Werke nie den Sprung ins große Repertoire geschafft haben, sind sie mehr als hörenswert.

Das gilt auch für das Programm dieser CD, das sehr stimmungsvoll mit dem Vorspiel und ‘Prolog der Nachtigall’ beginnt. Valentina Farcas ist bezaubernd!

Mein Interesse an den Hölderlin-Gesängen und an ‘Auf ein Soldatengrab’ wird erheblich durch die Stimme von Michael Volle beeinträchtigt, der nicht überzeugend gestaltet und stimmlich unfrei mit einem wirklich störenden Vibrato die drei Stücke in den Sand setzt. Gepresste Töne und Intonationsprobleme sind weitere Negativa, die zu Buche schlagen.

Da sind wir mit Klaus Florian Vogt in ‘Abschied vom Walde’ schon in einer anderen Liga.

Die ‘Don-Giovanni-Phantasmagorie’ über die ‘Champagner-Arie’ aus Mozarts Oper beschließt das Programm in einer guten und lebendigen Interpretation. © 2016 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2016

Braunfels hat Konjunktur: Nach mehreren Veröffentlichungen des Labels Capriccio (Lieder, Große Messe, Instrumentales) ist nun Oehms Classics daran, die gesamten Orchesterlieder dieses bedeutenden Komponisten auf CD einzuspielen. Das erste Album ist allerdings nur weniger als die Hälfte der Spielzeit Instrumentalmusik mit Gesang gewidmet. Den Hauptplatz nimmt die klassisch-romantische Phantasmagorie für großes Orchester über die „Champagner-Arie“ aus Mozarts Oper Don Giovanni ein.

Interessant sind vor allem die zwei Hölderlin-Gesänge für Bariton und Orchester „An die Parzen“ und„Der Tod für‘s Vaterland“, sowie das von einer Dichtung Hermann Hesses inspirierte „Auf ein Soldatengrab“, beides von Michael Volle mit prächtigem Bass-Bariton den mächtigen Orchesterfluten zum Trotz üppig eindrucksvoll dargeboten. In den Kriegsjahren 1916 komponiert, hat Braunfels wohl eigenes Erleben mit in die Musik einfließen lassen. Den Gefallenen gewidmet, erzählen die Gesänge wort—und tongewaltig von Leben, Tod, Ehre, Schlacht und Nacht, dem Traum vom dunklen Quell im heiligen Berge. Näher an Wagner als an Richard Strauss oder Schreker, „parsifalt und nibelungt“ es ganz gehörig in der Entfaltung orchestraler Pracht. Über die musikalische Qualität darf daher also ruhig gestritten werden. Schlechter als die Gurrelieder sind Braunfels Kompositionen allerdings sicher nicht. Für alle Freude spätromantischen Rausches und post-Wagnerscher Klangentladungen ist diese CD eine Fundgrube. Das betrifft auch die Tondichtung Don Juan, die so klingt, als hätte jemand in Auftrag gegeben, die berühmte Mozart Arie in Wagners Klang mit ein wenig Heldenleben vermischt durch sieben Variationen hindurch Revue passieren zu lassen. Mir ist die vorliegende Interpretation lieber als die kürzlich erschienene mit dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera unter Markus L. Frank.

Eingerahmt wird der vokale Teil der CD vom Vorspiel und Prolog der Nachtigall für Koloratursopran und Orchester und dem „Abschied vom Walde“,beides Stücke, die nach Aristophanes für die Oper Die Vögel konzipiert wurden. Valentina Farkas darf die aberwitzigen Koloraturen singen. Wie bei Beethovens Leonore oder der 9. Symphonie bzw. Richard Strauss (Fiakermilli, Zerbinetta) dürfte Braunfels nicht wirklich an die technische Machbarkeit und menschliche Stimme gedacht haben. Man ist wirklich an Beethovens Diktum der „elenden Geige“ von Schuppanzigh erinnert, die seinen Ideen in den Streichquartetten mit der Schwerkraft des Irdischen getrotzt hat. Klaus Florian Vogt ist in dem 5-minütigen „Abschied“ (in der Oper Die Vögel ist das der Schlussgesang des Hoffegut) zu hören.

Der Dirigent Hansjörg Albrecht achtet auf die Transparenz und die Balance des Dargebotenen. Die Staatskapelle Weimar sorgt für himmelstürmende Spannung und samtenen Klang ebenso wie für ein ausgewogenes Miteinander der einzelnen Instrumentengruppen. Der Anfang ist getan. Wir dürfen mit Freude dem zweiten Teil des Unterfangens, diesmal mit dem Konzerthausorchester Berlin und den Solisten Genia Kühmeier, Camilla Nylund und Ricarda Merbeth, ebenso unter Hansjörg Albrecht, der in diesem Herbst erscheinen soll, entgegensehen. © 2016 Der Neue Merker




Anja Herzog
kulturradio vom rbb, May 2016

Doppelt verloren

Walter Braunfels war einer derjenigen Künstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die im wahrsten Sinn doppelt verloren haben. Seine Oper “Die Vögel” nach einer Komödie von Aristofanes war ein Riesenerfolg in den 20ern. 1925 wurde er dann zusammen mit Herrmann Abendroth zum Direktor der Hochschule in Köln berufen, in diesen Jahren wurde er in einem Atemzug genannt mit Richard Strauss und zählte zu den meist gespielten Opernkomponisten, seine Werke wurden in London, Wien und New York von den bekanntesten Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler oder Otto Klemperer aufgeführt.

Nun war Braunfels aber ein so genannter “Halbjude”, sein Vater, ein Rechtsanwalt, war vom Judentum zum evangelischen Glauben übergetreten, und deshalb war es für Walter Braunfels schon im Mai 1933 vorbei. Seinen Direktorenposten musste er räumen, er wurde von der Akademie der Künste und der Reichsmusikkammer ausgeschlossen und seine Stücke sind schlagartig von den Spielplänen verschwunden. Dennoch ist er nicht emigriert. Er ist in Deutschland geblieben, in die innere Emigration gegangen und hat weiter komponiert, auch ohne Aufführungsmöglichkeiten und dabei auf die Nachkriegszeit gehofft.

Nach dem Krieg wurde er zwar von Adenauer in Köln tatsächlich dazu ausgewählt, die Musikhochschule wieder aufzubauen, seine Stücke sind aber trotzdem weiter nicht aufgeführt worden; aus zwei Gründen: Erstens saßen an den entsprechenden Stellen immer noch zu viele alte Nazis, und zweitens war das Musikideal mittlerweile ein anderes, den Avantgardisten, die das Sagen hatten, war seine Musik viel zu  romantisch und rückwärtsgewandt. Und nach seinem Tod 1954 ist er dann erstmal für Jahrzehnte komplett in der Versenkung verschwunden—was sich erst seit den 90ern so allmählich wieder ändert, auch diese CD hier trägt dazu bei. Zum Glück, ich finde, Walter Braunfels sollte man wirklich auf der Liste haben!

Eine Fülle verschiedener Werke

Braunfels ist ja im Ersten Weltkrieg bei einem Einsatz an der Front verwundet worden und hat nach seiner Rückkehr zum Katholizismus konvertiert. Das hat sich auch in seiner Musik bemerkbar gemacht, sein Te Deum und seine Große Messe zum Beispiel zeugen von seiner Religiosität.

Insgesamt hat Braunfels vielfältig komponiert, es gibt Klavierstücke, er war ja auch Pianist, Chorwerke, Kammermusik, verschiedene Orchesterstücke und vor allem mehrere Opern, “Prinzessin Brambilla” zum Beispiel, “Die Vögel”, “Ulenspiegel”—und auch die “Heilige Johanna”.

Opernhafte Orchesterlieder des Opernkomponisten

Zwei der Lieder auf dieser neuen CD sind Vorarbeiten zu einer Oper: Seine Erfolgsoper Die Vögel” hat er schon 1913 in Angriff genommen, und zuerst zwei Stellen des Librettos zu Orchesterliedern verarbeitet, eine Form, die ja Gustav Mahler schon bekannt gemacht hatte. Das ist bei Braunfels einmal “Vorspiel und Prolog der Nachtigall” ein Lied für Koloratursopran, auf dieser CD umwerfend gesungen von der rumänischen Sängerin Valentina Farcasch—und “Abschied vom Walde”. Beide Lieder hat er später in die Oper übernommen und den besonderen, von der Welt entrückten Ton an vielen Stellen der Oper immer wieder aufgegriffen—und diese Oper wurde ja dann sein größter Erfolg 1920.

Eine schöne Gelegenheit, mehr von Braunfels kennenzulernen

Das ist eine sehr gelungene Aufnahme, die eine Gelegenheit mehr gibt, etwas von Walter Braunfels zu hören. Und dann ist das eine schöne Liedauswahl, wer sich gern mit Wonne in der Spätromantik verliert, kann das hier ausgiebig tun, das ist ein voller und großer Ton.

Die zwei Sänger und die Sängerin, Valentina Farcas, Klaus Florian Vogt und Michael Volle sind großartiger, alles fügt sich perfekt zusammen, mit der Staatskapelle Weimar, die diesem schwelgerischen Braunfels-Klang gerne frönt unter der Leitung von Hansjörg Albrecht.

Bitte mehr von Walter Braunfels, der es mehr als verdient hat, viel gespielt und gehört zu werden! © 2016 Kulturradio





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