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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, October 2016

Der Spätromantiker Walter Braunfels beginnt sich von dem Naziverbot und der Avantgarde-Verachtung zu erholen. Oehms sei Dank, haben wir jetzt eine zweite CD mit Orchesterliedern, in denen ein schönes Aufgebot an Sängerinnen für vokale Qualität sorgt, während Hansjörg Albrecht diesmal am Pult des exzellenten Konzerthausorchesters Berlin die Musik inspiriert zu deklamatorischer Plastik bringt.

Mit ihrer warmen und hellen Sopranstimme hat die Finnin Camilla Nylund alles, was eine Sängerin braucht, um die Chinesischen und die Romantischen Gesänge musikalisch einfühlsam zu singen und den Hörer zu bewegen.

In dem Zyklus ‘Das fließende Licht der Gottheit’ vertonte Braunfels einige der mystischen Traktate von Mechthild von Magdeburg aus dem 13. Jahrhundert. Die Musik begegnet der naiven Qualität der Text mit einem aufgefächerten Klang, den Albrecht sehr gut trifft, und Genia Kühmeier gelingt es, die Innigkeit von Mechthilds Dialogen mit Gott mit schöner Unmittelbarkeit wiederzugeben.

Die dritte Sopranistin im Bunde, Ricarda Merbeth, widmet sich den ‘Vier Japanischen Gesängen’, in denen Braunfels genau wie im Falle der ‘Chinesischen Gesänge’ keine exotischen Klänge in der Musik verwendet. Obwohl sie sehr gut artikuliert und recht textverständlich und auch ausdrucksvoll singt, stört ihr schepperndes Vibrato hier genauso wie in anderen Aufnahmen, in denen wir sie hörten. Sehr emphatisch klingt ihre Stimme auch im ‘Tod der Kleopatra’ nach Shakespeare. © 2016 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, October 2016

Der erste Teil der neuen Edition der Orchesterlieder mit der Staatskapelle Weimar unter der passionierten Leitung von Hansjörg Albrecht mit den Solisten Valentina Farcas, Klaus Florian Vogt und Michael Volle war ein glatter Erfolg. Diesmal leitet Hansjörg Albrecht das Konzerthausorchester Berlin und hat wieder eine formidable Besetzung an jugendlich dramatischen Sopranen zur Verfügung, die dieser harmonisch reichen und üppigen musikalischen Jugendstilliteratur pralles Leben einzuhauchen vermögen.

Auf dem Programm stehen im Vol. 2 die Drei Chinesischen Gesänge Op.19 , die Romantischen Gesänge für Sopran und Orchester Op. 58 mit Camilla Nylund, der Zyklus „Die Gott minnende Seele“ Op. 53 mit der herausragenden Genia Kühmeier und „Der Tod der Kleopoatra“ Op. 59 sowie Vier Japanische Gesänge Op. 62 mit der hochdramatischen Ricarda Merbeth.

Die Rehabilitation, die Walter Braunfels in Fachkreisen gar nicht mehr wirklich nötig hat, kann mit dieser Einspielung auf breiterer Basis ein Stück weiter voran rücken. Die sinnlich irisierenden nachromantischen Gesänge, die den Tonsprachen eines R. Strauss, Zemlinsky oder Korngold verwandt klingen, sind ein pures Hörvergnügen. Die drei formidablen Soprane wagen das große Gefühl, singen mit expressionistischer Entäußerung und dramatischem Gespür für Textausdeutung. Die inhaltlich exotischen Lieder kommen kompositorisch ohne jegliches fernöstliches Lokalkolorit aus und drücken trotzdem eine Sehnsucht nach Ferne und Fremde aus.

Anverwandelt den Zeitläuften malt Braunfels in seinem poetischen Klanguniversum das aus der Vergangenheit Gerettete und in eine angstvolle Zukunft Projizierte als rettende Weltflucht. Farbenpracht, Freiheit, das Sehnen nach dem Sonder—und Wunderbaren bilden die Klammer und die Triebfeder dieser schönen Werke. Auch die traumatischen Erfahrungen mit dem Krieg bleiben im kompositorischen Schaffen Braunfels‘ nicht ausgespart, verlor der deutsche Tonsetzer doch seinen Sohn Stephan in den Wirren des zweiten Weltkriegs. Im dritten Lied der Japanischen Gesänge „Trennung und Klage“ werden wir des berührte Zeugen.

Die vokale Qualitäten von Nylund, Kühmeier und Merbeth ähneln einander erstaunlich. Wenngleich so mancher Ton in der Mittellage runder und entspannter klingen könnte, schlagen die Interpretinnen gekonnt die Brücke zwischen opernhafter Geste und Konzertpodium. Am eindringlichsten sind für mich trotz der immensen Stimmschönheit von Genia Kühmeier dennoch die Interpretationen von Ricarda Merbeth, die vor allem im „Tod der Kleopatra“ nach Shakespeare wahrhaftig und tief in diese Welten der Todesbejahung, ja des Freitods einer ihren Verfolgern Entfliehenden taucht.

Eine Empfehlung für alle, die im Liedgesang den großen Opernton nicht verachten und in vielleicht auch für manche als schwülstig empfundenen Klangorgien ihr Glück finden können. © 2016 Online Merker





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