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Album Reviews



 
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Ingobert Waltenberger
Online Merker, June 2017

In einer limitierten Edition von 1.000 Stück wird akustisch dem Enigma dieses absoluten Meisterwerks Bachs nachgegangen. Der spiritus rector des Unterfangens, Hans-Eberhard Dentler (Schüler von Pierre Fournier und Gründer einer Bach-Gesellschaft in Italien, hat sich viele Jahre mit dem Opus beschäftigt), schreibt: „ Das Fehlen von sonst bei jeder Komposition selbstverständlichen Angaben wie Titel, Name des Autors, Besetzung und das auffällige Fehlen von Satzüberschriften bei den ersten acht Fugen in der Reinschrift entspricht einem mit musikalischen Mitteln formulierten Rätsel.“

Bei der Instrumentierung hat Dentler weniger aus praktikablen, denn philosophischen Gründen die Besetzung mit Violine, Viola, Violoncello, Fagott und Kontrabass als bestmögliche Art gesehen, der Musik ihr Ureigenstes zu entlocken, sie zum Leuchten zu bringen. Das hat nichts mit historischer Aufführungspraxis zu tun, vielmehr interessiert den Bearbeiter „der auf der Art der Stimme beruhende Instrumententypus, welcher aus der historisch unvermessenen Zeit hervortritt.“ Das pythagoreische Musikdenken, das zur Lösung des Rätsels bemüht wird, ist kognitiv interessant, hilft aber nicht, dem Akt des hingebungsvollen Hörens irgend etwas hinzuzufügen.

Die im Herbst 2016 in der Klosterkirche St. Wallburg (Eichstätt) und der Schlosskirche Ellingen entstandene Aufnahme spiegelt alle Contrapunkte, Fugen und Canons im ewig blauen Licht einer mit großer Ernsthaftigkeit vorgetragenen universellen Botschaft. Im besten Sinne als streng bezeichnet werden kann das Spiel der fünf Musiker (Hans-Eberhard Dentler Violioncello; Carlo Parazzoli Violine, Raffaele Mallozzi Viola, Francesco Bossone Fagott, Antonio Sciancalepore Kontrabass). Nicht alles gelingt gleich gut, die Violine kämpft bisweilen mit der Intonation (Beginn des Canons all‘Ottava). Aber der Zusammenhalt im Spiel der Stimmen, die intensive Spannungsklammer der Wiedergabe, das Zurücktreten der Interpreten vor dem Absoluten der Musik, machen diese Neuaufnahme zu einem besonderen Hörerlebnis. Der Ton ist bisweilen hallig, die Fertigung der LPs auf schwerem Vinyl vorzüglich. Wie heute üblich, ist der LP-Luxusbox in edler Leinenoptik auch ein gratis Downloadcode für HiRes Audiofiles zu entnehmen. Ein umfangreiches Booklet mit zahlreichen Abbildungen, nummeriert und handsigniert von Hans-Eberhard Dentler, ergänzt die gediegene Edition. Das Album ist auch in einer CD-Version verfügbar.

Musik, um die Seele fliegen zu lassen, weg vom Alltag hin in das Zauberreich der ineinander gedrechselten, in Steinplatten gemeißelten Töne, wo nicht mehr erklärt werden muss. © 2017 Online Merker




Uwe Krusch
Pizzicato, June 2017

‘Die Kunst der Fuge’ von Johann Sebastian Bach ist durch und durch ein Rätsel. Als letztes Werk konnte Bach sie nicht vollenden. Er beschäftigte sich seit 1742 mit dieser Komposition, und es kann angenommen werden, dass diese Fuge als Jahresbeitrag für die Mizlersche ‘Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften’ gedacht war.

Lorenz Christoph Mizler war ein vielseitiger deutscher Gelehrter, u. a. Musiktheoretiker und Musikwissenschaftler. Eines seiner Interessen war die Förderung der Musik. Dazu gehörte auch die nach ihm benannte Gesellschaft. Jedes Mitglied, neben Bach auch Graun, Händel, Stölzel und Telemann, hatte jedes Jahr eine Komposition zum Druck vorzulegen.

Über diese Ungewissheit hinaus bietet das Werk selber viele nach wie vor ungeklärte Fragen. Diese beziehen sich vor allem auf die teilweise fehlenden oder bewusst weggelassenen Satzbezeichnungen, die Reihenfolge der Sätze und vor allem die Besetzung. Neben Versionen für Tasteninstrumente oder Orchester haben sich mittlerweile vor allem solche für Kammermusikensemble durchgesetzt.

Für die vorliegende Aufnahme hat der Cellist Hans-Eberhard Dentler eine eigene Instrumentation für Streichtrio, Fagott und Kontrabass erstellt. Der musikwissenschaftlich vorgehende Cellist Hans-Eberhard Dentler, ein Schüler des berühmten Pierre Fournier, ist Gründer einer Bach-Gesellschaft in Italien und hat sich jahrzehntelang mit dem Opus beschäftigt.

Seine Überlegungen dazu werden im Beiheft ausführlich erläutert. Seine wesentlichen Schlussfolgerungen für die verborgene Ordnung der Komposition ergeben sich bei den Pythagoreern aus den Geheimnissen der bei mathematischen Wissenschaften geltenden Tetraktys, nach der die Vierheit auf der Zehnzahl beruht.

Die auf diesen Überlegungen beruhende Fassung überzeugt mit ihrer klaren Strukturierung und überrascht gegenüber den Streichquartettfassungen mit den Einsprengseln des Fagotts. Die Mitglieder des Ensembles sind—bis auf den Cellisten—Mitglieder der ‘Accademia Nazionale de Santa Cecilia’ in Rom.

Die in dem Werk angelegte gleiche Gewichtung der Stimmen wird durch diese andere Stimme, die des Fagotts, natürlich allein schon wegen des Charakters einer Bläserstimme zu den Streichern, in gewisser Weise betont. Die sehr gepflegten Interpretationen strahlen sehr viel Wärme aus.

Neben der CD-Ausgabe gibt es bei Oehms Classics auch eine luxuriöse Vinyl-Edition. © 2017 Pizzicato





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