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Udo Badelt
kulturradio vom rbb, September 2016

Beim Stichwort “Türkenmusik” denkt man natürlich gleich an die “Entführung aus dem Serail”, in der Mozart Becken, Große Trommel und Piccoloflöte zur “Janitscharenmusik” vereint. Doch das Abendland war lange vorher vom Orient fasziniert.

Händel, Hasse oder Vivaldi schrieben ebenfalls Musik “alla turca”—und viele Komponisten, die wir heute nicht mehr kennen. Das Pera Ensemble hat auf seiner inzwischen zehnten CD “Ballo Turco” einige dieser vergessenen Stücke eingespielt.

Gegründet wurde das Ensemble 2005 von dem Münchner Oud-Spieler Mehmet C. Yeşilçay, der sein ganzes Musikerleben den feinen Übergängen zwischen Orient und Okzident widmet. Die Musiker kommen aus Italien, Deutschland, England und der Türkei.

Gemischtes Viertel

Pera—kein Name könnte passender sein. Denn so heißt seit antiken Zeiten die Siedlung, die der Altstadt von Konstantinopel gegenüber auf der anderen Seite des Goldenen Horns lag und heute Teil des Istanbuler Stadtteils Beyoğlu ist: “pera” bedeutet auf Griechisch “drüben”.

Ein Viertel, das schon immer extrem kosmopolitisch war, hier lebten venezianische, genuesische und arabische Gesandte am Hof des byzantinischen Kaisers, später des Sultans—trotz aller Kriege, die etwa Konstantinopel und Venedig miteinander führten. Ein Ort, an dem sich Gedanken und Ideen, Morgenland und Abendland durchmischten.

Ney, Oud und Kanun

Die CD versammelt Stücke—häufig sind es Tänze—des venezianisch-italienischen Frühbarocks. Geschrieben haben sie Andrea Falconieri, Giovanni Felice Sances oder der Pole Wojciech Bobowski, der von Tartaren nach Konstantinopel verschleppt wurde, dort zum Islam konvertierte und unter dem Namen Ali Ufki 19 Jahre lang Musiklehrer am Hof war.

Aber auch bekannte Namen wie Claudio Monteverdi und Michael Praetorius sind darunter, mit Morisken—“Tänze der Mooren”. Das Pera Ensemble interpretiert sie in einer verführerischen instrumentalen Mischung, Barockvioline und Viola d’Amore sind darunter, aber auch orientalische Instrumente wie die Flöte Ney, die Langhalslaute Oud und die Zither Kanun—für die Monteverdi nachweislich Stücke geschrieben hat.

Eine neue Welt

Das alles ergibt eine raffinierte Klangmischung, die ihre ganz eigene Aura entfaltet. Nicht jedem werden die Stücke sofort gefallen, man muss sich erst reinhören. Bei 13 Musikern kann man auch keine orchestrale Fülle erwarten. Aber wer sich öffnet, dem erschließt sich eine neue Welt, in der kulturelle Grenzen bei weitem durchlässiger waren, als wir heute denken. Religion als Identifikationsfaktor spielt im 21. Jahrhundert im Grunde eine größere Rolle als vor 400 Jahren.

So transportiert diese CD auch eine Idee, eine Utopie, wie friedliches Zusammenleben und kultureller Austausch aussehen können. Dazu kommt, als Krönung, die italienische Sängerin Francesca Lombardi Mazzuli, die einige der Stücke mit ihrer magischen Sopranstimme interpretiert. © 2016 kulturradio vom rbb




Remy Franck
Pizzicato, September 2016

Dass das zweite Stück dieser CD ihr eine politische Dimension gibt, hatten die Musiker des Ensembles ‘Pera’ wohl nicht im Sinn, als sie im Juni 2014 die Aufnahmen zu diesem Programm machten: ‘Usurpator Tiranno’ heißt es und passt 2016 sehr gut zu diesem ‘Ballo Turco’, in dem italienische und osmanische Musik mit ‘Turquerien’ erklingt, die in der Zeit des Übergangs von der Renaissance zum Barock entstand.

‘Pera’ bietet wie immer hohe Qualität, und sogar Francesca Lombardi Mazzullis Gesang gefällt mir besser, weil ihr Sopran hier weniger scharf klingt als in der vorigen Einspielung des Ensembles. © 2016 Pizzicato





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