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ouverture - Das Klassik-Blog, December 2016

Dieter Oehms, der Gründer von Oehms Classics, stammt aus Manderscheid. Diese CD ist sein Geschenk an die Heimatgemeinde in der Eifel, zum 15jährigen Jubiläum des Labels im Jahre 2017 und zum 75. Geburtstag seines Gründers (der bereits in diesem Jahr gefeiert wurde). Die Kirche dort, 1945 schwer beschädigt, wurde in den 60er Jahren durch einen Neubau ersetzt. Vom Vorgängerbau blieb nur der Turm erhalten. Das neue Gebäude, entworfen vom Trierer Dombaumeister Karl Peter Böhr, ist durchaus spektakulär: Unter dem Altarraum befindet sich in der Krypta der Taufbrunnen, aus dem der Lebensbaum in Form einer Säule empor wächst, durch die Decke hindurch. Seine Äste tragen den Altartisch.

Im Jahre 2015 erwarb die Pfarrgemeinde für die Lebensbaum-Kirche eine relativ große Beckerath-Orgel aus dem Jahre 1970, die zuvor ihren Platz im Kirchenmusikalischen Institut des Bistums Speyer hatte. Sie wurde durch die Hugo Mayer Orgelbau GmbH, Heusweiler/Saar, umgesetzt und angepasst. Um dieses Projekt zu unterstützen, gehen die Verkaufserlöse dieser CD an den Orgelbau-Förderverein.

Eingespielt hat die CD der Trierer Domorganist Josef Still, Nachfolger des langjährigen Domorganisten Wolfgang Oehms. Sie sollte dem schönsten Fest des Christentums, dem Weihnachtsfest, gewidmet sein—und was könnte besser dazu passen, als Orgelmusik aus unserem Nachbarland Polen? Josef Still ist diesem Repertoire seit Jahren besonders verbunden; in seinem Programm, das er für die Aufnahmen zusammmengestellt hat, erklingen bekannte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Max Reger und Sigfrid Karg-Elert neben polnischen Weihnachtsliedern und Orgel- kompositionen, vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Das Lied Bóg się rodzi (Christus ist geboren), das den Status einer nationalen Weihnachtshymne genießt und kurzfristig sogar als Nationalhymne in Erwägung gezogen worden war, darf in keiner der traditionellen Mitter-nachtsmessen in Polen fehlen. Es erklingt daher auch auf dieser CD—und zwar in Form eines Choralvorspiels von Miecysław Surcyński (1866 bis 1924), ausgebildet in Berlin, Leipzig und Regensburg, und in späteren Jahren Professor für Orgel und Organist in Warschau. Er ist auf der CD noch mit einem weiteren Präludium zu dem Weihnachtslied Gdy się Chrystus rodzi vertreten.

Feliks Rączkowski (1906 bis 1989), Organist und Chorleiter an der Warschauer Heiligkreuzkirche sowie ein überaus erfolgreicher Orgellehrer, hat in seiner umfangreichen Weihnachtslieder-Suite Bóg się rodzi an dem Schluss gestellt. Josef Still eröffnet mit dieser Suite Kolęd sein Programm. Aus der Tabulatur des Zisterzienserklosters Oliva bei Danzig stammen zwei kurze Orgelstücke nach alten Weihnachtshymnen von Piotr Drusiński (um 1550 bis 1611). Von dem deutsch-polnischen Komponisten Jan Janca (*1933), viele Jahre Musiklehrer und Organist in Tübingen, erklingt die Meditation Maria durch ein’ Dornwald ging.

Feliks Nowowiejski (1877 bis 1946) war der Sohn eines Schneiders. Das Geld war knapp, so dass er schon als Teenager eine Stelle als Geiger annahm, um zum Lebensunterhalt seiner Eltern und Geschwister beitragen zu können. Seine Studienaufenthalte, vor allem in Berlin, wo Nowowiejski seine Ausbildung zunächst am Sternschen Konservatorium und dann an der Königlichen Akademie der Künste bei Max Bruch fortsetzte, finanzierte er über Preisgelder, die er bei einer Vielzahl von Wettbewerben für seine Kompositionen erhielt.

Der Komponist, Chorleiter und Organist wirkte vor allem in Krakau, Posen und in Berlin, und war ein leidenschaftlicher und engagierter polnischer Patriot, was nicht zuletzt an der Wahl seiner Texte und Sujets erkennbar wird. Die CD endet mit seinem Stück Weihnacht in der uralten Marien- kirche zu Krakau op. 31 Nr. 3.

Josef Still ermöglicht mit seinem Programm einerseits Entdeckungen im Bereich der polnischen Orgelmusik, die hierzulande leider wenig bekannt ist. Das ist schade, denn die Werke der ausgewählten Komponisten lassen darauf schließen, dass sich Erkundungen in diesem Repertoire doch sehr lohnen. Andererseits zeigt der Trierer Domorganist mit seiner Einspielung, dass es in Manderscheid nunmehr mit der Beckerath-Mayer-Orgel ein hochwertiges Instrument gibt, das nicht nur im Gottesdienst, sondern darüber hinaus auch wunderbar in Konzerten erklingen kann. Die drei-manualige Orgel erweist sich als ein Instrument mit einem sehr eigenen Klangcharakter, wie geschaffen für die Eifel mit ihrem herben Charme. Wer auch immer die Entscheidung getroffen hat, sie nach Manderscheid zu holen—es war ein Glücksgriff. © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog





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