Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Peter Cossé
Klassik heute, June 2017

Es ist immer wieder die Rede von einem ganz speziellen „Brahms-Ton“, von einem mit der Musik von Brahms wie musikgenetisch eingespeisten Klavierklang. Auf jeden Fall nicht zu hell, keineswegs lakonisch, schon gar nicht knöchern. Im Gegenteil: er sollte gleichsam tief blicken lassen, sofern sich dies auf der akustischen Ebene verwirklichen lässt. Der Klavierklang sollte schwingen, pulsieren, er sollte den Hörer im Lyrischen bis hin zu Zärtlichkeit an der Schwelle diskreter Erotik umwerben. Und in den Passagen kraftvollen Zugriffs—so denke ich—haben wir es bei Brahms mit der ganzen Fülle des beglückten, aber auch des bedrängten Seins zu tun.

In dieser Hinsicht bietet der am 25. Oktober mit dem Duo d’Accord im Frankfurter Sendesaal des Hessischen Rundfunks entstandene Mitschnitt der Sonate für zwei Klaviere reichlich Anhaltspunkte, wie sich solche klavierästhetischen Wünsche erfüllen lassen. Lucia Huang und Sebastian Euler ist es ganz offenkundig gegeben, schon in den ersten Bebungen und in den ersten emotionalen Andeutungen eine glaubwürdige, im weiteren Fortgang geradezu unwiderlegbare Definition des „Brahmsischen“ zu formulieren. Selten entfaltet sich diese „duale“ Musik so sinnlich intoniert, zugleich aber in allen Varianten des Defensiven und der gesunden Kraftentfaltung so übersichtlich und im selben Moment von einem packenden, wenn nötig mitreißenden Atem auf Richtung gebracht und gehalten. Mir ist keine Einspielung bekannt, die—zumal unter Konzertbedingungen produziert—in deren Verlauf in einer solchen Verbindung von Klugheit, Passion, Virtuosität und fabelhaften Zusammenspiels die verschiedenen Charaktere der vier Sätze sozusagen zu einem Ganzen überformt sind. Ich denke hier vor allem an die verschiedenen musikantischen Mutproben mit Martha Argerich und ihren diversen Partnern, ich denke aber auch an die lichter, schlanker und daher auch deutlich kühler wirkende Version mit den Schwestern Güher und Süher Pekinel.

Welche „darstellerische“ Entwicklung das Duo d’Accord im Umfeld dieser Sonate genommen hat, mag der Hörer ermessen, wenn er Gelegenheit findet, etwa den Rundfunkmitschnitt eines Konzerts in Mainz vom 12. Dezember 2014 zu verfolgen. Es ist, als ob sich in Frankfurt für das Paar eine Tür auf dem spannenden Weg zu Brahms und seiner Sonate für zwei Klaviere geöffnet hat.

Im zweiten Teil wurde dem Publikum mit dem Klavierquintett die Endfassung aller brahmsischen Bemühungen um das reiche Material beschert. Sebastian Euler hat hier seiner Frau den pianistischen Vortritt gelassen. Es fehlt ihr auch ohne die partnerschaftliche Tastendeckung nicht an Initiative, an farblicher Aufgewecktheit—kurzum: all jene den Vollzug der Sonate prägenden pianistischen Finessen sorgen auch im Zusammenwirken mit dem 1946 in Prag gegründeten, 1984 in Frankfurt personell erneuerten Hába Quartett für kraftvolle Argumentation, für elegische Atmosphäre und markante Mobilität. Im weiten Feld der friedfertigen Konkurrenzaufnahmen nimmt für mein Empfinden das Hába Quartett mit Sha Katsouris, Hovhannes Mokatsian (Violinen), Peter Zelienka (Viola) und Arnold Ilg (Violoncello) einen guten Mittelrang ein. Ich denke hier an polare Deutungsmöglichkeiten wie etwa an die vor allem im Scherzo messerscharfe Interpretation mit Leon Fleisher und dem sehnig, ja eisig amtierenden Juilliard Quartett. Ich denke aber auch an die klanglich wunderbar abgerundete „Philharmonie“ des Guarneri Quartetts mit einem geradezu glückselig wirkenden Arthur Rubinstein am Flügel. Trotz minimaler Einschränkungen, was die klangliche und rhetorische Präsenz des Hába Quartetts anbelangt, zögere ich nicht, dem Doppelalbum mit dem Duo d’Accord in künstlerischer Hinsicht eine 10 zu geben. © 2017 Klassik heute





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group