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ouverture - Das Klassik-Blog, December 2017

Im Jahre 1724 wurde Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) als Tenor an den Braunschweiger Hof verpflichtet. Doch bald stellte sich heraus, dass der junge Hofsänger, der seine musikalische Ausbildung an der Dresdner Kreuzschule erhalten hatte, weit mehr konnte—und so wurde er neben Hofkapellmeister Georg Caspar Schürmann zunächst zum Opernkomponisten, und dann auch zum Vizekapellmeister.

Für die Hochzeit des preußischen Kronprinzen komponierte er 1733 eine Oper, die diesem so gut gefiel, dass er den Musiker an seinen Hof nach Rheinsberg holte. Als Friedrich II. 1740 den Thron bestieg, ernannte er Carl Heinrich Graun zu seinem Hofkapellmeister.

Von den zahlreichen geistlichen Werken des Komponisten sind nur sehr wenige überliefert. Desto erfreuter war die Musikwelt, als in den 1990 in Washington D.C., in der Library of Congress, die Abschrift eines Weihnachtsoratoriums von Graun gefunden wurde. Wer sie angefertigt hat, wann das Stück entstanden ist und wer den Text geschaffen hat—all diese Fragen konnte die Musikwissenschaft bislang noch nicht klären.

Mittlerweile haben einige Ensembles Grauns Weihnachtsoratorium wiederentdeckt—so auch die Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Der Münchner Projektchor hat das Werk nun gemeinsam mit dem Barockorchester L’arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbeson- dere Monika Mauch heraus, die ihren Part mit beeindruckender Eleganz singt. Zu hören sind zudem Marion Eckstein, Mezzosopran, Georg Poplutz, Tenor, und Raimund Nolte, Bassbariton. © 2017 ouverture - Das Klassik-Blog



Marcus Budwitius
Opera Lounge, December 2017

Wer Weihnachtsoratorium sagt, denkt in der Regel an Johann Sebastian Bach, und das schon lange. Als der junge Camille Saint-Saëns 1858 sein Weihnachtsoratorium komponierte, widmete er ihm sein Orchestervorspiel „dans le style de Séb. Bach„. Dieses festliche Werk scheint quasi singulär in seiner Popularität, Vorläufer wie Heinrich Schütz‘ Historia der Geburt Christi oder Marc-Antoine Charpentiers Pastorale sur la naissance de Notre Seigneur Jésus Christ und später erschienene Werke wie Hector Berlioz‘ L’enfance du Christ oder Benjamin Brittens A Ceremony of Carols fristen dagegen ein karges Aufführungsdasein. Das Weihnachtsoratorium von Carl Heinrich Graun (1704–1759) war verschollen, erst am Ende des letzten Jahrhunderts fand man eine Kopie dieser groß dimensionierten Kantate in einer amerikanischen Bibliothek. Wann genau das Werk entstand und wer den Text dazu verfasste, blieb bei dieser späten Wiederentdeckung im Dunkeln. In etwa zu der Zeit, als auch Bach sein Weihnachtsoratorium schuf, vermutlich eher einige Jahre zuvor, soll auch Grauns Werk entstanden sein. Der Text folgt nicht der Bibelerzählung, es gibt keinen Evangelisten, vielmehr sind Bibelstellen mit Bekenntnissen und Betrachtungen vermischt, das Geschehen dient der Deutung. Es gibt 23 Nummern: fünf Choräle sowie drei weitere Chorgesänge, sechs Rezitative, sechs Arien, ein Duett und zwei Accompagnatos. Auch musikalisch ist für Abwechslung gesorgt, das Spektrum umschließt schlichte Melodien, gefühlvolle Meditationen und Affektarien. Graun war renommierter Opernkomponist und preußischer Kapellmeister bei Friedrich dem Großen, mehr als 25 Opern soll er für Berlin komponiert haben. Auch in der Kirchenmusik konnte er seine theatrale Neigung nicht verschweigen, die Arien sind einfallsreich bspw. die Arie „Abgrund krache, Tod erzittre“ ist ein Musterbeispiel, bei dem Bassist Raimund Nolte mit stimmlichen Pfunden dramatisch-virtuos auftrumpfen kann und mit nachdrücklicher Stimme dem Text Bedeutung verleiht. Der Alt von Marion Eckstein beginnt flehentlich mit der Bitte „Erscheine doch und komm“, doch die beiden Hauptrollen tragen Sopran und Tenor. Monika Mauch singt mit schlanker Stimme und schöner Höhe ihre anspruchsvolle Arien, Georg Poplutz ist ein gefragter Oratoriensänger mit textverständlicher Stimme, mit der er Ausdruck variabel modellieren kann und eine würdevolle Empfindsamkeit vermittelt. Die Rolle des Chors ist umfangreich, die Arcis-Vokalisten München werden polyphon gefordert, dazu kommen einige Choräle, z.B. wie auch bei Bach erklingt bei Graun der eingängige Choral von Paul Gerhardt Wie soll ich dich empfangen, und zwar sieben Strophen davon, die inmitten des Werks der ruhige Mittelpunkt des Oratoriums sind. Sängerisch ist die Aufnahme flüssig und eloquent. Das Barockorchester L’Arpa Festante ist vielfältig besetzt, neben Streichern und Basso Continuo sind je zwei Querflöten, Oboen, Fagotte und Hörner sowie drei Trompeten und eine Pauke aufgeboten. Musikwissenschaftler und Dirigent Thomas Gropper sorgt dafür, dass die Affekte nie affektiert klingen und hält eine in ihrer vornehmen Zurückhaltung geschmackvolle Balance. Sie orchestralen Steigerungen sind gefällig und halten Maß, aufnahmetechnisch hätte man einzelne Instrumente markanter in den Vordergrund holen können. Wer René Jacobs´ Einspielung von Bachs Weihnachtsoratorium im Ohr hat und gehört hat, wie eine Pauke eingesetzt werden kann, wird die Festlichkeit und den Überschwang an weihnachtlicher Freude etwas vermissen. cpo spielte das Werk bereits 1999 mit der Rheinischen Kantorei ein und erwarb sich auch mit den Weihnachtsoratorien von Mattheson, Stölzel, Eybler, Rolle und Telemann Verdienste um musikalisch vielfältigere Festtage. Die Neuaufnahme bei Oehms Classics ist dort nach dem Passionsoratorium Der Tod Jesu das zweite Werke Grauns mit denselben Musiker—und Chor-Ensembles und ein weiteres Plädoyer für diese schöne Alternative zu den Festtagen bei der nur eines fehlt: Im Beiheft ist der Oratorientext nicht enthalten. © 2017 Online Merker




Uwe Krusch
Pizzicato, November 2017

Die Kantate ‘Mache dich auf, werde Licht’, das Weihnachtsoratorium von Carl Heinrich Graun, stammt aus seiner Zeit am Hof des Herzogs in Braunschweig. Die Bedeutung des 25Weihnachtsgeschehens für Leben und Sterben der Christen ist Gegenstand dieser Kantate, weshalb sie allgemein als Weihnachtsoratorium bezeichnet wird. Für Graun, der heutzutage eher als Opernkomponist der Hofoper ‘Unter den Linden’ unter Friedrich II. bekannt ist, war bereits dieses frühe Werk eine gute Gelegenheit, seine Fähigkeiten einzusetzen.

In den 23 Sätzen setzt er Choralbearbeitung und polyphonen Satz vielgestaltig ein und belebt auch Arien und Rezitative durch diverse Instrumentalbegleitungen und Ausgestaltungen. Das Nebeneinander von Bibelversen und Kirchenliedstrophen bietet ihm die Plattform, erzählerische und kontemplative Passagen nebeneinander zu stellen. Deuten auch viele Elemente auf die von ihm in Braunschweig eingesetzten Stile hin, so finden sich auch Anklänge an die frühklassische Ästhetik, die seine späten Berliner Jahre prägen.

Wenn auch die Mittel von der hohen Qualität des kompositorischen Schaffens zeugen, so ist dem Werk das Schicksal widerfahren, dass es mit dem nur wenig später entstandenen Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach verglichen und dann üblicherweise übersehen wird. Will man auch dem zuletzt genannten Werk seine außerordentliche Qualität zugestehen, so ist die Reanimation der Kantate von Graun dennoch zu begrüßen. Sie wurde im Übrigen erst in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts in Washington wiederaufgefunden

Das Münchner Ensemble ‘Arcis-Vocalisten’ und das Orchester ‘L‘arpa festante’ haben mit ihren besonderen Programmgestaltungen und formidablen Darbietungen über ihre Heimatregion hinaus für sich einnehmen können. Schon mit dem Passionsoratorium dieses Komponisten haben sich die Klangkörper für eine Aufnahme zusammengefunden. Dieses langjährige gemeinsame Musizieren kommt auch dem hier vorgestellten Werk zugute, indem sie dem Werk, das mit Effekten sparsam umgeht, alle hörenswerten Momente entlocken. Die Leitung obliegt den bewährten Händen des Chordirigenten Thomas Gropper.

Das an die Begleitung von Gesangssolisten und Chören gewöhnte Orchester bietet den Sängern mit seinem fein durchwirkten Klangteppich eine zugleich sichere, unterstützende und auch durchlässige Partnerschaft. Bei den Solisten werden insbesondere die Sopranistin Monika Mauch und der Tenor Georg Poplutz von der Komposition mit größeren Partien verwöhnt. Die Sopranistin erfüllt ihren Part reizvoll mit ihrer jungenhaften beweglichen Stimme. Dem sowohl ausdrucksstarken als auch empfindsam singenden Tenor kommen die affektorientierten Passagen für seinen Gesang entgegen. Kleinere Rollen sind der Altistin Marion Eckstein und dem Bassbariton Raimund Nolte zugeordnet, die sie jedoch mit ansprechendem Engagement füllen.

Die Aufnahmetechnik hält sich unauffällig im Hintergrund und unterstützt die Präsentation mit dieser Zurückhaltung. Etwas mehr von den mehrfach genannten Affekten hätte man sich auch für das Gesamtergebnis gewünscht, das so ein wenig zu sicherheitsbetont erklingt. © 2017 Pizzicato



Matthias Lange
www.klassik.com, October 2017

Das Engagement der Ensembles und des Dirigenten für dieses noch immer selten gespielte Weihnachtsoratorium von Graun ist hocherfreulich und verdienstvoll. Vermutlich wird nichts Kanonisches ersetzt. Eine lohnende Alternative ist es dennoch. © 2017 www.klassik.com





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