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Album Reviews



 
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Karin Coper
www.klassik.com, July 2019

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 

Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. © 2019 www.klassik.com




Volker Tarnow
Fono Forum, November 2018

Wer sich gern über die einfallslosen Programme unserer Sinfonieorchester aufregt, sollte mal ins Ballett gehen, wo man seit Ewigkeiten mit solch fader Kost wie „La Sylphide“, „Giselle“ oder „Coppélia“ abgespeist wird.

Dabei gibt es so geniale Stücke aus Lateinamerika, aus Skandinavien und England! Selbst der Marktführer Russland hat noch etliche Schätze und Schätzchen in petto, allen voran den—neben Tschaikowsky—großartigsten, durchaus sinfonisch angehauchten Vortänzer des gesamten 19. Jahrhunderts: Alexander Glasunow. Zwei seiner Gattungsbeiträge sind immerhin dem Titel nach bekannt, „Raymonda“ und „Die Jahreszeiten“.

Es ist ein Glücksfall, dass der bedeutendste russische Dirigent unserer Zeit jetzt „Die Jahreszeiten“ aufgenommen hat, mit dem Philharmonischen Orchester aus Zagreb, einem seit Jahrzehnten bewährten, wahren Spitzenensemble. Der instrumentale Einfallsreichtum, der poetische Tiefsinn und die fabelhafte tänzerische Eleganz dieser Partitur werden überaus klug und geschmackvoll entfaltet. Kitajenko ist nicht glamourös, auch nicht geltungssüchtig, er haut nur auf die Pauke, wenn es unbedingt sein muss, und vermeidet durchgehend die effekthascherische Überschreitung dynamischer Grenzwerte.

Dmitirij Kitajenko, der langjährige Chefdirigent der Moskauer Philharmoniker, der seit annähernd 30 Jahren im Westen lebt, versteht und gestaltet Musik aus ihrem Inneren heraus, zielt nicht primär auf Wirkung, sondern auf den phänomenologischen Sinn einer Komposition. Mit Tschaikowskys Streicherserenade erteilt er uns eine geistvolle Zusatzlektion, emotional hochgespannt ohne jede Überhitzung, vor musikantischer Intelligenz geradezu funkelnd. Nur sehr wenige Dirigenten arbeiten heute noch auf diesem Niveau. Sicher eine Referenzaufnahme für lange, lange Zeit. © 2018 Fono Forum




Remy Franck
Pizzicato, September 2018

Alexander Glazunov (1865-1936), der Lieblingsschüler von Rimsky-Korsakov, komponierte bis zu seinem 40. Geburtstag 83 Werke. Dann wurde er Direktor des St. Petersburger Konservatoriums und schaffte bis zu seinem Lebensende nur noch 27 weitere Stücke. Seine Aufgabe als Konservatoriumsdirektor, seine Probleme mit dem übermäßigen Genuss von Alkohol und die Auswanderung im Jahre 1928 waren an diesem Niedergang schuld. Als er 1936 in Neuilly-sur-Seine starb, war die Musikwelt erstaunt, denn man wähnte ihn schon seit längerem tot.

Sein Ballett ‘Die Jahreszeiten’ entstand im Jahre 1900 und gilt als das letzte Ballett in der Tchaikovsky-Tradition. Hier direkt tonmalerisch, dort eher Stimmungen beschreibend ist es ein abwechslungsreiches Stück, das mit dem Winter beginnt und dem Herbst endet. Winter und Sommer werden mit je fünf Nummern dargestellt, das Frühjahr ist mit einer einzigen knapp sechs Minuten langen Musik sehr kurz, während der Herbst nach einem furiosen Bacchanal zur Reminiszenz genutzt wird, in der die anderen Jahreszeiten noch einmal Revue passieren.

Die Entscheidung, die der Dirigent treffen muss, ist, ob er die Musik romantischer oder klassischer behandelt. Dmitrij Kitajenko hat sich für das Klassische und damit ausdrucksmäßig für ‘weniger ist mehr’ entschieden. So wird die Musik entfettet und entzuckert, behält aber mit weitgehend moderaten Tempi und federleichten Texturen auch ihre genuine Eleganz und kann so ihren ganzen Charme entfalten. Den Solisten im Orchester bietet die Partitur reichlich Gelegenheit zu glänzen, und die Zagreber Philharmoniker zeigen das hohe Niveau, das sie unter ihrem künstlerischen Leiter Dmitrij Kitajenko erreicht haben. In dieser Aufnahme – und ich kenne keine schönere – kann man Glazunovs Musik im Ohr wie das feinste Konfekt zergehen lassen.

Ab den ersten Takten von Tchaikovskys Streicherserenade wird das Gehör von einem sehr lyrischen, wunderschön melodischen Klang umschmeichelt. Purer Gesang!

Wo andere Dirigenten mich in rezenten Veröffentlichungen mit einem pathostriefenden, gefühlsschwangeren und heftig akzentuierten Dirigieren enttäuscht hatten, bleibt Kitajenko mit der Einfachheit des Diskurses ein sehr überlegener Interpret. Mit der Wiederholung der Anfangsmelodien endet der erste Satz leicht melancholisch.

Schwebend beginnt der Walzer, und der Satz wird genau so leicht und zart bis zum Ende durchgeführt.

Auch in der Elegie drückt Kitajenko nicht auf die Gefühlstube. Er arbeitet vielmehr an allen Gesangslinien und lässt diese Melodienstränge singend sich in totaler Transparenz ineinander verweben. Kein Gramm Fett setzt die Musik so an, sie bleibt voller Innigkeit und Herzensgüte sowie, in ihrer ganzen Natürlichkeit, von bezaubernder, unaffektierter, aber doch bewegender Ausdruckskraft. Das ist alles sooo richtig, sooo optimal gestaltet, ein Musterbeispiel für vollendetes, einem untrüglichen inneren Atem entspringenden Dirigieren. Es ist ein Dirigieren, das die Musik ganzheitlich erfasst und in dem keine Geste erfolgt, ohne die vorige zu vergessen und die nächste schon im Hinterkopf zu haben, wo sich alles logisch und völlig organisch entwickelt.

Nachdem mir alle Serenaden-Einspielungen der letzten Jahre mehr oder weniger starke Verdauungsschwierigkeiten bereitet hatten und ich immer den Wunsch nach einer größeren Natürlichkeit geäußert hatte, ist dieser Wunsch nun endlich in Erfüllung gegangen, weil Kitajenko auch diesem Werk seine ihm ureigene Genialität angedeihen lässt, es mit einer hinreißend bezaubernden und zutiefst lyrischen Interpretation zu dem macht, was andere der Musik verwehrt haben, einer StreicherSERENADE.© 2018 Pizzicato





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