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ouverture - Das Klassik-Blog, November 2017

Die Inspiration zu diesem Aufnahme-projekt gab eine fehlerhafte Noten-edition: Im Jahre 2007 hatte Anthony Spiri eine CD mit drei Fugen, drei Fantasien und drei Sonaten von Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) eingespielt. Allerdings wurde später festgestellt, dass drei dieser Werke gar nicht von diesem Komponisten, sondern von Johann Wilhelm Häßler (1747 bis 1822) stammten.

Dieser Musiker war der Sohn eines Erfurter Strumpfwirkers; die musikalische Ausbildung erhielt er von seinem Onkel Johann Christian Kittel, einem Schüler Bachs. Und so kam es, dass er stilistisch dem Kreis der Bach-Söhne zugerechnet wird—was, nebenbei bemerkt, aber auch für die hohe Qualität seiner Kompositionen spricht.

Häßler war als Pianist sehr erfolgreich. In London musizierte er mit Joseph Haydn, und in St. Petersburg wurde er dann durch Zarin Katharina die Große zum Hofkapellmeister ernannt. Im Jahre 1794 ließ sich der Musiker in Moskau nieder, wo er nicht zuletzt auch als Musikpädagoge wirkte. „Er ist sozusagen der Begründer der ,russischen Klavierschule'“, sagt Spiri, „denn Häßler hat die Tradition der Bach-Söhne, die im Westen unmittelbar auf Schumann und Mendelssohn nachgewirkt hat, im östlichen Europa hoffähig gemacht.“ Sein Schaffen wurde im Westen Europas allerdings nicht in demselben Maße gewürdigt.

Anthony Spiri hat bereits mehrfach Werke der Bach-Söhne auf CD veröffentlicht. Die beiden vorliegenden Aufnahmen zeigen einmal mehr, dass Musik aus jener Zeit zwischen Bachs Tod und seiner Wiederent-deckung durch die Romantiker unsere Neugier durchaus verdient hat—und dass man diese Werke auch auf dem modernen Konzertflügel wunderbar vortragen kann. Spiri wählte für die erste CD erneut drei Fugen, drei Fantasien und drei Sonaten des ältesten Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann aus verschiedenen Schaffensperioden. Auf der zweiten ist dann Häßler vertreten, mit der Grande Gigue d-Moll op. 31, drei Sonaten, einer Fantasie c-Moll sowie der Sonata Fantasie C-Dur op. © 2017 ouverture - Das Klassik-Blog




Remy Franck
Pizzicato, April 2016

Am 16. April 1789 schrieb Mozart an seine Frau: « Nun musst Du wissen, dass hier ein gewisser Hässler (Organist von Erfurt) ist; dieser war auch da;—er ist ein Schüler von einem Schüler von Bach.—Seine force ist die Orgel und das Clavier (Clavichord).—Nun glauben die Leute hier, weil ich von Wien komme, dass ich diesen Geschmack und diese Art zu spielen gar nicht kenne.—Ich setzte mich also zur Orgel und spielte.—Der Fürst Lichnowsky (weil er Hässler gut kennt) beredet ihn mit vieler Mühe, auch zu spielen;—die force von diesem Hässler besteht auf der Orgel in Füßen, welches, weil hier die Pedale stufenweise gehen, aber keine so große Kunst ist; übrigens hat er nur Harmonie und Modulationen vom alten Sebastian Bach auswendig gelernt und ist nicht imstande, eine Fuge ordentlich auszuführen—und hat kein solides Spiel—ist folglich noch lange kein Albrechtsberger…».

Dieser Johann Wilhelm Hässler (1747–1822), der seinerseits Mozart sehr schätzte, hat nicht nur diesen gekannt und getroffen, sondern auch Haydn, mit dem er 1790 in London konzertierte. Seine Konzertreisen durch Europa führten ihn unter anderem nach Riga, Petersburg und Moskau. In Petersburg wurde er von Zarin Katharina der Großen zum Kaiserlich-Russischen Kapellmeister ernannt. Später siedelte er mit seiner Familie nach Moskau um, wo er mehr als dreißig Jahre wirkte. Sein kompositorisches Werk umfasst Sonaten, Kantaten, Etüden und Instrumentalkompositionen, insbesondere für Klavier.

Aus diesem Klavierwerk hat Anthony Spiri einige charakteristische Stücke ausgewählt, die er sehr rhetorisch, um nicht zu sagen effektvoll spielt, um sie mit viel Wirkung attraktiv zu machen. Die Benutzung eines modernen Flügels ist dabei nicht falsch, denn die Musik wird dadurch nur noch moderner und zeigt ganz klar in Richtung Romantik.

Spiri liefert so eine hoch engagierte Darbietung, in der die innere Dramatik und Spannung der Musik konsequent aufrechterhalten wird. © 2016 Pizzicato





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