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ouverture - Das Klassik-Blog, December 2016

Weihnachten—dieses Fest ist untrennnbar verbunden mit der Histoire d’une casse-noisette, von Alexandre Dumas d. Ä., die wiederum auf dem Märchen Nußknacker und Mausekönig von E. T. A. Hoffmann beruht. Das Ballett, getanzt zur Musik von Peter Tschaikowski (1840 bis 1893), gehört ebenso zur Advents- zeit wie Weihnachtsmarkt, Glühwein, Kerzen und Räuchermännchen.

In jedem Jahr erglänzen Kinderaugen beim Anblick des großen Weihnachtsbaumes, umgeben von fröhlichem Gewusel. Wer schätzt sie nicht, diese ganz besondere Stimmung, wenn der geheimnisvolle Pate Droßelmeier eintritt und seine Geschenke verteilt, wenn der Nußknacker zum Leben erwacht und sich in einen Prinzen verwandelt, und wenn die Schneeflocken ihren Walzer tanzen? Und auch die Großen halten den Atem an, wenn die Spielzeugsoldaten versuchen, das Heer des Mausekönigs abzuwehren. Diesen Vorweihnachtszauber bringt nun das Gürzenich-Orchester Köln unter Leitung seines Ehrendirigenten Dmitrij Kitajenko in jede Stube. Die Musiker haben auf zwei CD die komplette Ballettmusik eingespielt, nebst einigen Melodien aus Der Kuss der Fee von Igor Strawinsky (1882 bis 1971). Dieses Ballett hatte der Komponist seinerzeit auf Wunsch der russischen Primaballerina Ida Rubinstein geschaffen, mit musikalischem Material von Tschaikowski und nach dem Märchen Die Eisjungfrau von Hans Christian Andersen—ein Schelm, wer dabei an Freud denkt. Wie auch immer; ein Erfolg jedenfalls wurde das Ballett seinerzeit nicht, und Strawinsky stellte aus der Musik eine Suite zusammen, die er Divertimento nannte.

Kitajenko lässt diese Musik tänzerisch-beschwingt spielen, detailreich und fein abgestimmt. So wirkt sie immer elegant, bleibt stets lebendig und im Fluss. Das Gürzenich-Orchester folgt Kitajenkos Dirigat geschmeidig und engagiert. Akzente, Rubato, Crescendo und Diminuendo—mit höchster Präzision setzen die Musiker seine Vorgaben um; der Orchesterklang, der daraus resultiert, zeichnet sich durch Transparenz und Klarheit aus. Und ein kleines bisschen Puderzucker, wohldosiert eingesetzt, hat doch seine Reize. Geradezu liebevoll zelebriert werden zudem Klangfarben—man höre nur den Blumenwalzer, es ist wirklich eine Pracht. Kitajenko macht deutlich, dass „romantisch“ durchaus ein Kompliment sein kann. Eine der schönsten Nußknacker-Aufnahmen, unbedingt anhören! © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog




Remy Franck
Pizzicato, October 2016

Nach Gergievs grottenschlechtem ‘Nussknacker’ zeigt der Klangmagier Dimitrij Kitajenko, was alles in Tchaikovskys Ballettpartitur passiert, wie die Musik auf diversen Ebenen frisch plätschert, agile Kapriolen schlägt, ihre tänzerische Funktion wahrnimmt oder lyrisch aufrauscht, kurz, all das, was in Gergievs routiniertem Abspulen in Gleichförmigkeit unterging.

Mit Akzenten, Rubato, feinstgesteuerten Crescendi und einem Arsenal an Farben kommt Leben und Bedeutung in die Musik, deren Fluss immer natürlich bleibt, immer natürlich schwingt. In diesem 3-D-Musizieren hat das Ohr vollauf zu tun, um alles zu erfassen, was im wunderbar transparenten Orchesterklang passiert. Oh, gewiss, Kitajenko greift hier mehr als einmal in die Partitur ein, um den Klang klarer werden zu lassen, und er tut das so liebevoll, dass geringfügige Schwächen im Notentext überwunden werden, jedes Gebilde durchsichtig wird und seine organischen Teile im Widerspiel der Kräfte spannend werden.

Kitajenko musiziert mit stupender Feinfühligkeit und einer wohl ausgewogenen Diskretion des Ausdrucks, die letztlich das Expressive vollends auskostet, optimiert und verschönert. Solche geheimen Kunstgriffe kennen die meisten jüngeren Dirigenten ja gar nicht mehr, weil sie glauben, nur mit voller Kraft und Tempo Ausdruck erzielen zu können….

Und so haben wir es denn hier mit einer wunderbar klug disponierten Interpretation zu tun, die im Zweiten Bild des 1. Aufzugs, am Anfang des 2. Akts und am Schluss auch die Opulenz erreicht, die die Musik verlangt. Das ‘Divertissement’ kommt als eine faszinierend suggestive Mischung aus Märchenwelt und Magie daher.

Das wie immer exzellente Gürzenich Orchester reagiert mit größter Genauigkeit auf Kitajenkos Dirigat, spielt farbig und federnd, der Diversität der Tänze ganz toll Rechnung tragend. Den bei Gergiev so verwelkten ‘Blumenwalzer’ steigert Kitajenko auf allen Ebenen zu einem Farbenmeer, das sein visuelles Pendant nur beim Tulpenfestival von Amsterdam oder auf der Blumeninsel Mainau findet.

Nach dieser berauschenden Aufführung des ‘Nussknacker’-Balletts folgt sinnigerweise Stravinskys Divertimento aus ‘Der Kuss der Fee’. Gleich zu Beginn fällt der weit aufgefächerte und doch so wunderbar homogene Orchesterklang auf, der Stravinskys überlegenes Können zeigt. Rhythmisch keck, klangschwelgerisch, dieses Divertimento ist ein Genuss von der ersten bis zur letzten Minute. © 2016 Pizzicato





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