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Remy Franck
Pizzicato, May 2017

Eher selten hört man ‘Eine Nacht auf dem kahlen Berge’ in der Originalfassung. Die meisten Aufnahmen wurden unter Benutzung der viel glatteren und gradlinigeren Rimsky-Korsakov-Bearbeitung gemacht. Dmitrij Kitajenko wählte dezidiert und aus Überzeugung die Originalfassung, obschon sie weitaus schwieriger zu gestalten ist, dafür aber ganz andere Orchesterfarben ermöglicht, um den grausigen Hexentanz in der Johannisnacht auf dem Berg Triglav zu schildern. Und gerade, wenn es um Farben geht, ist Kitajenko ein unübertrefflicher Dirigent. Es gelingt ihm meisterhaft, die Spannung aufrecht zu erhalten und das Stück zu einer wahrhaften Klangorgie zu machen. Kitajenko lässt nicht nur die Hexen tanzen, da bebt regelrecht die Erde, es stöhnen die Toten…

Es folgen die ‘Lieder und Tänze des Todes’ desselben Komponisten in der Fassung von Edison Denisov, die neben jener von Shostakovich die meist aufgeführte Orchesterversion dieses ursprünglich für Klavier und Stimme geschriebenen Liederzyklus ist.

Der Bariton Vladislav Sulimsky ist der Solist. Er fasziniert mit einer sehr differenzierenden Gestaltung, die es ihm erlaubt, in den einzelnen Liedern den Tod abwechslungsreich und mit einer phänomenalen Geschmacksicherheit zu charakterisieren. Unvergesslich, wie der Sulimsky-Teufel einschmeichelnd dem sterbenden Kind den himmlischen Frieden verspricht oder sich der sterbenden Frau gegenüber wie ein Gentleman als Retter aufführt und dann herrisch donnert: « Schweig! Du bist mein! »

So etwas gelingt natürlich nur dann so hervorragend, wenn ein Dirigent am Pult steht, der den Sänger nicht aus den Augen lässt und ihm ständig die Sicherheit der ihn tragenden Hände gibt. Kitajenko atmet perfekt mit dem Solisten, und so kommt eine kongeniale Interpretation zustande. Kitajenko fördert zudem im Orchester ganz tolle Farben zutage und setzt kräftige Akzente, die den Gesang unterstützen und verdeutlichen. Im letzten Lied (Der Feldherr) findet der Krie im Orchester statt. Was das Gürzenich-Orchester hier inszeniert, klingt wirklich nach Krieg. Und wenn im Schlusstanz der Boden so festgestampft wird, ist es wirklich ausgeschlossen, dass » keiner sein Grab je verlässt! »

Die russische Mezzosopranistin Agunda Kulaeva und der Tschechische Philharmonische Chor Brno sind die Vokalpfeiler in Sergej Prokofievs Kantate ‘Alexander Nevsky’ op. 78. In ihrer Geschlossenheit, ihrer Logik, ihrer Ausdrucksstärke, ihrer souveränen Strukturiertheit ist diese Aufnahme beispielhaft.

Das Werk entstand nach der Musik der Filmpartitur zu dem legendären historischen Film über den russischen Volkshelden des 13. Jahrhunderts, ‘Alexander Nevsky’, von Sergei Eisenstein, der darin 1938 den Abwehrkampf der Russen unter Nevskys Führung gegen das eindringende Ritterheer des Deutschen Ordens und den Sieg in der Schlacht auf dem Peipussee im Jahr 1242 thematisierte, nachdem Russland zuvor unter das Joch der Mongolen geraten war. Zwischen Kriegskälte und Seelenwärme, zwischen Niederlage und Schlachtensieg inszeniert Kitajenko in orchestral transparenter Pracht und mit herausragendem Chorgesang ein packendes Drama, ungeheurer suggestiv und in einer pathosfreien Unerbittlichkeit, damit unmittelbar an die LSO-Aufnahme Rostropovichs mit Dolora Zajick erinnernd. © 2017 Pizzicato





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