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Guy Wagner
Pizzicato, September 2014

Die vorliegende Doppel-SACD entstand auf der Grundlage eines Konzert-Mitschnitts in der Kölner Philharmonie im November 2013. Mensch, haben die gute Tontechniker, um eine so brillante, durchsichtige, alle Details herausschälende und alle Instrumentengruppen Geltung verschaffende Produktion zu verwirklichen! Und wieviel mehr bietet doch das Surround-Verfahren gegenüber den üblichen Stereo-Aufnahmen. Man muss sich tatsächlich fragen, warum es sich mehr durchgesetzt hat?

Jedenfalls, die Einspielung mit dem Gürzenich-Orchester Köln ist von der technischen Seite her, eine der hervorragendsten, die ich kenne, und ich kenne nicht wenige… Ich kenne auch wenige, die interpretatorisch besser sind als diese. Die « Kölner » haben nun einmal eine Mahler-Tradition und damit auch eine Verpflichtung. Sie hoben am 18. Oktober 1904 unter Mahlers Stabführung die 5. Symphonie aus der Taufe, und mit dieser hatte Markus Stenz ebenfalls 2009 seine Mahler-Integrale begonnen, die anfangs nicht die allerbesten Kritiken bekam. Mit der Neunten und dem Adagio aus der Zehnten schließt er sie demnächst ab.

Man kann nur bedauern,—erstens—dass er nicht eine der fertig gestellten Fassungen der Zehnten in Betracht gezogen hat, etwa die von Deryck Cooke, Clinton Carpenter oder die neueste von Yoel Gamzou und—zweitens—dass das ‘Lied von der Erde’ fehlt.

Was am meisten bei Stenz’ Interpretation der Sechsten beeindruckt, ist seine Kunst, die Kontraste des Werkes messerscharf herauszuschälen, ohne die Einheit des Werkes in Gefahr zu bringen. Das gelingt ihm, weil er mit einer außerordentlichen Beharrlichkeit dem Ende des Werkes zustrebt, ja, beim mehrmaligen Anhören gewinnt man den Eindruck, dass das Ende bei Stenz schon im Anfang liegt.

Dazwischen halten er und seine ausgezeichnete, an allen Pulten homogene Musikerschar die Spannung permanent aufrecht, ob dies nun im klanggesättigten ‘Heftig aber markig’ ist, wie Mahler den ersten Satz bezeichnet hat, oder im wundervoll ausgespielten Adagio, das an die zweite Stelle gesetzt ist, wie Mahler es immer getan hat, wenn er diese Symphonie dirigierte, sogar wenn er selbst zuerst die Reihenfolge Scherzo—Adagio gewählt hatte, diese aber änderte er noch vor der Premiere in Essen 1906 um. Erst durch Alma, seine Witwe, wurde die ganz ursprüngliche Reihenfolge üblich.

Sehr scharf zeichnet Stenz das Scherzo und stattet es mit einer gehörigen Portion Ironie aus. Die Lust der Musiker am Spielen ist hörbar, und so ergibt sich ein ausgezeichneter Übergang zum hochdramatischen halbstündigen Finale, dessen ständiger Wechsel zwischen dem Willen trotz allem immer vorwärts zu schreiten und dem mit den Schicksalsschlägen verbundenen Zusammenbrechen, bis es nur mehr ein kurzes Aufbäumen gibt: Stenz verwirklicht die so entstehende musikalische Leere und den letzten Aufschrei des Orchesters mit beklemmender Eindringlichkeit.

Fazit: Eine überwältigende Leistung aller Beteiligten. © 2014 Pizzicato





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