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Andreas Friesenhagen
Fono Forum, August 2015

Musik:
Klang:

Bruckners letzte Sinfonie, die unvollendet gebliebene Neunte, ist ein kühnes, in die Zukunft weisendes Werk. Nicht erst im expansiven Thema des abschließenden Adagio mit seinen weiten Intervallsprüngen und seiner Chromatik zeigt sich die Zeitgenossenschaft zu Mahler, kommt der Expressionismus, den man mit dessen Musik verbindet, bereits deutlich zum Vorschein. Die Neunte zeigt Bruckner auf einer neuen, letzten Stufe seiner Entwicklung als Sinfoniker, ihr Ton ist mit dem keiner anderen ihrer Vorgängerinnen vergleichbar.

In Simone Youngs Interpretation meint man diese modernen Züge besser als sonst zu hören. Hier sind sie einmal nicht hinter dem Pathos des Abschieds oder pseudosakraler Weihe versteckt. Das kommt besonders dem Adagio—Bruckners letztem vollendeten Sinfoniesatz—zugute, das dramatisch-bewegt aufgefasst ist und sein Potenzial an kompromissloser Expressivität voll ausspielen darf.

Die Australierin scheut sich nicht, die Oberfläche des gesamten sinfonischen Kolosses so zerklüftet darzustellen, wie sie es nun einmal ist. Das heißt auch, dass sie die dichte, widerborstige Polyphonie hörbar macht. Sie lässt Streicherstellen in fahlem Licht schimmern, realisiert dissonante Ballungen, wie sie etwa im Scherzo oder in der Durchführung des Adagios auftreten, relativ ungeschönt. Eine eindringliche Plastizität gewinnt hier die ausgreifende Melodik.

Mit ihren beseelt aufspielenden Hamburger Philharmonikern ist Young damit eine in ihrer dunklen Monumentalität und emotionalen Intensität fesselnde Interpretation gelungen. Und die kommt auch ohne die Zugabe eines von der Nachwelt nach Bruckners hinterlassenen Niederschriften „rekonstruierten“ Finalsatzes aus. © 2015 Fono Forum





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