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Rolf Fath
Opera Lounge, August 2015

”Liebe macht blind”. ”Sagt man. In Tschaikowskys letzter Oper allerdings passiert das Gegenteil”, schreibt Klaus Stübler im Beiheft (deutsch, englisch) der Oehms Classics-Aufnahme, die zwei Konzertaufführungen des Gürzenich-Orchesters Köln aus dem Oktober 2014 einfängt, indem Dmitrij Kitajenko, Ehrendirigent des Orchesters, seinem dortigen Tschaikowsky-Zyklus noch den Einakter Jolanthe anfügte. Nach der Netrebko-Aufnahme der DG tat eine Neueinspielung nicht not. Alles ich allem vermittelt der Mitschnitt ein glanzvolles Konzert mit guter Besetzung, mit dem Kitajenko in einen orchestralen Märchengarten entführt, in dem Vaudémont, der ihn verbotenerweise mit seinem Freund Robert betritt, das Paradies zu erblicken glaubt. Hier wächst Jolanthe, die blinde Tochter des König René, in aller Behütetheit auf, ohne von ihrer Blindheit zu ahnen. Der Vater will, dass dem so bleibt. Er weist auch den mauretanischen Arzt Ibn-Hakia in seine Schranken. Erst durch die Begegnung mit Vaudémont wird sich Jolanthe ihrer Beeinträchtigung bewusst. Als der König den Eindringling mit dem Tod bestrafen will, verlangt Jolanthe nach der Heilung durch den Arzt. Die Operation gelingt. Alle preisen die Schöpfung.

Ulrich Schreiber spricht von “der nach stimmungsvollem Beginn ins Sentimentale abrutschenden Jolanthe“. Oscar Bie befand, “Tschaikowsky schuf noch seinen Abgesang Jolanthe, einen weichen, zärtlichen, pariserisch schmeichelnden Einakter von der blinden Königstochter, die Liebe und Licht findet—ein Liebessänger blieb er, kein Dramatiker, aber ein Szeniker, kein geschworener Russe, aber ein Weltmann von gutem Stil” und weiter, “kein großer Geist und Entdecker, aber ein Musiker, der seine Kunst versteht, und ein Spielen mit Tönen, nicht aus artistischer Monomanie, sondern um Herzen zu gewinnen. Gewiss ein wenig fade, ein wenig vieux jeu, aber schließlich ein Mensch”. So 1913 in “Die Oper”. Es ist tatsächlich ein wenig vieux jeu, auf das man sich einlassen muss, ein Weggleiten in ein französisch provenzalisches Mittelalter, in dessen üppigen Garten auch Perraults Belle au bois dormant schlummern könnte, wobei Jolanthe einem 1845 uraufgeführten Schauspiel des Dänen Henrik Hertz entstammt, welches Modest Tschaikowsky für seinen Bruder einrichtete. Die am gleichen Abend mit dem Nussknacker am 18. Dezember 1892 uraufgeführte Jolanthe verschwand in Tschaikowskys Heimat nie von den Spielplänen.

Man muss sich auf das Märchen einlassen, das—so mein Eindruck—bei jeder Begegnung sehr gewinnt. Kitajenko tut alles, um dem Hörer in einen Paradiesgarten zu entführen, malt mit dem Gürzenich-Orchester die traurige Anfangsstimmung mit Englischhorn, Holzbläsern und Hörnern und Fagott penibel aus, die sich mit dem Eintritt der Harfe zu einem Idylle weitet: Kitajenko kostet diese und alle weiteren lyrischen Stimmung breit und genüsslich aus, wodurch er auf die längste Spieldauer unter den greifbaren Einspielungen kommt.

Olesya Golovneva singt die Jolanthe mit einem feinkörnig vibrierenden Sopran und ersetzt, was ihr an reicher Fülle in der Mittellage fehlt, durch dramatische Verve und eine strahlende Höhe, die auch jugendliche Leuchtkraft entfaltet. Ausgezeichnet ist Alexander Vinogradov, der mit seinem Ebenholz-Timbre und dem gewaltig strömenden Bass von königlicher Macht und Autorität, ein plastisches Porträt des keinen Widerspruch duldenden René schafft. Höhenstark und kultiviert singt Andrej Bodarenko den Robert, der seit Jugendtagen Jolanthe versprochen ist und nun den von den Vätern geschlossenen Bund lösen möchte. Da trifft es sich gut, dass Freund Godefroy de Vaudémont auf Anhieb in Jolanthe verliebt hat. Dmytro Popov macht das sehr wacker, treibt die Stimme in seiner schwärmerisch-leidenschaftlichen Romanze zielsicher in die Höhe, ohne dass sein eigentlich nicht sehr jugendlich klingender, immer etwas grobschlächtig wirkender Vaudémont-Tenor Glut und Emphase vermittelt. Trefflich macht Dalia Schaechter die alte Amme Martha deutlich, gut abgesetzt sind John Heuzenroeder und Mar-Olivier Oetterli als die Wachen Alméric und Bertrand, und Vladislav Sulimsky gibt den Ibn-Hakia mit kerniger Charakterisierungskunst. © 2015 Opera Lounge





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