Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Benjamin K├╝nzel
www.klassik.com, April 2017

Diese ‘L’Orontea’ ist zweifelsohne ein barockes Fest für die Ohren und eine mehr als willkommene diskografische Erweiterung ist sie obendrein. © 2017 www.klassik.com




Uwe Krusch
Pizzicato, March 2017

Cesti trat mit dem Ordensnamen Antonio in den Franziskanerorden ein; nur so konnte er eine musikalische Ausbildung erhalten. Er bekleidete verschiedene kirchenmusikalische Ämter in Volterra, Siena und Florenz. 1651 und 1652 setzte er in Venedig seine ersten beiden Opern in Szene. Bis 1657 war er Kammerkapellmeister der Privatkapelle von Erzherzog Ferdinand Karl in Innsbruck. Dort produzierte er drei Opern, die selbst für italienische Verhältnisse großen Erfolg hatten: ‘Argia’, ‘L‘Orontea’ und ‘La Dori’.

In den Jahren 1665 bis 1667 wirkte er als Kapellmeister am Hof von Kaiser Leopold I. in Wien und komponierte dort für die Hochzeitsfeier des Kaisers seine wohl berühmteste Oper, ‘Il Pomo d’oro’. Letztlich kehrte Cesti nach Italien zurück und wirkte am Hof des Erzherzogs in Florenz, in Siena leitete er Opernaufführungen, und auch für Venedig nahm er Aufträge an. Cesti war neben Francesco Cavalli der bedeutendste Opernkomponist seiner Zeit.

Neben ‘Il Pomo d’oro’ war ‘L’Orontea’ sein größter Erfolg. Die Königin Orontea liebt nur ihre Herrschaft und will sich nicht von der Liebe ablenken lassen. Ein kurz zuvor geretteter Mann, Alidoro, wird an ihren Hof gebracht. Natürlich verliebt sie sich in ihn. Bevor es zum glücklichen Finale kommen kann, müssen noch verschiedene Hürden überwunden und Nebenhandlungen entwirrt werden. Erst als sich klärt, dass Alidoro eigentlich Floridano heißt und Königsohn ist und damit eine standesgemäße Person, können Orontea und Floridano sowie Corinda und Silandra ihre Doppelhochzeit feiern.

Die Komposition lebt auch von dem Text des erfahrenen Dichters Giacinto Andrea Cicognini. Geistreiche Dialoge ergeben sich durch Dynamik und doppeldeutige und ironische Formulierungen. Cesti bereichert diese Vorlage durch seine vielgestaltige und durch unterschiedliche Continuo-Besetzungen abwechslungsreich gestaltete Komposition, so dass dieses Werk auch das heutige Publikum beeindrucken kann.

Das Spiel des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, erweitert um das Monteverdi-Continuo-Ensemble, hat in Ivor Bolton den Dirigenten, der die beiden Ensembles zusammenführt und der Musik den Atem und die Spannung einhaucht, die sie zum Leuchten bringt.

Auch das Sängerensemble ist, wie bei vielen anderen Aufnahmen aus (und Aufführungen in) der Frankfurter Oper fantastisch. Eigentlich sollte man niemanden herausstellen. Und doch muss man es tun. Simon Bailey als alkoholisierter Diener Gelone hat eine besondere Herausforderung zu meistern. Die Rolle ist für einen Bass mit Falsett geschrieben. Und diese besonderen Anforderungen meistert der Sänger mit so viel Esprit, dass es selbst auf der Höraufnahme prickelt; wieviel mehr hat es das wohl auf der Bühne getan? © 2017 Pizzicato



Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2017

Der Karnevalstradition verdanken wir einige der schönsten Barockopern überhaupt. So auch L‘Orontea aus der Feder des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Antonio Cesti. Die Premiere von L’Orontea fand 1656 in Innsbruck am Hof des opernbegeisterten Erzherzogs Ferdinand Karl von Tirol, Enkel des Herzogs Ferdinand von Toskana, statt. Und ist damit ein echtes Stück kaum bekannter österreichischer Operngeschichte. Der Erzherzog von Tirol wollte in Innsbruck ein vergleichbares Opernleben begründen, wie er dies von den Fürstenhöfen in Mantua, Florenz, Ferrara oder Parma kannte. Dazu erwirkte er bei der Kirche die Freistellung des Franziskanerbruders Antonio für die Dauer von fünf Jahren und engagierte Cesti als Direktor für weltliche Musik sowie als Impresario einer italienischen Opernkompanie. In Innsbruck wurden neben L‘Orontea noch die Cesti Opern „La Cleopatra“, „L‘Argia“ und „La Dori“ aufgeführt. Noch bekannter wurde Cesti aber als Komponist der Oper „Il Pomo d‘Oro“, die er anlässlich der Vermählung von Kaiser Leopold I mit Margarita Teresa von Spanien schrieb, ein zweitägiges Opernspektakel mit über 50 Solisten.

Der Mitschnitt aus Frankfurt lässt nachvollziehen, warum Cestis Oper mit rein musikalischen Mitteln abseits der trashigen Inszenierung des Walter Sutcliffe, die in manchen Ekelszenen sogar das Dschungelcamp locker in den Schatten gestellt haben soll, so erfolgreich war: Es ist ein Stück höchst unterhaltsames Musiktheater, das uns Cesti mit L‘Orontea, einer Vorläuferin der Opera Buffa, beschert. Es geht um die alte Machtfrage zwischen Pflicht und Liebe, die Vorherrschaft letzterer anhand des Schicksals der ägyptischen Königin Orontea beispielhaft in Szene gesetzt wird.

Die freiheitsliebende Orontea (Paula Murrihy) zieht es vor zu regieren, anstatt zu heiraten. Bis, ja bis ein prächtig schöner, schwer verletzter Mann am Hofe auftaucht, der alle Herzen im Sturm erobernde Maler Alidoro (Xavier Sabata), dem von Tibirino (Juanita Lascarro) das Leben gerettet worden war. Da gibt es aber noch ein zweites Paar, Corindo (Matthias Rexroth) und Silandra (Louise Alder). Silandra nimmt es mit der Treue offenbar nicht so Ernst und interessiert sich ebenfalls sofort für den knackigen Alidoro. Der hatte aber zuvor schon der phönizischen Prinzessin Arnea an deren Hof den Kopf so verdreht, sodass er sich zur Flucht gezwungen sah. Die gute Orontea muss jetzt das Kunststückl zustande bringen, alle Rivalinnen auszuschalten. Wie Toscas Cavaradossi die Attavanti, so malt Alidoro die entzückende Silandra. Nach allerlei Eifersüchteleien verspricht Orontea dem Geld und Macht offenbar nicht abgeneigten malenden „Plebejer“ die Heirat, was seine Liebe zu Silandra augenblicklich abkühlen lässt. Nach allerlei reumütigen Briefen, Medaillons als Gegenleistungen für Küsse usw., stellt sich heraus, dass Alidoro in Wahrheit der direkte Nachkomme des phönizischen Königs Sidonio, damit Bruder Arneas ist und Floridano heißt. Natürlich dürfen in dem ganzen travestierenden Erotikspiel auch schräge Typen, wie der meist sturzbetrunkene Diener Gelone (Simon Bailey) oder die von einem Tenor gesungene alte Aristea (Guy de Mey), die sich für die als männlicher Krieger verkleidete Giacinta (Kateryna Kasper) interessiert. Der Hofphilosoph Creonte (Sebastian Geyer) fügt sich final ins unvermeidliche „Happy End“ mit Doppelhochzeit.

Der Löwenanteil am Gelingen des musikalischen Abenteuers kommt trotz aller prächtigen Vokalleistungen wohl dem Dirigenten Ivor Bolton zu, der nicht nur höchst lebendig und animiert die krude Handlung mit instrumentalen Wonnen ausstaffiert. Bolton hat auch die Instrumentierung besorgt. In den überlieferten Partiturabschriften finden sich nämlich keine Hinweise auf das verwendetete Instrumentarium. Bolton entschied sich für eine für damalige Verhältnisse reiche Orchestrierung. Die Rezitative werden passend jeweils von einer Orgel, einem Cembalo oder einer Theorbe begleitet. Das erlaubt es, die Situationskomik noch einmal von den Klangfarben her zu schärfen. Aber auch berührende Momente, vor allem der Titelheldin, fehlen in der Oper nicht.

Kein Wunder, dass L’Orontea neben Francesco Cavallis Oper La Giasone als eine der erfolgreichsten Oper des späten 17. Jahrhunderts gilt. Anhören und genießen! © 2017 Online Merker



Bernd Hoppe
Opera Lounge, March 2017

Schon eine Tradition ist die Zusammenarbeit der Oper Frankfurt mit OEHMS CLASSICS, verschiedene Produktionen des Hauses als Live-Mitschnitte auf CD zu veröffentlichen. Oft handelt es sich dabei um Neuschöpfungen, Ausgrabungen oder Raritäten. Aktuelles Beispiel ist die Oper L’Orontea des 1623 in Arezzo geborenen Komponisten Antonio Cesti, die 1656 in Innsbruck am Hof des Erzherzogs von Tirol uraufgeführt wurde. So ist denn auch die von René Jacobs geleitete Aufführung im Sommer 1982 in Innsbruck eine der ersten in moderner Zeit gewesen, die bei harmonia mundi france auf LP/ CD festgehalten wurde (Bierbaum, Müller-Molinari, Reinhart) und die noch immer überzeugend ist. Die nun bei Oehms Classics dokumentierte aus Frankfurt fand im Februar/März 2015 in der Inszenierung von Walter Sutcliffe und der Ausstattung von Gideon Davey statt.

Wahrscheinlich wirkten berühmte Sänger der Zeit, die zum Ensemble am Innsbrucker Hof zählten, in der Uraufführung mit—so die Altistin Anna Renzi (die Ottavia in der Premiere von Monteverdis Poppea in Venedig) und der Bass Giulio Cesare Donati (der Giove in Cavallis La Calisto in Venedig). Sie waren auch für die ein Jahr zuvor herausgekommene L’Argiria Cestis engagiert worden. Donatis komisches Talent und seine Gabe, im Falsett zu singen, lassen vermuten, dass Cesti ihn als Oronteas skurrilen und meist betrunkenen Diener Gelone besetzt hatte.

Das Stück erzählt von der ägyptischen Königin Orontea, die nicht bereit ist, sich der Liebe zu unterwerfen, dann aber doch Zuneigung zu dem Maler Alidoro empfindet, der nach einem Liebesabenteuer mit der Prinzessin Arnea in Begleitung seiner vermeintlichen Mutter Aristea erscheint und auch von der Hofdame Silandra geliebt wird, die wiederum der Höfling Corindo begehrt. Später stellt sich Alidoro nach den üblichen Verwirrungen nicht als Maler, sondern als Prinz Floridano von Phönizien heraus, was die Standesunterschiede zwischen ihm und der Königin aufhebt, so dass einer glücklichen Vermählung mit Orontea nichts mehr im Wege steht.

Dem Bedürfnis des venezianischen Publikums nach Unterhaltung entsprach auch die Notierung der alten Aristea für einen Tenor als Rockrolle. L’Orontea darf als ein Vorläufer der Buffo-Oper gelten. Die Musik ist lebendig, von anmutiger Leichtigkeit und sprühender Vitalität. Mit Ivor Bolton steht ein Spezialist der Alte-Musik-Szene am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchester, der alle Stimmungen und Affekte der Musik sachkundig ausreizt und für schöne Kontraste zwischen komischen Episoden und solchen mit lyrischem Melos sorgt.

Die Besetzung setzt sich aus Mitgliedern des Frankfurter Institutes und aus speziell für diese Produktion engagierten Gästen zusammen. Zur ersteren Gruppe gehört die Interpretin der Titelrolle, die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy, in deren Gesang man sich mehr Energie und Charakter wünschte. Die Tongebung klingt etwas verwaschen und larmoyant. Deshalb hinterlassen die klagenden Passagen den stärkeren Eindruck. Auch die britische Sopranistin Louise Alder zählt zum Frankfurter Ensemble. Als Silandra wartet sie mit jugendlich-lieblichem Sopran und fließenden Koloraturen auf.

Prominentester Gast ist der katalanische Countertenor Xavier Sabata, der mit dem Alidoro sein Frankfurter Debüt gibt. Seine Stimme klingt weich, resonant und sinnlich, vereint sich im Duett mit Salandra zu ausgewogenem Wohlklang. Ein weiterer Vertreter dieser Stimmgattung ist Matthias Rexrodt, gleichfalls renommiert und als Corindo zum vierten Mal in einer Barockpartie in Frankfurt zu erleben. Sein bekannt weinerliches Timbre ist auch hier zu vernehmen und dürfte nicht auf jedermanns Zustimmung stoßen. International ein Begriff in diesem Genre ist der belgische Tenor Guy de Mey, der als Aristea seine komödiantischen Fähigkeiten ausstellen kann, die Partie aber nicht zur Karikatur verzerrt und sie mit klangvollem Ton singt.

Simon Bailey, nach seinen Jahren als Ensemblemitglied des Hauses nunmehr fester Gast, gibt dem Gelone prallen Umriss, singt lustvoll und auftrumpfend, scheut dabei auch Vokalverfärbungen und lautmalerische Effekte nicht. Als Hofphilosoph Creonte komplettiert der Bariton Sebastian Geyer das Personal am Hof der ägyptischen Königin. Im Prolog, wie das aus vielen Werken des Frühbarock (Monteverdi, Cavalli etc.) bekannt ist, streiten Filosofia (Katharina Magiera) und Amore (Juanita Lascarro) darüber, wer die größere Macht über die Menschen habe. Und wieder einmal hat auch hier am Ende die Liebe den Sieg davon getragen. © 2017 Opera Lounge





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group