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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, July 2016

Erstaunlich, dass man diese wundervolle Oper von Bohuslav Martinu so selten hört. Die surrealistische Geschichte um das Vergessen besitzt durchaus kafkaeske Merkmale, erinnert aber auch irgendwie an Dürrenmatts ‘Besuch der alten Dame’, obwohl die Thematik eine ganz andere ist und viel zu komplex, um sie hier zu resümieren.

‘Julietta’ ist für mich sowohl von der Geschichte wie auch von der Musik her gesehen eine der interessantesten und vielleicht auch wegweisendsten Opern des 20. Jahrhunderts, obwohl sie nie ihren Platz im Repertoire gefunden hat. Zwei Gesamtaufnahmen gibt es von diesem Meisterwerk, die tschechische Fassung unter Krombholc ist vergriffen und die der Bregenzer Mitschnitt mit Eva-Maria Westbroek ziemlich teuer. Darum liegt es nahe, sich für diesen Frankfurter Mitschnitt zu entscheiden, zumal er sängerisch und musikalisch keine Wünsche offenlässt.

Sebastian Weigle dirigiert das ‘Frankfurter Opern-und Museumsorchester’ mit viel Gefühl für die Personen und den dramatischen Verlauf. Die beiden Hauptrollen sind mit Juanita Lascarro als Julietta und Kurt Streit als Michel bestens besetzt, so dass man sich als Hörer beruhigt zurücklehnen kann und die komplexe Geschichte (am besten mit Libretto) entspannt verfolgen kann. Das Booklet enthält eine lesenswerte Einführung! © 2016 Pizzicato



Gerhard Hoffmann
Online Merker, June 2016

Wiederholt veröffentlichte das Label Oehms-Classics einen ausgezeichneten Opern-Mitschnitt der Oper Frankfurt einer Live-Aufnahme zur Premieren-Serie Juni/Juli 2014 und zwar der „Julietta“ (Bohuslav Martinů).

Martinus Musik zeigt Wahlverwandtschaften zu Debussy, Janacek kurzum den Impressionisten dieser Zeit wirkt jedoch auch sehr eigengeprägt von spezifischem Charakter. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltet umsichtig GMD Sebastian Weigle vermittelt die reizvolle Partitur mit ihren Farb-Schattierungen, schillernden Effekten, rhythmischen Raffinessen dank des prächtig aufspielenden Orchesters in präziser Ausleuchtung der charakteristischen Details.

Juanita Lascarro schenkt der Julietta mädchenhafte Züge, ihr lyrischer Sopran blüht silbern, überzeugt präzise in Phrasierung und Artikulation. In kontrollierter Virtuosität glänzt Kurt Streit als Michel mit tenoraler Strahlkraft und bester Legato-Kultur. Gegensätzlich leichter, lyrischer zeichnet Beau Gibson die Figuren Kommissar/Briefträger. Prächtig entfaltet Andreas Bauer sein klangvolles Basstimbre (Mann am Fenster/Sträfling). Baritonale Ausdrucksvaleurs steuert in vier Rollen Boris Grappe bei. Vorzüglich entfalten sich die Stimmen von Nina Tarandek, Maria Pantiukhova, Judita Nagyová, Marta Herman in diversen kleinen Rollen sowie Magnus Baldvonsson und Michael McCrown ebenso der differenziert agierende Opernchor im pittoresken Geschehen.

Ein hörenswerter Beitrag zum Genre „Oper des 20. Jahrhunderts“ mit aufwendig gestaltetem Beiheft zur Cassette. © 2016 Der Neue Merker



Rolf Fath
Opera Lounge, June 2016

Wo hatte sie sich so lange versteck? Julietta—die schöne Unbekannte? Jahrzehnte hatte sie keiner gesehen, und nun taucht sie überall auf—in Bremen, in Zürich, in Frankfurt (die deutsche Erstaufführung hatte 1959 im unweiten Wiesbaden stattgefunden), in Genf und Berlin. Die Frankfurter Aufführung liegt jetzt bei Oehms Classics, so etwas wie das Hauslabel der Oper Frankfurt, vor. Nicht die schlechteste Wahl, denn Sebastian Weigle erweist sich als kluger Deuter dieser Partitur, die hier so klar strukturiert und durchsichtig klingt als wolle er uns die „Lyrische Oper“ ganz besonders ans Herz legen. Was er ja wohl auch möchte.

Die Initialzündung hatte vielleicht die Richard Jones-Inszenierung 2002 in Paris geliefert, die zeigte, welch Bühnenpotenzial in dieser 1936 und 1937 in Paris in französischer Sprache als Juliette komponierten und 1938 in Prag in tschechischer Sprache uraufgeführten Oper steckt. Übrigens wurde die Pariser Aufführung von Marc Albrecht dirigiert, den man, wie Weigle, eher mit dem deutschen Repertoire in Verbindung bringt.

Wirkt Julietta ohne Szene nicht unvollständig, amputiert, braucht man für dieses phantastische Traumspiel, in dem nichts ist wie es scheint, nicht eine helfende Inszenierung, die durch das surreale Geschehen navigiert? Überhaupt nicht. Die in deutscher Sprache gesungene Aufführung (2 CDs OC 966) ist bis in die kleinsten und knappsten Einwürfe so textdeutlich, wie es man es sich kaum noch zu erwarten traut, hat eine so starke klanglich-szenische Präsenz, dass man sich wie in einem 2 ½ stündigen Hörspiel-Thriller wähnt (und das deutsche Libretto im umfangreichen Beiheft gar nicht zu Hilfe nehmen muss). Die Geschichte hat sich inzwischen herumgesprochen. Auf der Suche nach der schönen Juliette, deren Lied ihn hier einst bezauberte, kehrt der Buchhändler Michel in eine Hafenstadt zurück. Doch hat der vom Wald umgebene Ort überhaupt einen Hafen? Alles ist höchst seltsam, Realität und Traum, Phantasie und Wirklichkeit vermischen sich, Raum und Ort, Gegenwart und Vergangenheit. Die Menschen vergessen sofort alles, haben keine Erinnerungen, weshalb es einen Verkäufer von Erinnerungen und ein „Zentralbüro der Träume“ gibt.

In die Musik kommt man sofort hinein. Denkt man, denn sobald man sie zu fassen meint, schlüpft sie davon. Virtuos mischte Bohuslav Martinů Stile und Besetzungen und wob daraus einen Klangteppich von eigener Farbigkeit; er kennt Debussy und Poulenc, lässt—wir sind in Südfrankreich—ein Akkordeon erklingen, hüpft von der kleinen frechen Music Hall-Episode zum großen Ensemble, vom Jazz zur spätromantischen Sinfonie. Das ist alles von einer quecksilbrigen Bewegtheit, augenzwinkernden Raffinesse, dabei flirrend vage und schwebend unscharf, so dass sich der Hörer wie auf schwankendem Brettern bewegt und sich ähnlich verunsichert fühlt wie Michel, was das Frankfurter Opern—und Museumsorchester unter Sebastian Weigle kraftvoll und minutiös einfängt. Ausgezeichnet die Besetzung. Im elfköpfigen Julietta-Ensemble gibt es eigentlich nur zwei Hauptrollen: Kurt Streit, der als Mozart-Helden und Belcanto-Tenorino begann und über Hoffmann und Énée bis zu den heldischen Charakterpartien vieles gesungen hat, hat für die ungemein umfangreiche und in den drei Akten fast allgegenwärtige Partie des Michel einen biegsamen, klar profilierten, lyrisch zarten wie zähen Tenor parat, der zu wirklicher Leidenschaft und dramatischer Aussage fähig ist. Juanita Lascarro hat die rechten dunklen Farben für die Julietta, die sie im dritten Akt faszinierend ausspielt. Nicht weniger überzeugend die restlichen Sänger, die gleich in zwei oder drei Rollen schlüpfen, wie beispielsweise der Tenor Beau Gibson, dessen Kommissar zum Briefträger wird, der Bariton Boris Grappe als Verkäufer von Erinnerungen und Marta Hermann und Maria Pantiukhova als Vogel—bzw. Fischerverkäuferin. © 2016 Opera Lounge





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