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Album Reviews



 
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Manuel Brug
Fono Forum, January 2020

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Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2019

Sich eine Eintrittskarte kaufen, sich die Seele von einschmeichelnder oder temperamentvoller Musik streicheln lassen, in der Pause ein Glas Sekt trinken, eine harmlose Handlung, deren happy end gewiss ist, zur gefälligen Kenntnis nehmen—das mag in anderen Ländern möglich sein, nicht aber in Deutschland, wo die Gattung Operette jahrzehntelang gänzlich verpönt war und nun allmählich wieder, wenn auch manchmal mit schlechtem Gewissen der Ausführenden, in die Spielpläne auch der Opernhäuser vordringt. Allerdings bedarf es einer Rechtfertigung für das unerhörte, der „Volksverdummung“ verdächtige Tun, und so begründet die Oper Frankfurt die Aufführung von Lehárs Die lustige Witwe im Booklet zur CD damit, dass es einen Widerspruch zwischen dem, was die Personen singen, und ihrer Realität gebe, dass bereits der Titel einen solchen beinhalte, denn „lustig“ und „Witwe“ würden ja nicht zusammen passen, was angesichts der Geldheirat der Hanna Glawari kaum nachvollziehbar ist. Auch dass es vor der Lustigen Witwe in der Operette keine gebrochenen Charaktere gab, ist anzuzweifeln, denkt man an Offenbach und Johann Strauß und ihre Figuren. Das Bemühen der Verantwortlichen, eine Begründung für ein so unerhörtes Tun wie das Spielen einer den Sinnen schmeichelnden Operette in einem ehrwürdigen, in der Vergangenheit eher der Entlarvung auch des Operngeschehens dienenden Haus zu finden, ist schon recht komisch und kaum nachvollziehbar.

Um wenigstens einen Rest von Distanz zu wahren, hat man das Ganze als Theater auf dem Theater, d.h. als das Drehen eines Films namens Die lustige Witwe inszeniert (Claus Guth), und die zahlreichen Szenenbilder im Booklet sprechen denn auch eine recht trübe Sprache, was aber den Hörer der beiden CDs nicht weiter stört, so wenig wie der Wegfall des größten Teils der Dialoge, so dass die erste CD lediglich 32, die zweite 64 Minuten umfasst. Außerdem wurde das Duett „Zauber der Häuslichkeit“ wie in der Urfassung von 1905 geboten, in der es allerdings nicht wie hier im ersten, sondern im dritten Akt gesungen wurde.

Eine Luxusbesetzung für die Hanna Glawari ist Marlis Petersen mit hervorragender Diktion, sowohl Operettensüße wie Ironie in der Stimme, einer tollen Höhe, wo angebracht erotischem Flirren und genüsslich-kokett ausgekosteten Rubati. Behände durcheilt der Sopran das Finale I, einen kindlichen Ton verleiht er dem zauberischen Waldmägdelein, funkelnder Übermut verspottet den Reitersmann, und „Ich hab‘ dich lieb“ hört man selten so innig. Danilo ist Iurii Samoilov mit virilem Bariton, der viel aus den zwei Königskindern macht, dessen Sprechstimme recht „künstlich“ klingt und der teilweise in Tenorgefilde klettert. Hier ist Martin Mitterrutzner ganz zu Hause mit leichter Höhe und viel Operettenschmelz für den Camille. Valencienne ist Kateryna Kasper, kein Operrettenpüppchen, aber doch kapriziös, mit einem koketten Lächeln bei „Ich bin eine anständige Frau“ im Sopran, der im Grisettenlied nicht allzu „anständig“ klingt. Der Chor wirft sich mit Vehemenz in Balkanschwermut wie Pariser Leichtigkeit, auch dem Orchester unter Joana Mallwitz scheint die Aufführung großen Spaß zu machen—und dem Hörer, der denkbar für die Kürzung der Dialoge ist, ebenfalls (Oehms Classics, 2 CD OC 983). © 2019 Opera Lounge




Matthias Siehler
Rondo, August 2019

Ausgerechnet der sonst so konzeptstrenge Regisseur Claus Guth serviert Operetten zart. So auch die Königin der Gattung: Franz Lehárs „Lustige Witwe“, herausgekommen 2018 und mitgeschnitten als süffige wie schlüssige Filmdreh-Parodie an der Oper Frankfurt. Der namenlose Regisseur (Klaus Haderer), der auch den Spielmacher Njegus gibt, hat alle Hände voll zu tun, seine emotional aufgewühlte Truppe zusammenzuhalten. Marlis Petersen hält ihre elegante, auch elegische Hanna wunderbar in der Schwebe. Sie singt diese gebrochene Figur entsprechend: mit fadenfeiner Höhe, irreal schwerelos, dann wieder mit realistisch zupackendem Klang in hysterisch überdrehter Tanzrevue. Großartig ist Iurii Samoilov als baritoncremiger Strizzi, ein Frauenverführer und -verächter, der vor sich selbst ins Maxim‘s flieht. Martin Mitterrutzer bleibt als Rossillon der ölige Frackträger mit geschmeidigem Tenor, Elizabeth Reiter muss ihre Valencienne mit grotesker Fröhlichkeit als brachialknallige Soubrette markieren. Joana Mallwitz am Pult kann es präzise zackig, ja grell knallig, sie lässt aber auch fein abgeschmeckt die Geigen schmalzen und walzerselig schluchzen, das Holz dudeln, dass es eine intelligente, klangfeine Operettenfreude ist. Bisweilen scheint die Zeit stehen zu bleiben, nur ein überlautes Metronom lässt die Sekunden vertickern. So wechseln sich gespielte Partyfreude und Herzeleid ab. Und so rangiert diese Frankfurter Operettentat weit über dem Dreiviertel-Takt-Durchschnitt, obwohl es eine eher melancholiesatte statt lustige „Witwe“ geworden ist. © 2019 Rondo



Benjamin Künzel
www.klassik.com, July 2019

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 

Durch diese Frankfurter “Lustige Witwe” fegt in vielerlei Hinsicht ein frischer Wind. Und das tut ungemein gut. © 2019 www.klassik.com




Remy Franck
Pizzicato, June 2019

In den Kritiken der Presse nach der Premiere der Claus Guth-Inszenierung von Lehars Lustiger Witwe in Frankfurt war viel vor allem über die unkonventionelle Regiearbeit zu lesen. Davon ist natürlich in diesem Audio-Mitschnitt nicht besonders viel übriggeblieben, sieht man von diversen Dialogen and der Beförderung eines Duetts aus dem dritten Akt in den ersten ab.

Das erlaubt es dem Hörer, sich hundertprozentig auf die Aufführung der Musik zu konzentrieren. Die konkurriert natürlich mit großartigen Einspielungen mit herausragenden Sängern und würde wohl auf der Strecke bleiben, wäre da nicht das Dirigat von Joana Mallwitz. Die heute 33-jährige deutsche Dirigentin hält das Orchester sicher in ihren Händen und agiert dabei wie eine Puppenspielerin. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester wird so ungemein beweglich und spielt sehr spontan, mit unerhörtem klanglichem Raffinement und einem Reichtum an liebevoll herausgearbeiteten Details, wie man ihn wohl in diesem Werk noch nie gehört hat. Auch dynamisch und agogisch passiert sehr viel, mit gedehnten Ritardandi und spontanen Akzelerationen, so dass auch Witz und Ironie der Operette deutlich werden.

Die Sänger singen durchwegs auf hohem Niveau, und insbesondere die Hauptrollen sind sehr gut besetzt. Marlis Petersen ist eine exzellente Hanna Glawari, stimmlich wie darstellerisch überzeugend. Der Ukrainer Iurii Samoilov beeindruckt mit einer gut timbrierten hohen Baritonstimme als Danilo. Baron Zeta wird von Barnaby Rea mit erfrischendem Humor dargestellt. Die Nebenrollen sind von mittelmäßig bis gut von solcher Qualität, dass letztlich ein gutes Ensemble dabei rauskommt.

Die Aufnahme ist etwas dumpf und hätte insgesamt klarer sein könne, um all die Feinheiten vollkommen zu Gehör zu bringen. © 2019 Pizzicato





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