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Marcus Stäbler
Fono Forum, August 2016

Musik
Klang

In der Chormusik geben sich die Komponisten traditionell weniger neutönerisch als in der Instrumentalmusik—erst recht, wenn sie aus der baltischen Tradition stammen. Auch der international erfolgreiche Lette Ēriks Ešenvalds, Jahrgang 1977, hat spürbar keinerlei Ambitionen in Richtung Avantgarde. Seine hier aufgenommenen Chorwerke, im neuen Jahrtausend entstanden, fußen selbstbewusst auf dem Boden einer erweiterten Tonalität und umschmeicheln das Ohr immer wieder mit süffigen Melodien, farbiger Harmonik und einer plastischen Textausdeutung.

Die tritt vor allem im Hauptwerk des Programms zu Tage, einer Lukas-Passion aus dem Jahr 2014 für Chor, Soli und Orchester: Dort bebildert Ešenvalds die Kreuzigungs-Rufe mit dramatisch donnernden Klängen, er vertont den Marsch des Volkes mit einer sich steigernden Staccato-Bewegung und lässt sogar das Hämmern der Nägel hören.

Das alles ist zwar durchaus gekonnt umgesetzt, aber doch allzu ungebrochen naturalistisch, als dass man es subtil nennen wollte. Ešenvalds beherrscht die Klaviatur seines Instruments als langjähriger Sänger aus dem Effeff. Virtuos spielt er mit dem breiten Farbspektrum des vorzüglichen Lettischen Radiochores unter Sigvards Klava, der die dynamischen Kontraste, die opulenten Akkorde und Klangflächen der Musik sehr differenziert auffächert.

Handwerkliches Geschick und gute Ideen garantieren aber noch keine große Musik. Dazu bedarf es auch einer sicheren geschmacklichen Orientierung, und über die kann man bei Ešenvalds lauter streiten als bei anderen. Manche Momente—wenn etwa Sopran und Frauenchor, von weichen Harfenklängen begleitet, sanfte Melodien säuseln oder wenn der Tenor am Ende der Passion wie ein Musicalheld losschmachtet—sind einfach sehr, sehr kitschig. Insgesamt wünschte man sich und dem Komponisten eine klarere Trennung zwischen schön und süßlich. © 2016 Fono Forum



Heinz Braun
Klassik heute, July 2016

Der 1977 geborene lettische Komponist Ēriks Ešenvalds ist inzwischen ein angesagter Name in der Chorszene. Für seine Werke und Aufnahmen erhielt er bereits zahlreiche Preisen und Auszeichnungen, u.a. drei Mal den Großen Musikpreis Lettlands. Bedeutende Vokalensembles haben seine Musik in ihr festes Repertoire aufgenommen. Das zentrale Werk der vorliegenden CD, die rund halbstündige Lukas-Passion für gemischten Chor und Orchester aus dem Jahr 2014, entstand auf Anregung des Dirigenten Sigvards Kļava. Neben Texten aus dem Lukas-Evangelium nutzt Ešenvalds ebenso das berühmte jüdische Sch’ma Jisrael sowie Texte des amerikanischen Schriftstellers James Weldon Johnson und der viktorianischen Dichterin Christina Rosetti. Ešenvalds vereinheitlichte—wohl der internationalen Verbreitung halber—sämtliche Texte ins Englische.

Seine unmittelbar packende, eklektische Musiksprache orientiert sich hörbar an den Vorbildern Britten und Schostakowitsch und nutzt darüber hinaus sehr häufig wirkungsvolle Ostinato-Passagen. Das die Passion eröffnende Crucify him gelingt Ešenvalds atemberaubend. Im weiteren Verlauf des Werkes jedoch wirkt mir die Musik zuweilen allzu bildlich (etwa in der Szene, in der Jesus ans Kreuz geschlagen wird), auf äußeren Effekt bedacht und bisweilen sogar fast ein wenig so, als ob Hollywood Pate gestanden hätte. Das beschließende Cantabile würde jedem Musical zur Ehre gereichen. Und hier kommen wir meines Erachtens zu einer Schwäche von Ešenvalds’ Musiksprache: Auch die weiteren Werke der CD (A Drop in the Ocean, The First Tears und Litany of the Heavens) folgen im Grunde einer ähnlichen Konzeption mit großflächigen, wellenartig angelegten Steigerungen, Klangwolken und—schichtungen und Ostinati. Immer wieder gibt es Passagen von berückender Schönheit und man kann zweifelsohne Ešenvalds’ einen originären Klangsinn nicht absprechen, doch überschreitet er meines Erachtens nicht selten die Grenze zum Kitsch (etwa wenn in The first Tears , der Vertonung eines Inuit-Märchens , eine Folklore-Flöte und Maultrommel zum Einsatz gelangen). All dies ist zwar geschickt gemixt, nimmt von überall etwas mit, gelangt aber leider nicht wirklich zu einer persönlichen Note.

Der Chor des Lettischen Rundfunks unter Sigvards Kļava bietet wie üblich eine stimmlich makellose Leistung, doch wirkt die englische Aussprache (vor allem der Solisten) nicht immer natürlich. Ich bin gespannt, weitere Werke des Letten zu hören. Talent hat er zweifellos, dazu ein verlässliches Handwerk, das ihm jederzeit zu Gebote steht. Vielleicht gelingt es ihm in der Zukunft, aus der ihm zur Verfügung stehenden Fülle, mehr Wesentliches und Eigenes herauszukristallisieren. Der 1977 geborene lettische Komponist Ēriks Ešenvalds ist inzwischen ein angesagter Name in der Chorszene. Für seine Werke und Aufnahmen erhielt er bereits zahlreiche Preisen und Auszeichnungen, u.a. drei Mal den Großen Musikpreis Lettlands. Bedeutende Vokalensembles haben seine Musik in ihr festes Repertoire aufgenommen. Das zentrale Werk der vorliegenden CD, die rund halbstündige Lukas-Passion für gemischten Chor und Orchester aus dem Jahr 2014, entstand auf Anregung des Dirigenten Sigvards Kļava. Neben Texten aus dem Lukas-Evangelium nutzt Ešenvalds ebenso das berühmte jüdische Sch’ma Jisrael sowie Texte des amerikanischen Schriftstellers James Weldon Johnson und der viktorianischen Dichterin Christina Rosetti. Ešenvalds vereinheitlichte—wohl der internationalen Verbreitung halber—sämtliche Texte ins Englische.

Seine unmittelbar packende, eklektische Musiksprache orientiert sich hörbar an den Vorbildern Britten und Schostakowitsch und nutzt darüber hinaus sehr häufig wirkungsvolle Ostinato-Passagen. Das die Passion eröffnende Crucify him gelingt Ešenvalds atemberaubend. Im weiteren Verlauf des Werkes jedoch wirkt mir die Musik zuweilen allzu bildlich (etwa in der Szene, in der Jesus ans Kreuz geschlagen wird), auf äußeren Effekt bedacht und bisweilen sogar fast ein wenig so, als ob Hollywood Pate gestanden hätte. Das beschließende Cantabile würde jedem Musical zur Ehre gereichen. Und hier kommen wir meines Erachtens zu einer Schwäche von Ešenvalds’ Musiksprache: Auch die weiteren Werke der CD (A Drop in the Ocean, The First Tears und Litany of the Heavens) folgen im Grunde einer ähnlichen Konzeption mit großflächigen, wellenartig angelegten Steigerungen, Klangwolken und—schichtungen und Ostinati. Immer wieder gibt es Passagen von berückender Schönheit und man kann zweifelsohne Ešenvalds’ einen originären Klangsinn nicht absprechen, doch überschreitet er meines Erachtens nicht selten die Grenze zum Kitsch (etwa wenn in The first Tears, der Vertonung eines Inuit-Märchens, eine Folklore-Flöte und Maultrommel zum Einsatz gelangen). All dies ist zwar geschickt gemixt, nimmt von überall etwas mit, gelangt aber leider nicht wirklich zu einer persönlichen Note. Der Chor des Lettischen Rundfunks unter Sigvards Kļava bietet wie üblich eine stimmlich makellose Leistung, doch wirkt die englische Aussprache (vor allem der Solisten) nicht immer natürlich.

Ich bin gespannt, weitere Werke des Letten zu hören. Talent hat er zweifellos, dazu ein verlässliches Handwerk, das ihm jederzeit zu Gebote steht. Vielleicht gelingt es ihm in der Zukunft, aus der ihm zur Verfügung stehenden Fülle, mehr Wesentliches und Eigenes herauszukristallisieren. © 2016 Klassik heute





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