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Album Reviews



 
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Clemens Haustein
Fono Forum, April 2017

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Vincent Fidomski
www.klassik.com, February 2017

Das Label Ondine legt mit diesem neuen Album zwei Brahms-Bearbeitungen sowie eine Originalkomposition der jüngeren Vergangenheit vor. Besonders überzeugend gelingen dabei die solistischen Leistungen von Michael Nagy und Kari Kriikku. © 2017 www.klassik.com



Ekkehard Pluta
Klassik heute, January 2017

Zwei Spätwerke von Johannes Brahms, die Vier Ernsten Gesänge op. 121 (1896) und die Sonate für Klarinette und Klavier op. 120/1 (1894), werden hier in Orchester-Arrangements zeitgenössischer Komponisten gegenübergestellt und mit einer freien Brahms-Phantasie miteinander verbunden. Einen Clash der Epochen und der Stile gibt es dabei aber nicht. Denn beide Komponisten, Detlev Glanert (* 1960) wie Luciano Berio (1925–2003), sind sich einig in der großen Bewunderung für den deutschen Meister, dem sie sich mit Respekt und Liebe annähern.

Glanert geht dabei einen Schritt weiter, indem er die Vier Ernsten Gesänge mit hinzu komponierten Präludien einleitet und sie mit einem Postludium abschließt. Dabei gehen die Teile gleitend ineinander über und bringen den Zyklus in einen stetigen symphonischen Fluß. Diese Konzeption geht musikalisch und dramaturgisch auf, und so könnte diese Adaption im Konzertsaal durchaus eine Alternative zum Original bieten. Bei der Uraufführung 2005 in Prenzlau, die vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano bestritten wurde, war Dietrich Henschel der Solist. In Helsinki übernahm den Part Michael Nagy, als Wolfram bei den Bayreuther Festspielen bekannt geworden, ein junger lyrischer Bariton mit schlanker und eher heller Stimme, der keine düstere Stimmung aufkommen lässt. Die liegt auch nicht im Interesse des dynamischen Jungdirigenten Olari Elts, der das Helsinki Philharmonic Orchestra mit durchweg sehr zügigen Tempi klangüppig aufspielen lässt und eine Dramatik heraufbeschwört, die der Zyklus in der Klavierfassung nicht besitzt.

Bei der Adaption der Klarinettensonate op. 120,1 durch Luciano Berio (1986) handelt es sich um eine Orchestrierung im klassischen Sinne, bei der sich der Bearbeiter eigener Zutaten enthält. Sie ist ganz dem Geiste der originalen Komposition verpflichtet, in deren üppigem, der Klarinette ebenbürtigen Klaviersatz die Instrumentierung schon angelegt erscheint. Doppelte Holzbläser + Kontrafagott, drei Hörner, zwei Trompeten, Posaune, Pauken und Streicher machen einen starken Effekt, weiten die Sonate zum Konzert aus, ohne ihren Charakter zu zerstören. Der brillante Solist Kari Kriikku erweist sich dabei nicht nur als erfahrener Virtuose, sondern zugleich als guter Teamarbeiter, als Primus inter pares unter den Instrumentalisten aus Helsinki.

Zwischen diesen beiden „traditionellen“ Arrangements steht das Orchesterstück Weites Land, eine Auftragsarbeit des Staatstheaters Oldenburg (UA: 2014), dem der Komponist Glanert den sinnigen Untertitel „Musik mit Brahms für Orchester“ gegeben hat. Tatsächlich verwendet er die ersten acht Takte aus dem Kopfsatz der 4. Sinfonie und entwickelt sie in einer knappen Viertelstunde in spielerischer Weise in verschiedene Richtungen, lässt Assoziationen an Sibelius und Mahler wach werden, schafft aber eine ganz eigenständige Kreation. Es handelt sich um eine freie Phantasie und eine bewusste Hommage an den großen Ahnvater: „Es ist viel Norddeutschland darin“, äußerte sich der Komponist vor der Uraufführung, „der Brahmssche Geruch von Marschland, der weite Himmel“. Hört man die hier vorliegende Interpretation durch die Philharmoniker aus Helsinki, möchte man hinzufügen: „Es ist auch viel Finnland drin“. © 2017 Klassik heute



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2017

„Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben also dass ich Berge versetzte und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Corinther 13:1-3; Brahms „Wenn ich mit Menschen—und Engelszungen redete“

Offenbar können Komponisten keinen weißen Zettel sehen, ohne Noten zu notieren und erst recht nicht von Zunftgenossen mit Noten beschriebenes Papier, ohne daraus Inspiration zu schöpfen oder selber Hand anzulegen. Das kann eine bloße Instrumentierung sein oder aber eine völlige Aneignung, wie dies auf der vorliegenden CD der Fall ist—so mutig und ambitioniert wie Arnulf Rainer in der Malerei.

Detlev Glanert, Schüler von Hans Werner Henze, ist ja als Opernkomponist bekannt, 14 davon hat er bislang geschrieben. Vielleicht ist ihm auf Basis dieser Begabung nun auf stupende Wiese gelungen, die vier Ernsten Gesänge seines norddeutschen Landsmannes Brahms auf ganz eingeständige und faszinierende Weise zu orchestrieren und für Bariton zu adaptieren. Vorangestellt hat Glanert jedem Gesang jeweils ein Präludium, ein Postludium beschließt den so ausgeweiteten Zyklus. Diese reinen Orchesterteile zeichnen sich durch eine enorme Farbigkeit der Instrumentierung aus. Sie bereiten die Stimmung der nachfolgenden Lieder auf, kommentieren sie und vermitteln eine ganz eigenständige Klangwelt, die mit derjenigen von Brahms einen spannungsreiche Symbiose eingeht. Neben den Streichern lässt Glanert ein typisch Brahms‘sches Orchester sprechen. Doppeltes Holz, einen dritte Flöte, Kontrafagott, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauke und Harfe.

Bariton Michael Nagy ist der Solist der Ernsten Gesänge. Nagy, der größere Stationen an der Komischen Oper in Berlin und in Frankfurt absolviert hat, hat in jüngerer Zeit als Kurwenal unter Simon Rattle in Baden Baden Furore gemacht, in Wien kennt man ihn von Marschers Hans Heiling Produktion am Theater an der Wien. Am 19. Februar 2017 wird Nagy an der Deutsche Oper Berlin in der Uraufführung von Andrea Lorenzo Scartazzinis Oper Edward II die Titelrolle verkörpern. Die vier Ernsten Gesänge profitieren von der Schwärze des dramatischen Stimmmaterials des ungarischstämmigen Baritons. Nagy trägt einen opernhaften Ton in diese Musik, dabei aber die conditio humana dieser „Erntelieder“ um Liebe und Tod sensitiv auslotend.

Den Höhepunkt der CD bildet für mich persönlich Glanerts 2013 komponiertes „Weites Land“. Der Tonsetzer nennt sein knapp 12 minütiges einsätziges Werk „Musik mit Brahms für Orchester“, darin die ersten acht Noten der vierten Symphonie des Hamburger Meisters reflektierend. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Oldenburger Staatsorchesters. „Das weite Land“ ist ein aufregend dichtes Kondensat an originär kompositorischer Aneignung des harmonischen und thematischen Materials mit allerlei Soli der Streicher und im Holz, Tänzerischen und Kosmischem zugleich. Das Stück ist keine onomatopoetische Naturbeschwörung, sondern eine klingende Reflexion unserer Seele als Spiegel letzterer, Schnitzlers gleichnamiges Theaterstück assoziativ deutend. Sibelius winkt von der Ferne. Das Stück ist ein grandioser Wurf, dem ich einen Eingang ins Konzertrepertoire wünschen möchte.

Das neue Album endet mit Luciano Berios Bearbeitung der ersten der zwei Klarinettensonaten von Brahms, ein Auftragswerk des Los Angeles Philharmonic Orchestra aus dem Jahr 1986. Kari Kriikku ist der spielfreudige Solist dieses erstaunlich nahe am Original arrangierten Klarinettenkonzerts. Der Solopart ist nahezu identisch mit demjenigen der Sonate, das Orchester füllt gleichsam lediglich den Klavierpart aus. Das Helsinki Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Olari Elts sind beherzte Mitstreiter auf dieser musikalischen Entdeckungsfahrt. Eine clever zusammengestellte CD, die auch das hohe Niveau des finnischen Klangkörpers eindrucksvoll belegt. © 2017 Online Merker





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