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Rasmus van Rijn
Klassik heute, July 2015

Der momentane Verdacht, es sei Lars Vogt und den Geschwistern Tetzlaff bei ihrem gemeinsamen Brahms darum zu tun gewesen, das übliche Erscheinungsbild des hamburgischen Wieners aus purem Mutwillen gegen den Strich zu bürsten und ihn ohne Rücksicht auf eventuelle Gemütlichkeitsverluste ins Zwielicht zu bugsieren—dieser Verdacht verliert sich bereits nach wenigen Takten des C-Dur-Trios op. 87, mit dem die erste CD insofern sinnigerweise beginnt, als das revidierte Opus 8 (auf der zweiten Scheibe) jünger ist als die späteren Gefährten der Jahre 1882 und 1886. Offenbar handelt es sich hier also nicht um einen aufführungspraktischen Repertoirestreich nach dem Motto „wenn’s alle tun, machen wir’s anders”, sondern um das Resultat einer intensiven Beschäftigung mit der Musik eines Komponisten, von dessen Sehnsüchten, Hoffnungen, Ahnungen und Resignationen wir uns bis heute vielleicht nur deshalb ein bloß schemenhaftes Bild machen wollen, weil er uns zu sehr an eigene Verwehungen und Verschüttungen erinnern könnte.

Das Vogt-Tetzlaff-Trio scheut sich nicht, diese Räume zu betreten. Die drei Musiker fahren, so kommt es mir vor, in dieselbe seelische Grube ein, aus dem Bastian Balthasar Bux unter Anleitung des blinden Bergmannes Yor die unendlich zarten, feinen, zerbrechlichen Bilder seiner Träume ans Licht fördert. Scherzi wie Geisterreigen und Phantasmagorien, in deren Mittelteilen sich nostalgische Erinnerungen an grüne Matten und murmelnde Bergbäche ausbreiten; Adagios voll sinnlicher Kantilenen und heimlich wispernder Dialoge; und in den Ecksätzen dramatische Interaktionen von einer dynamisch und agogisch erlesenen Geschliffenheit, die niemals gewollt oder aufgesetzt wirkt: Hier schimmern aus der Tiefe intime Stimmen und Briefstellen herauf, offenbaren sich Verästelungen und privateste Mitteilungen, die womöglich genau so und nicht anders gemeint waren, bevor sie an die Öffentlichkeit kamen und dieser mit einer leicht polierten Oberfläche überlassen wurden.

Es it aber keineswegs so, dass uns Tanja & Christian Tetzlaff im Verein mit Lars Vogt hier etwa eine larmoyante, peinliche Nabelschau („er hatte eine schwere Kindheit”) vorführen. Nicht einmal die wehmütige, übrigens hinreißend vorgetragene Kantilene aus dem Adagio des neuen Opus 8 vergießt jene Art der Tränen, unter deren Schleier sich das Luchsauge des „Weinenden” auf die vorschriftsmäßig erschütterte Umgebung richtet: Eine enorme, wieder ganz aus dem Innern der Werke begründete Spannung durchzieht die Ereignisse, um sich überall dort massiv zu entladen, wo auch nur der leiseste Hauch von Selbstmitleid aufkommen könnte. Weshalb man denn auch erfrischt und bereichert aus diesen anderthalb kurzweiligen Stunden hervorgeht. © 2015 Klassik heute



Salvatore Pichireddu
artistxite, July 2015

Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff und Lars Vogt, das klingt nach einer wahrhaften Traumbesetzung. Drei der besten und bekanntesten deutschen Solisten in einem Trio vereint, kann das gut gehen? Oder sind es “zu viele Häuptlinge, zu wenig Indianer”? Was bei anderen mit Stars gespickten Kammerensembles oft nicht funktioniert, wo eben doch das Ego oder das Charisma des prominentesten Solisten durchbricht, funktioniert bei diesem Dream Team tadellos: Das Geschwisterpaar und der enge Vertraute, ein Trio, das seit Langem durch seine enge Freundschaft und durch dieselbe musikalische Vision verbunden ist, spielt hinreißenden, hochromantischen Brahms. Das Ergebnis ist ein regelrechter Glücksfall für jeden Musikfreund: Brahms’ reife Klaviertrios Nos. 2 und 3 aus dem Jahre 1882 und 1886, dazu das erste, noch jugendliche Trio von 1854 in der revidierten Fassung von 1889, in dunklen, samtigen, in sich ungemein harmonisch aufeinander abgestimmten Einspielungen. Die Unterschiede zwischen den drei Werken—das eine schwärmerisch, das nächste spröde-introvertiert und das letzte mit leicht volkstümlichen Akzenten—werden fein herausgearbeitet, doch die eindeutige Handschrift Brahms’ bleibt (nicht nur im wörtlichen Sinne) unverkennbar. Hier spielen drei Spitzenmusiker, die sich blind verstehen. Mehr noch, hier atmen drei Seelen synchron Brahms’ Musik. Elektrisierende Spannung, leidenschaftliches Spiel, dazu eine tadellose Akustik, die alles ungemein plastisch wiedergibt: Ein Kammermusik-Highlight des Jahres. © 2015 artistxite





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