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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, October 2015

Noch vor einigen Jahren hätte diese Einspielung der Goldberg-Variationen von J.S. Bach wirkliche Furore gemacht. Inzwischen ist aber in Sachen Goldberg so viel passiert—immerhin hatten wir in den letzten Jahren fast jeden Monat einen neuen Interpretationsversuch auf CD vorliegen—, dass es immer schwieriger wird, neben all den wirklich guten Einspielungen einige herauszufinden, die noch näher an der Wahrheit dran sind und uns als Hörer auf eine neue Reise mitnehmen.

Lars Vogt, von mir hochgeschätzt und sicherlich einer der großartigsten und interessantesten Pianisten der Gegenwart, reduziert Bachs Variationswerk quasi auf ein Minimum. Sein Spiel ist sehr verhalten und konzentriert sich auf den Kern der Musik. Im Großen und Ganzen wirkt Vogts Interpretation sehr ernst; insbesondere in den schnellen Variationen vermisst man diesen gewissen Unterhaltungscharakter, dieses tänzerische Element, die anderen Pianisten in eher extrovertierten Einspielungen immer wieder gelingen. Die langsamen Variationen erreichen dafür eine ungewohnte Intensität, die gerade durch die Schlichtheit und Unaufdringlichkeit von Vogts Spiel verstärkt werden und dem Hörer so einen Blick ‘hinter den Spiegel’ ermöglichen. Geht man nun von diesem Ernst und dieser Tiefe aus, dann wird auch Vogts Konzept der Gestaltung der schnellen Passagen plausibel. Dennoch kennt man heute Aufnahmen der Goldberg-Variationen, die dieses Werk globaler besser beleuchten als Vogt es mit seiner sicherlich interessanten und ungewöhnlichen Sichtweise tut. © 2015 Pizzicato



Claus Fischer
MDR.DE, September 2015

15 Jahre hat sich Lars Vogt Zeit gelassen, bis er nun eine Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen vorlegt. Und das zahlt sich aus! Er spielt nicht nur ausgeglichen und entspannt, sondern hat auch die Rhetorik der Originalklangbewegung inhaliert. Dies aber keinesfalls dogmatisch, er setzt durchaus auch das Pedal ein, aber sehr dosiert. Und Vogt hat einen sehr akzentuierten Anschlag, macht Linien hervorragend hörbar. So sollte Bach am Klavier heute klingen! © 2015 MDR.de



Peter Cossé
Klassik heute, August 2015

Kaum ein zweites Werk der Musikgeschichte im weitesten Sinn wird mit einem Interpreten in Zusammenhang gehört und betrachtet wie Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen. Es war zunächst die rasante, freche, manuell überragend gewandte Studio-Aufnahme mit Glenn Gould aus dem Jahr 1955, in den 80er-Jahren in verhalteneren Zeitmaßen von Gould gedoubelt und somit gleichsam einen musikalischen Lebensbogen von der Jugend bis ins leider nicht allzu hohe Alter schlagend. Inzwischen gilt das Werk den Pianisten aller Lebensabschnitte nicht mehr als heilig und allenfalls unter besonderen künstlerischen Umständen als antastbar. Zu den wenigen Einspielungen aus alten Tagen (Tureck, Kempff, Serkin, Arrau) ist eine erkleckliche Anzahl von Interpretationen hinzugekommen, jüngst auch eine in jeder Hinsicht auffällige von Tzimon Barto, in deren Verlauf das Thema und zahlreiche Variationen wie mit einer akustischen 3000-Bilder-pro-Sekundekamera untersucht und verzögert aufgezeichnet wirken.

Lars Vogt gibt sich in seiner Darstellung im Vergleich zu vielen seiner Kollegen recht leutselig, das heißt: eine rhythmisch prägnante Variation „a 1 Clav.“ wie die vierte erklingt nicht annähernd so gemeißelt oder gar gehackt wie in manchen Versionen aus der Sicht von aufführungspraktisch geschulten Mitbewerbern. Vogt—das zeigt schon die erste Variation in all ihrer drängenden, dringlichen, ja optimistischen Aufgeregtheit—gibt sich gewissermaßen allen Ernstes prächtig unterhaltend. Das ariose Thema empfinde ich als schlicht, aber mit kleinen dynamischen und anschlagstechnischen Raffinessen vorgetragen, in den Wiederholungen um eine Nuance behutsamer ausgeleuchtet. Es ist das wundersame Terrain, der akustische Mutterboden für ein kompositorisches Wachstum, für dessen Gesundheit und in manchen Momenten auch für dessen Ausgelassenheit Vogt die jeweils günstige pianistische Düngung findet.

Hier wird nicht mit virtuosen Grenzwerten für Aufregung und Staunen gesorgt. Vielmehr bürgt Vogt in den vertracktesten Kreuzlinienführungen für Klarheit und Luftigkeit—und dies nicht nur dann, wenn die Hände verwirrend über das Manual gesteuert werden, sondern zudem auch noch Trillerkombinationen den Parcour erschweren. Wie munter, ja sogar ein wenig aufmüpfig das klingen kann, lässt sich etwa in der Variation 23 „a 2 Clav.“ verfolgen, in deren Verlauf die rechte Hand wachsam den Gegenverkehr der linken bewältigen muss—und diese dabei stets bereit sein muss, jenen der rechten Hand auch in umgekehrter Fahrtrichtung zu meistern.

Mit den langsamen, den andächtigen Passagen (Variation 25 „a 2 Clav. adagio“ vor allem) scheint Vogt ein entspanntes Verhältnis einzugehen. Niemals weht die ästhetische Fahne auf Halbmast, immer—so empfinde ich seine musikalische Wortwahl—befinden wir uns auf der Habenseite des Lebens, in einem Milieu des entspannten Wartens und Erwartens. Das Da Capo der Aria am Ende dieses ungeheuerlich schönen Ausflugs in die allgegenwärtige Vergangenheit behandelt Vogt um eine Spur bedächtiger als zu Beginn. Es ist ein Ausatmen, ein Abschied—jedoch nicht für immer, wie man es in der späten Gould-Einspielung schmerzlich erahnen mochte. © 2015 Klassik heute





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