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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, June 2016

Die CD beginnt mit einer fulminanten Interpretation der Fantasie von Josef Suk. John Storgards dirigiert sie mit Strahlkraft, brillant, und doch auch sehr romantisch-leidenschaftlich, ja richtig emotional. Christian Tetzlaff bringt seine Geige in einem inspirierten Dialog mit in dieses Spiel ein, das auch Sinn für die zarten Seiten des Stücks entwickelt und insgesamt sehr spannungsvoll wird. Für mich ist das eine der mitreißendsten Aufnahmen dieses Werks.

Antonin Dvoraks Violinkonzert wird viel leichter dirigiert, schlanker, es ist feinfühlig und elegant, im Adagio man non troppo fragil und verletzlich und besonders im letzten Satz auch sehr musikantisch. Christian Tetzlaff ist phänomenal einfallsreich in seinem Spiel, und auch diese Interpretation zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Spannung aus.

Eine exzellente Leistung des Philharmonischen Orchesters Helsinki in allen drei Stücke, auch in der schönen Romanze op. 11 von Antonin Dvorak ist ein weiterer Vorzug des auch klanglich gut aufgenommen Programms. © 2016 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2016

Die beiden waren ja nicht nur als Schwiegervater und Schwiegersohn persönlich miteinander verbunden (Suk war mit Dvoraks Tochter Otylka verheiratet), sondern beide haben beachtliche und berühmt gewordenen Werke für Violine geschaffen. In der Mehrheit handelte es sich um exquisite Kammermusik des 19. Jahrhunderts typisch tschechischen Kolorits. Die zwei Komponisten hinterließen aber auch wenige, dafür umso feinere und expressiv sangliche Werke für Violine und Orchester, die mehrheitlich auf der vorliegenden Neuerscheinung des Helsinki Philharmonic Orchestra unter dem schwung und kraftvollen, die schwärmerische Komponente nicht vernachlässigenden Dirigat des John Storgards sinnvollerweise miteinander kombiniert sind.

Christian Tetzlaff ist der Solist, der voller Verve und Leidenschaft die ausladende, harmonisch so aufregende Fantasie für Violine und Orchester Op. 24 von Josef Suk interpretiert. Das einsätzige Werk ist in all seinen schnellen und langsamen Passagen durch eine dichte Verflechtung des motivischen Materials, den steten Wandlungen der Themen und eine orchestral dramatische Grundstruktur gekennzeichnet. Der Geiger hat technisch anspruchsvolle Ausdrucksmittel wie Mehrfachgriffe, Spiel auf leeren Saiten und virtuose Läufe zu bewältigen. Christian Tetzlaff meistert all dies mit energetisch aufgeladenem Strich, vollem kernigen Ton und tief empfundenem Ausdruck bravurös. Was sofort auffällt, ist die gleichsam osmotische musikalische Verschmelzung zwischen Solist und Orchester. Dieses enge und in allen kleinen Temporückungen so intensive Konzertieren ist spannungsreich und entführt in den klanglichen Kosmos slawischer Kantilenen, Rhythmen und Instrumentation. Das Violinkonzert in A-Moll von Dvorak, in vierjähriger Entstehungszeit endlos oft überarbeitet, steht in diesem Sinne im Zentrum dieser neuen CD. Man höre nur das sehnsuchtsreiche, gefühlsdichte Adagio ma non troppo. Ein sanfter Weltenschmerz legt sich über Böhmens Flur und Hain und der Hörer darf in diese geheimnisvoll schöne Welt eintauchen, wie es die Musik nur weniger Komponisten erlaubt. Das abschließenden Allegro giocoso, ma non troppo wiederum rast voller Lebensfreude und Übermut. Christian Tetzlaff vermag auf seinem Instrument dieses tänzerisch beschwingte Finale in intensiver Farbenpracht auszukosten.

Als „Zugabe“ wartet das neue Album mit der Romanze in F-Moll für Violine und Orchester von Dvorak auf. Vor dem Violinkonzert entstanden, bietet es noch einmal dem Orchester und Solisten alle Möglichkeiten, lyrisch zu brillieren. Dem Musikfreund bleibt mit Bedauern festzustellen, dass die Zeit beim Anhören viel zu rasch vergangen ist. Da bleibt nur eins: Nochmals von vorne. Warnung des Rezensenten: Suchtgefahr! © 2016 Der Neue Merker




Cornelia de Reese
kulturradio vom rbb, April 2016

Der Geiger Christian Tetzlaff, gebürtiger Hamburger, Jahrgang 1966, wurde in Deutschland in den 90er-Jahren bekannt durch seine fast unvorstellbare Abgabe seiner Stradivari, die er lebenslang hätte spielen können. Er entschied sich gegen das Instrument des legendären Geigenbauers aus Cremona, um fortan ein neues Instrument zu spielen, von einem Geigenbauer-Duo aus Bonn. Das Berliner Publikum konnte ihn in der Saison 2014/15 häufiger hören—er war in dieser Zeit Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern.

Tetzlaff feiert am 24. April seinen 50. Geburtstag. Kurz zuvor ist nun seine neue CD herausgekommen. Darauf findet sich romantisches Repertoire: Dvořáks Violinkonzert und dessen Romanze, ergänzt durch die Fantasie von Josef Suk.

Breit aufgestellt

Im romantischen Repertoire ist er zu Hause, auch wenn er sich darauf nicht reduzieren lässt. Bei weitem nicht! Er hat ein enorm breites Repertoire, das bei Bach beginnt und bis zur Neuen Musik reicht: Zum Beispiel hob er das Violinkonzert von Jörg Widmann aus der Taufe.

Und nun hat Tetzlaff Dvořáks Violinkonzert ein zweites Mal aufgenommen—das erste Mal vor zwanzig Jahren—1994—zusammen mit der Tschechischen Philharmonie. Dieses Mal mit einem nordeuropäischen Orchester, mit dem Philharmonischen Orchester Helsinki. Ein Orchester, das zu Dvořáks Lebzeiten gegründet wurde: 1882. Dvořák war zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt. Ein Klangkörper, im dem die spätromantische Musiksprache tradiert ist.

Kein Flagschiff-Konzert, aber…

Das Dvořák-Violinkonzert haben viele Geiger im Repertoire, auch wenn es bei weitem nicht so oft gespielt wird wie die Flaggschiff-Konzerte von Beethoven, Mendelssohn, Brahms und Bruch. Und das, obwohl Dvořák mit dem wichtigsten Geiger seiner Zeit zusammen gearbeitet hatte, der vielen dieser Konzerte mit seinen Auftritten zur Berühmtheit verhalf.

Dieser epochale Geiger war Joseph Joachim. Den Kontakt hatte Dvořák von seinem Mentor Brahms erhalten. Dvořák schickte die Noten zu Joseph Joachim, der aber erst nach zwei Jahren antwortete. Es kam sogar in Berlin zu einer Durchspielprobe, in der der Geiger Änderungen empfahl. So entzerrte Dvořák einige technisch schwierige Passagen, auch milderte er den Orchesterpart ab. Die Opulenz der Besetzung schien den Solisten zu erdrücken. All dem ist Dvořák nachgekommen. Trotzdem hat Joseph Joachim das Konzert weder uraufgeführt noch jemals öffentlich gespielt, und das könnte ein Grund sein, warum es nicht den Bekanntheitsstatus hat, den es vielleicht hätte, wenn Joseph Joachim es in seine Programme integriert hätte. Verwunderlich, denn gerade der dritte Satz erinnert mit seinen feurigen Elementen stark an das große Konzert-Vorbild von Brahms.

Energetischer und spannungsvoller Ansatz

Tetzlaff wählt in seiner Interpretation ein schönes, zügiges Tempo, das sich einem klebrigen Romantik-Klang entzieht (das erinnert ein wenig an die Aufnahme von David Oistrach). Tetzlaff legt eine tolle energetische, spannungsvolle Aufnahme vor. Sie ist auch viel agiler, als seine erste Aufnahme des Dvořák-Konzertes, freier in der Gestaltung, gelöster.

Eingerahmt wird es von zwei anderen Stücken: Von Dvořáks Romanze f-Moll, op. 11 und Josef Suks Fantasie g-Moll, op. 24. Tetzlaff folgt hier einem beliebten und sinnvollen Kombinationsmuster "Dvořák—Suk". Beide ergänzen sich—beide sind im romantischen Klang der Zeit und regional im tschechisch-böhmischen Musik-Kreis beheimatet. Suk war Dvořáks Schüler und später dessen Schwiegersohn—Suk heiratete eine der Dvořák-Töchter. Davon hatte der Lehrer einige ...

Überhaupt waren sich Dvořák und Suk sehr nahe: Beide spielten Geige, auch öffentlich in Orchestern und Kammermusik-Formationen; sie kamen also vom Streicherpult, beide haben aber diese Affinität zum eigenen Instrument nie großartig in den Mittelpunkt des eigenen Schaffens gestellt. Und: Beide haben sich immer daran orientiert, ihre musikalische Herkunft zu zeigen—das Böhmische in ihrer Musik zu integrieren.

Ungewöhnlicher Aufbau

Und doch ist Suk keine Kopie seines Lehrers. So setzte er sich zum Beispiel nicht dem Korsett eines Violinkonzertes aus. Er schrieb erst gar keins. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes seiner Fantasie freien Lauf gelassen, fing die musikalischen Ideen ein, reihte diese, Moment für Moment, aneinander und formte so seine Fantasie für Violine und Orchester. Auch die Dichte der Musik ist eine viel größere, harmonisch ist das viel komplizierter gebaut.

Tetzlaff setzt also an den Anfang das musikalisch kompliziertere Werk—umgedreht hätte der Hörer vielleicht seine Ohren in die romantische Klangwelt einfacher manövrieren lassen. Denn Suks Fantasie ist ein anspruchsvolles "Hinhör"-Werk, das alle Aufmerksamkeit bündelt. Man wird hier emotional hin- und hergeschleudert: Von zarten Passagen hin zu hochvirtuosen aufgepeitschten Abschnitten—danach erscheint Dvořák fast federleicht. Das Orchester kann sich hier voll ausbreiten: Hier darf es sehr viel mehr in den Vordergrund treten als bei Dvořák. Und das tut hier das Philharmonische Orchester Helsinki im vollen Umfang.

Perfekt ausbalancierter Klang

Der Höhepunkt ist aber Tetzlaffs Interpretation der Romanze op. 11 von Dvořák: Ein herrliches Stück von 13 Minuten Länge. Musik voller spätromantischer Herz-Schmerz-Klänge—ein schöner Anlass, dieses Stück für sich wiederzuentdecken. Zumal die Romanze so sehr dem Geiger Tetzlaff entspricht. Er, der immer wieder in Interviews betont, wie sehr ihm der musikalische Ausdruck wichtig ist.

Er versucht, so genau wie möglich mit der Partitur umzugehen. Er setze sich nicht über Komponisten-Angaben hinweg, sagt er. Hinter diesem Notengerüst finde er den musikalischen Inhalt. Und gerade diese Romanze zeigt deutlich, dass Tetzlaff viel Emotionalität zulässt, aber nie die Grenzen des Kitsches übertritt: Er hat einem klaren, gläsernen Ton—wie es oftmals geschrieben wird—und das ist treffend beschrieben (!)—und mit diesem klaren, gläsernen Ton wird das Romantische nicht zu dick und kommt dabei aber auch nicht magersüchtig daher. Perfekte Maße im Spiel, im Gestus, in der emotionalen Dosierung.

Diese perfekte Mischung ist auch im Orchester unter John Storgårds zu finden. Es lässt dem Solisten genügend Platz für seine solistische Rolle, gibt mal einen butterweichen Hintergrund oder spiegelt im weiteren Verlauf den etwas kühleren, klaren Ton von Tetzlaff wider.

Der Geiger legt hier eine wunderbare Aufnahme vor—seine Klangstärke kommt in voller Schönheit zum Vorschein. Es tröstet uns ein wenig darüber hinweg, dass Tetzlaff in den nächsten Monaten nicht in Berlin oder Potsdam zu hören sein wird…

Ich gratuliere also an dieser Stelle zu dieser Aufnahme UND zu seinem runden Geburtstag am 24. April 2016. © 2016 Kulturradio



Christoph Schlüren
Klassik heute, March 2016

Christian Tetzlaff hat mit den Philharmonikern aus Helsinki unter ihrem musikantisch-kraftvollen langjährigen Chefdirigenten John Storgårds ein wunderschönes böhmisches Programm aufgenommen, das Dvoráks frühe Romanze und sein Violinkonzert mit der viel zu wenig gespielten großen Fantasie von Dvoráks Schwiegersohn Josef Suk kombiniert—in genau umgekehrter Reihenfolge der Entstehung: Suk macht den Anfang, was ihm endlich einmal in prominenter Umgebung die gebührende Aufmerksamkeit sichert, und die Romanze erklingt als träumerische Zugabe. Da Storgårds selbst ein hochkarätiger Geiger ist, der einst mit Leif Segerstam am Pult, gleichfalls für Ondine, eine exzellente Aufnahme des Violinkonzerts von Schumann (zuzüglich der Violinfassung des Cellokonzerts) machte, weiß er natürlich intuitiv, wie er mit dem ‚primus inter pares’ in lebendigen Dialog tritt und weitestgehend die nötige Transparenz gewährleistet. Es wird mit Natürlichkeit, Delikatesse und Feuer musiziert, und es fällt auf, wie genau Tetzlaff den Notentext in seinen dynamischen Graduierungen und agogischen Untergliederungen umsetzt. Im Orchester geschieht dies nicht mit derselben Gewandtheit, obgleich das Ergebnis im Vergleich zu den meisten anderen Aufnahmen sehr gut, also überdurchschnittlich kultiviert ist. Woran es vor allem des öfteren fehlt, ist im oberen dynamischen Bereich die Integration des Blechs, das dann mit Haltetönen einfach zu dominant wird—ein allzu gewohntes Manko, das auch hier nicht ganz bewältigt wird. Natürlich möchte jeder ambitionierte Musiker seinen eigenen Zugang haben, und es ist ohnehin schon viel zu üblich, sich durch Aufnahmen anderer durchzuhören, um den eigenen Zugang zu verorten und sich hier und da etwas abzuschauen oder eben die Sinne dafür zu schärfen, was nicht angemessen ist. Doch in diesem Fall würde es sich nun wirklich dringend empfehlen, die großen Protagonisten der idiomatischen tschechischen Tradition zu studieren: über Dvorák und Suk kann man Entscheidendes von Vaclav Talich lernen, weniger von Ancerl oder auch Kubelik, jedoch wieder umso mehr von einem Dirigenten, der heute der Tschechischen Philharmonie vorsteht und auch dem BBC Symphony Orchestra in jahrelanger Arbeit beibrachte, wie der Tonfall dieser Musik zu treffen, was charakteristisch ist, und wie mit den auch durch die historischen Veränderungen entstandenen Balance- und Mischungsproblemen umzugehen ist: Jirí Belohlávek. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass hier, auf sehr hohem Niveau, einmal einfach „das Bessere der Feind des Guten“ ist. Erst vor kurzem erschien bei Supraphon eine CD mit dem phänomenalen Josef Spacek und der Tschechischen Philharmonie unter Belohlávek, wo Dvoráks Konzert mit Suks Fantasie und dem rekonstruierten Konzert in einem Satz von Janácek kombiniert ist (Supraphon SU 4182-2). Wer nicht wegen der Romanze zugreift, ist damit ideal versorgt, und es dürfte heute keine Besetzung geben, die es mit dieser aufnehmen könnte—ungeachtet dessen, dass Spacek hierzulande noch ein weitgehend Unbekannter ist. Wenn man sich dann noch eine weitere Aufnahme besorgen will, ist die hier vorliegende gewiss ein Favorit, mit einem gereiften, abgeklärten und keineswegs stromlinienförmig agierenden, aber auch nicht von interpretatorischen Willkür-Dämonen besessenen Tetzlaff, einem Top-Orchester von internationaler Klasse und einem ausgesprochen seriösen, musikalischen Dirigenten, der es von Natur aus nicht darauf anlegt, zu den Showmen seines Fachs zu gehören. Diese Musiker sind an Tiefgang interessiert, und das vermittelt sich auch. Die Aufnahmetechnik ist wie eigentlich immer bei der Kombination eines Streichersolisten mit großem Orchester sehr problematisch, und mir wäre es eine echte Wohltat, wenn weniger Wert darauf gelegt würde, die Sologeige durchgängig in all’ ihren zweifellos hörenswerten Nuancen hörbar zu machen und dafür insbesondere die Dialoge mit den Holzbläsersolisten sinnfälliger—also auf Augenhöhe—das Ohr des Hörers erreichen könnten. Doch das sind grundsätzliche Entscheidungen, auf die möglicherweise die Musiker gar keinen Einfluss genommen haben, und es ist gar nicht so selbstverständlich, zu erwarten, dass man sich über eine Ästhetik hinwegsetzt, die seit Bestehen der Aufnahmegeschichte mehr oder weniger prägend ist. Die Produktion wird abgerundet durch einen solide informierenden Booklettext von Oliver Fraenzke. © 2016 Klassik heute





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