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Peter Cossé
Klassik heute, April 2016

Mit einem ganzen „Strauß“ von unterschiedlichst geformten und genormten Sonaten setzt der Pianist Paavali Jumppanen sein Beethoven-Unternehmen für das Label Ondine fort. Auf zwei im Vergleich etwa zu den frühen Philips-Einspielungen mit Brendel klanglich etwas enger, weniger gerundet wirkenden CDs bewegt sich der 42jährige Interpret auf werkchronologisch gleichsam aufsteigender Bahn. Die Reise beginnt mit den beiden Sonaten op. 14 und mit der B-Dur-Sonate op. 22. Hier allerdings riskiert Jumppanen mit den beiden kleinen Sonaten op. 49 einen literarischen Zwischenstopp, um dann dem überlieferten Katalog entsprechend mit den Sonaten op. 26, 27 und 28 fortzusetzen.

Wer sich im gestalterischen „Sonatinen“-Umfeld der Leichtgewichte op. 49 umhört, der wird vor allem im Hin- und Hörblick auf die schier professoral ausgeleuchteten, im Bereich der Kopfsätze extrem abgebremsten Gilels-Einspielungen auf Alternativwerte zu Jumppanen stoßen. Er nämlich hält es mit unaufgeregten, flüssigen Zeitmaßen, die den Hörer weder irritieren noch—wie bei Gilels—auf eine akademische, bedeutungsschwere Fährte locken. Überhaupt ist es ein Hauptmerkmal von Jumppanens Beethoven-Spiel, dass er den Dingen ohne jegliche Exzentrizität ihren Lauf lässt. Für den Hörer hat dies freundliche Konsequenzen: er wird sich niemals wie etwa bei Glenn Gould verärgert oder auch nur verunsichert fühlen. Mit gutem Gewissen darf er sich diesem Vortrag anvertrauen, um Beethovens Klaviermusik im Sinne eines sozusagen skandinavisch-ästhetischen Reinheitsgebots zu erleben.

In technischer Hinsicht geraten Jumppanen die heiklen Finalsätze der Sonaten op. 26 und op. 27,2 ohne Schweißtropfen auf den flinken, am Ende der Mondscheinsonate auch wirbelnden Finger. Aber er riskiert—wie schon beschrieben—im fordernden Ausdruck, also im Bereich der expressiven Grenzsituationen niemals das Äußerste. Und das gilt auch für die lyrischen, die gesanglichen Werte, wie sie etwa den Beginn der Es-Dur-Sonate op. 27,1 in naiver Weihe charakterisieren. Die kürzlich bei Decca erschienenen Philips-Aufnahmen mit Alfred Brendel zeigen, wie weich, wie zart und dennoch in der Mitteilung bestimmt man diese Passagen und ähnlich Mildes auch in der Pastorale und im langsamen Satz der B-Dur-Sonate op. 22 antupfen, ja „anstreichen“ kann.

Im Verlauf der im Tonfall entschieden ländlich getönten, motivisch durchaus nobel-volkstümlich formulierten D-Dur-Sonate überrascht Paavali Jumppanen im dritten Satz mit einer mir unbekannten Modulation, etwas genauer: mit einem lieblich-gewitzten Verzierungsschlenker. Nachzuprüfen auf Track 14 der CD 2 bei 2‘20“ Spieldauer. Vielleicht handelt es sich um eine ansonsten ungebräuchliche Ausgabe. Vielleicht wollte der Pianist aber auch einer plötzlichen Eingebung einmal keine Fesseln anlegen… © 2016 Klassik heute





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