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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, September 2016

Er gehört für mich zu den musikantischsten unter den zeitgenössischen Komponisten: Magnus Lindberg ist kein reiner Theoretiker, er komponiert Musik, die man physisch spürt, die einen berührt, mitreißt und…immer wieder überrascht.

Schon seit Jahren veröffentlicht Ondine regelmäßig erstklassige Aufnahmen von Lindbergs Werken mit dem Finnischen Radio-Symphonieorchester. Nach Esa-Pekka Salonen, Jukka-Pekka Saraste und Sakari Oramo ist es jetzt an Hannu Lintu, Chefdirigent seit 2013, den bisher sensationellen Lindberg-Zyklus weiter zu führen. Er badet nicht so sehr in Lindbergs Klangwellen, sondern geht strenger, archaischer und akzentreicher mit dessen Musik um als seine Vorgänger. Was wiederum die Spannung erhöht, denn man hört Lindbergs Musik aus einer ganz anderen Perspektive, die sich nicht unbedingt an Sibelius und die finnische Schule anlehnt, sondern insgesamt europäischer und vielleicht auch etwas moderner erklingt. Drei Werke werden vorgestellt: Al largo (2009–2010), das Cellokonzert Nr. 2 (2013) und Era (2012), also alles noch rezente Werke. Man hört die Entwicklung Lindbergs, dessen Klangsprache viel feiner und detailfreudiger geworden ist, ohne aber etwas an ihrer musikalischen Kraft zu verlieren.

Anssi Karttunen ist mit dieser Musik groß geworden und spielt das Cellokonzert sehr natürlich und mit einer Selbstverständlichkeit, die die Musik leicht macht und zum Fliegen bringt.

Fazit: hier haben wir tolle Aufnahmen, die für Lindberg-Bewunderer unverzichtbar sind. Und ein weiteres Dokument eines sehr überzeugenden Dirigenten, der außerhalb Finnlands unverständlicherweise noch nicht den richtigen Bekanntheitsgrad hat. © 2016 Pizzicato



Rasmus van Rijn
Klassik heute, February 2016

Wie bei der vokalsymphonischen Produktion mit Graffiti und Seht die Sonne aus dem Jahre 2010 [sh. Rezension bei Klassik-Heute vom 26.4.2010] und der drei Jahre später erschienenen CD mit dem (ersten) Violinkonzert, dem Souvenir und den Jubilees [sh. Rezension bei Klassik Heute vom 27.9.2013], so macht sich auch jetzt nach dem recht erfreulichen Anfangseindruck schnell die Ernüchterung breit: Da arbeitet endlich mal wieder einer mit markanten Motiven und, man wagt es kaum zu sagen, thematischen Elementen, die sich gerade in Al Largo, dem ersten der drei Werke, bis zu romantischer Breite auswachsen; da gibt es Steigerungen, Kantilenen, nahezu tonale Zusammenklänge im glänzend orchestrierten Gewebe, dass einem recht warm ums Herze werden möcht’—und dann verlieren sich die Substanzen in einem strukturellen Ungefähr, das sich trotz seiner hurtigen, lebhaften, geradezu temperamentvollen Ausbrüche wieder als einer jener zähen Ströme dahinwälzt, um sich nach rund 25 Minuten mit den letzten Takten der Verklärten Nacht zu verbünden, von denen Lindberg meint, es sei darin einer der schönsten Schlüsse der gesamten Musikliteratur zu finden.

Ganz abgesehen davon, dass Magnus Lindberg vor seinem hurtigen Urteil vielleicht einmal den Tristan oder auch nur Franz Schrekers Vorspiel zu einem Drama hätte versuchen sollen, stellt er sich mit seinen sehr einseitigen Kommentaren zahlreiche Fallen, in die er nachher mit großer musikalischer Geste hineintappt. So lesen wir gleich in den ersten Zeilen des englisch-finnischen Booklets die gewichtige These, dass „alles auf die Fundamente Schönbergs und Strawinskys zurückgeht” und „die Musik überhaupt keinen anderen Weg hätte einschlagen können”. Dann führt er die vorbildhafte vierte Symphonie von Jean Sibelius ins Treffen, bekennt den Einfluss des Till Eulenspiegel—und landet dabei hin und wieder bei Aram Chatschaturjan: Die knatternden Fanfaren der dritten Symphonie und die filigranen Geflechte des Spartakus mögen unfreiwillig zu Stande gekommen sein, wirkungsvoll sind sie allemal.

Während sich mir beim zweiten und dritten Anhören der drei Stücke ein immer tieferer Graben zwischen theoretisch-ideologischem Anspruch und praktisch-ästhetischem Geschehen auftut; während ich feststelle, dass es durchaus genügt, eins der zwei Cellokonzerte von Lindberg zu kennen; und während ich—erneut bei der einigermaßen kompakten Era angekommen—meine aktuelle Wanderung durch die Trümmerwüsten der Tonkunst für dieses Mal mit einem leisen Schulterzucken beschließe, treten doch die exzellente Leistung des vielfarbigen, brillanten Orchesters und das engagierte Spiel des Solisten Anssi Karttunen immer plastischer hervor: Den Ausführenden, allen voran ihrem Dirigenten Hannu Lintu, wird man einen Mangel an Engagement gewiss nicht vorhalten können—und auch die Klangregie hat alles getan, um das äußere Erscheinungsbild dieser Musik nach bestem Wissen zu gestalten. Dem Komponisten sei indes geraten, sein zweifellos erhebliches Potential endlich von seinen historischen Vorstellungen zu befreien, anstatt sich—ganz Gulliver in Liliput—von tausenden dogmatischer Erwägungen am Boden festnageln zu lassen. © 2016 Klassik heute





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