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Album Reviews



 
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Carsten Dürer
Piano News, January 2017

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Oliver Fraenzke
Pizzicato, November 2016

Mit leicht verhaltener Zartheit und bezaubernder Schlichtheit geht Lars Vogt an die bekannten Werke Schuberts. Er prunkt nicht auf mit melodramatischem Pathos, sondern hält sich sanft zurück und lauscht aus der Stille heraus, was den Hörer nicht unberührt lassen kann. Es ist eine milde Wärme, die sein Spiel versprüht, die aber doch immer zur gleichen Zeit auch eine eisige Doppelbödigkeit enthält und einen unvermittelt in die Tiefe reißen kann. Die Läufe glitzern regelrecht im zweiten und vierten Impromptu, die Wellen der Unterstimme umspielen tänzerisch die Melodie des dritten. Bezeichnend ist die bewusste Wahrnehmung der harmonischen Strukturen, Vogt hört jeden Akkord sehr genau aus und weiß meist, die Spannung und Entspannung in der Musik durch ausgewogene Phrasierung zu vermitteln. Die Deutschen Tänze sind für Vogt von unschuldiger Einfachheit in zeitgleich lebendiger wie träumerischer Manier.

Auf gleiche brillante Weise erklingen die sechs ‘Moment musicaux’. Beinahe ausnahmslos gelingen dem Pianisten stimmige Tempi, in denen die Musik gut mitvollziehbar wird—lediglich im fünften ‘Moment musical’ geht es mit ihm durch, der 2/4-Takt verliert sich im ganztaktigen Puls und die essentielle Aussage verwischt.

Bisweilen gibt es jedoch auch manche Passage, die einen aus der magischen Atmosphäre herausreißt: an Fortestellen, die in Härte und Wucht klirren. Hier verliert Vogt oft seinen feinfühligen Anschlag und benimmt sich damit der Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeiten. Auch gibt es manchmal ein etwas plumpes Ritenuto, das den Taktschwerpunkt durch Verzögerung hervorhebt anstatt sich gewandt auch einmal auf die unbetonten Zeiten zu verlagern und damit einen größeren—da unmerklicheren—Effekt zu erzielen.

Abgesehen davon gelingt Vogt hier eine recht überzeugende Schubert-Aufnahme, die gerade im Vergleich zu einigen anderen Aufnahmen der letzten Zeit durchaus hervorsticht. © 2016 Pizzicato



Martin Blaumeiser
Klassik heute, November 2016

Liest man im Booklet zum vorliegenden Schubert-Programm das kluge Interview mit Lars Vogt, beeindruckt eine scheinbar tiefe Einsicht ins Werk eines Komponisten, zu dessen Charakteristika neben unmittelbar zugänglicher Schönheit an der Oberfläche eben auch—höchst ambivalent—eine immer latente Gegenwart von Untiefen und Abgründen gehört. Im Gegensatz zu Beethoven, dessen Musik meist klar zielgerichtet erscheint, bleibt bei Schubert bis zum Schluss vieles offen, unsicher, nicht selten geradezu illusorisch—„der Weg ist das Ziel“. Gerade im Klavierwerk wird dies durch den Eintritt des Unerwarteten bereits im kleinsten Detail erreicht—besonders auf harmonischer wie auch auf Artikulationsebene. Dass Vogt sich dessen sehr bewusst ist und versucht, diese Feinheiten auch sämtlich hörbar zu machen, funktioniert leider im Endergebnis noch nicht überzeugend. Man erlebt zwar eine äußerst differenzierte Dynamik, aber in einigen Fortissimo-Passagen schießt Vogt übers Ziel hinaus—so bei den erlkönigartigen Triolen im ersten Impromptu oder stellenweise im fünften der Moments musicaux: Das wirkt dann nicht etwa bedrohlich, sondern knallig bis penetrant. Andererseits kommt ein wirklicher Höhepunkt wie die Es-Moll-Coda des 2. Impromptus gar nicht erst zustande. Schlimmer wiegt, dass der Pianist besagte Details immer quasi auch noch mit erhobenem Zeigefinger herausstellt. Ständig ergänzt er dort seine klanglich-artikulatorischen Mittel noch um kleine Tempomodifikationen, meist Verzögerungen, die den Fluss der Musik so erheblich stören, dass diese allzu oft bis hin zu lediglich Zweitaktgebilden zerfällt. Durch nicht gerade geschickte Pedalbehandlung kommen bei Vogt auch längere Legato-Kantilenen in der Oberstimme kaum zur Geltung. Und virtuose Eleganz, die ja zunächst erst einmal überhaupt vorhanden sein muss, um gebrochen werden zu können, wird Schubert ebenso eher nicht zugestanden (Impromptus Es- bzw. As-Dur). So erweisen sich die nötigen tiefenpsychologischen Einblicke als dauernde Stolpersteine, die Formentfaltung praktisch komplett verhindern—Schubert mit Hinkefuß?

Die Sechs Deutschen Tänze D. 820 sind keine Einzelstücke, sondern ein Zyklus wie die Walzerfolgen der großen Konzertwalzer von Johann Strauß. Vogt lässt in der Tat einfallsreich die verschiedenen Register des Flügels aufblitzen, wodurch klanglich keine Langeweile aufkommt. Doch auch hier gelten die bereits angebrachten Kritikpunkte: Der nötige Zusammenhang bleibt auf der Strecke und lässt diese Musik leicht hinterwäldlerisch wirken, was so von Schubert kaum intendiert sein dürfte.

Erfreulich, dass die Moments musicaux D. 780 erheblich besser gelingen. Zwar technisch etwas leichter als die Impromptus, stehen sie ihnen an musikalischer Substanz jedoch keineswegs nach. Endlich macht sich Vogts Genauigkeit bezahlt, wirkt nicht manieriert; die strukturelle Einfachheit und Klarheit dieser Musik wird hier nicht in Mitleidenschaft gezogen und die Übersicht bleibt gewahrt. Klanglich geradezu traumhaft—quasi dem Sog der Zeit entrückt—entfalten sich die beiden langsamen Stücke (Nr. 2 und Nr. 6) sowie der Mittelteil des vierten. Mit diesen ganz und gar lyrischen Momenten kann Lars Vogt vollends überzeugen und zumindest ein kleines Ausrufezeichen innerhalb der gewaltigen Zahl an Konkurrenzaufnahmen setzen. Diese Schubert-Darbietung lässt aufhorchen, ist aber noch entwicklungsfähig.

Aufnahmetechnisch ist die Einspielung tadellos; insbesondere gefällt die erstaunlich gute räumliche Abbildung des Flügels gerade wegen der Zurückhaltung des Aufnahmeteams beim Hinzufügen von Hall. © 2016 Klassik heute





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