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Peter Cossé
Klassik heute, May 2016

In der diskographischen Beethoven-Geschichte wird Paavali Jumppanens Gesamtaufnahme der 32 Klaviersonaten mit Sicherheit nur eine anständige Nebenrolle spielen. Zu wenig, besser gesagt: zu selten gelingt es ihm, präzise und dann auch fesselnd auf die verschiedenen Werk- und Satzcharakteristika einzugehen, um diese dann auch pianistisch über jeden Zweifel erhaben umzusetzen. Als Musterbeispiel klavieristisch-gedanklicher Nachlässigkeit erlaube ich mir, Jumppanens Wiedergabe der G-Dur-Sonate op. 31,1 anzuführen. Ein Werk, bei dessen unaufmerksamer, in vielen Details auch schludriger Handhabe er sich im weiten Feld der Beethoven-Konkurrenten allerdings in „bester“ Gesellschaft befindet. Dies betrifft in besonderem Maße den Kopfsatz, dessen deklamatorisch heikles, kurzatmiges Hauptthema erst im Satzverlauf etwas Gestalt bekommt. Lieblos, verwaschen dann die Etüden ähnlichen Dreiklangszerlegungen, deren Einzelnoten Jumppanen ähnlich wie Buchbinder in seiner Dresdener Sony-Einspielung wenig Aufmerksamkeit schenkt. Umso mehr ist es zu bedauern, dass es von Grigori Sokolovs fabelhaft präzisen und zugleich überraschend eigenwilligen Interpretationen dieser Sonate nur Fernsehaufzeichnungen gibt.

Gänzlich missglückt ist für mein Empfinden Jumppanens über weite Strecken schummrige, in den weitgespannten Ziergirlanden der rechten Hand beiläufige Zeichnung des „Adagio grazioso“, über dessen ironisch-heitere Arioso- und Verzierungskünstlichkeit man etwa bei Brendel—und eine Spur professsoraler auch bei Gilels—verlässlich Auskunft erhält.

Insgesamt betrachtet zeigt sich Jumppanen im Rahmen der CD 2—und damit im Umfeld der „kürzeren“ Sonaten opp. 78, 79, 81a und 90—deutlich gelöster im Hinblick auf die atmosphärischen Primärwerte, wobei in entscheidenden Momenten auch eine gute Portion an Brillanz zur Deutungshoheit beiträgt. So etwa im Vivacissimamente-Finale der Les Adieux-Sonate. An den pianistisch-technischen Jubel der frühen Gelber-Einspielung allerdings reicht Jumppanen nicht heran. Dies gilt—zu seinen Gunsten!—für nahezu alle jener Pianisten, die sich mit dieser Sonate im Sinne klavieristischen „Wiedersehens“ an die Öffentlichkeit gewagt haben. Nebenbei bemerkt: Für das Lesen des textlichen Begleitmaterial sind englische oder finnische Sprachkenntnisse erforderlich! © 2016 Klassik heute





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