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Album Reviews



 
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Kevin Clarke
www.klassik.com, October 2017

Nun also Lars Vogt im New Millennium Look, zusammen mit der Royal Northern Sinfonia aus Sage, Großbritannien. Das Orchester dirigiert er gleich selbst. Irgendwie selbstverständlich in unseren DIY-Zeiten. © 2017 www.klassik.com



WDR (Westdeutscher Rundfunk), July 2017

In England trägt das Konzert den Beinamen “Emperor”, also “Kaiser” oder “Herrscher”. Der Pianist Lars Vogt sieht darin die “Befreiung des Individuums”: Kühn und wild kann sich der Solist am Klavier Freiheit erkämpfen. Freies Fantasieren bestimmt auch die lyrischen Teile.

Als junger Virtuose wird Ludwig van Beethoven vor allem für sein brillantes Klavierspiel und seine phantasievollen Improvisationen gefeiert. Aus einfachsten Tönen kann er aus dem Stegreif heraus immer neue Melodien entwickeln. In den Noten schreibt er für sich selbst oft nur einzelne Motive auf - als Erinnerungsstützen. Seine fertigen Werke spielt er aus dem Gedächtnis oder erfindet sie beim Spielen einfach neu.

Genau so beginnt sein 5. Klavierkonzert in Es-Dur op. 73: wie eine freie Fantasie, eine Solo-Kadenz mit rauschenden Passagen. Allerdings ist hier jede Note aufgeschrieben, denn 1809, mit knapp vierzig Jahren, ist Beethoven fast vollständig taub. Er kann sein op. 73 nicht mehr selbst aufführen und traut das auch keinem anderen mehr zu. Jede Kleinigkeit wird exakt in den Noten festgehalten.

Trotzdem: von Schicksal oder Depression kann hier nicht die Rede sein. Feierlich und glorreich wird gekämpft: für die Freiheit und gegen jede Unterdrückung. Während der Komposition stehen die französischen Truppen Napoleons vor Wien und bombardieren die Stadt. Beethoven schimpft über die Belagerung, die schlechte Versorgung und das wüste Leben um ihn herum: “Nichts als Trommeln, Kanonen, Menschenelend in aller Art!”

Daneben finden sich vor allem im langsamen Satz ungemein zarte, lyrische und suchende Momente. “Ausblicke in die Ewigkeit” nennt Lars Vogt sie. Die weit ausschweifenden Cantilenen lassen den romantischen Klavierstil Frédéric Chopins vorausahnen. Auch zu Franz Liszt ist es nicht mehr weit. Entfernte Tonarten, rhythmisch herausfordernde Motive und dynamische Extreme bestimmen die musikalische Entwicklung. Unerwartet entpuppt sich ein absichtslos aufgefächerter Es-Dur-Dreiklang als triumphales Rondo-Thema des 3. Satzes. Die aufsteigende Bewegung überschlägt sich geradezu vor Freude.

Der in Düren geborene Lars Vogt ist seit 2015 music director der Royal Northern Sinfonia im nordenglischen Gateshead / Newcastle. Ihr gemeinsamer Zyklus aller Beethoven-Konzerte erscheint seit Mai 2017 auf CD. Lars Vogt dirigiert das britische Kammerorchester dabei vom Klavier aus. Er dreht seinen Flügel in das Orchester hinein, um in Blickkontakt mit den Musikern zu sein und kammermusikalische Momente zu gestalten. Mal wird das Klavier zu einem Teil des Ensembles, dann wieder übernimmt es kraftvoll die Führung.

Als Pianist und Dirigent in einer Person erläutert Lars Vogt die musikalischen Themen in Beethovens 5. Klavierkonzert und leitet uns durch die immer neuen Variationen, Kombinationen und Kontraste, die hier so konzentriert aufeinander folgen. © 2017 WDR (Westdeutscher Rundfunk)



Peter Cossé
Klassik heute, May 2017

Im Umfeld der Klavierkonzerte von Bach, Mozart und Beethoven ereiferten sich in den letzten ein, zwei Jahrzehnten pianistische Autoritäten verstärkt, hauptamtlichen Dirigenten die konzertante Arbeit zu ersparen. Man leitete die entsprechenden Werke vom Klavier aus, sorgte in den Probenvorbereitungen für musikalisch-musikantische Einhelligkeit und dann auf dem Podium für einen Ablauf, den die „dirigierenden“ Solisten dann im Allgemeinen mit größter (Selbst-) Zufriedenheit kommentierten. Unter solchen Bedingungen sind die beiden Gesamtaufnahmen der fünf Beethoven-Klavierkonzerte zu hören, die Stefan Vladar mit dem Wiener Kammerorchester und sein deutscher Kollege Christian Zacharias mit dem Kammerorchester von Lausanne vorgelegt haben. Nun spielt und lenkt Lars Vogt die Konzerte op. 15 und op. 73 mit der britischen Royal Northern Sinfonia aus Gateshead—und er zögert auch nicht, sich im Begleitheft geradezu euphorisch über die exzellenten Aufführungsbedingungen an den ästhetischen und organisatorischen Schnittpunkten allen Wünschens und Gelingens zu äußern.

Lars Vogts (nicht nur!) für mein Empfinden beeindruckende, sehr persönlich timbrierte Einspielung der Bachschen Goldberg-Variationen in plastischer Erinnerung (Ondine ODE 1272-2), fällt es mir nicht leicht, der neuen Beethoven-Veröffentlichung eine künstlerisch ähnliche Bedeutung beizumessen. Vom ersten Soloeinsatz im C-Dur-Konzert fällt es auf, dass es dem Solisten um Frische, sozusagen um interpretatorische Unverblümtheit geht. Sein Spiel kommt flott daher und es besteht kein Zweifel, dass hier ein Akteur all jene Linien vorgibt, die das Resultat eines großen Erfahrungsschatzes sind. Das heißt: Vogt fühlt sich frei, er fühlt sich autorisiert, aus dem gestalterischen Vollen zu schöpfen. Er läuft jedoch in vielen Momenten Gefahr—und das gilt für beide Konzerte!—im forschen, selbstbewussten Zugriff auf das Ganze, auf das Vertraute und oft Geübte den Blick für das ausgefeilte Detail zu verlieren. Im Mikrobereich der Skalen, Triller und all jener anderen pianistischen Feinabstufungen wirkt Vogts Verhalten immer wieder etwas flüchtig, eher der konzertanten Totalität verpflichtet als der letzten solistischen Akkuratesse.

Von den beiden erwähnten Klavierdirigenten scheint mir Stefan Vladar ein ähnliches Konzept des unbeschwerten, von allen Fesseln traditioneller Zusammenarbeit befreiten Schalten und Waltens im Sinn gehabt zu haben. Vladar freilich spitzt sein Spiel in Richtung eines ungemütlichen, widerborstigen Beethoven-„Bildes“ zu—gelegentlich bis in die Nähe des Rabiaten. Christian Zacharias indes zeigt in seinen auf DVD vorliegenden Live-Aufnahmen, wie sich darstellerisches Temperament und pianistische Aufmerksamkeit bis weit hinter das notenstatistische Komma in Einklang bringen lassen. Man mag trotz allem an Vogts Einstieg in die vom Klavier aus verantwortete Szenerie der fünf Beethoven-Klavierkonzerte Gefallen finden, zumal mit den „Königlich Nördlichen“ ein Ensemble die musikalischen Stichworte formuliert und insgesamt für einen akustisch noblen Tutti-Rahmen sorgt, das sich inzwischen im Feld der internationalen Kammerorchester einen guten Platz erspielt hat. © 2017 Klassik heute




Remy Franck
Pizzicato, May 2017

Kraftvoll-virtuoses Klavierspiel, schlankes Orchester, moderate Tempi ohne Extremwerte, …bis dahin ist alles im Bereich von Normalität. Und dennoch gibt es in diesen Interpretationen etwas ganz Besonders, etwas was mir sehr gut gefällt und die Sache wirklich bereichernd werden lässt: das ist das fein justierte Spiel mit Nuancen in der Dynamik und ein gefühltes Rubato, das immer wieder zu sehr schönen Gefühlsregungen führt. Während die Ecksätze brillant und sehr schwungvoll gespielt werden, gibt es in den langsamen Sätzen ungemein viel Verhaltenheit und eine große Kantabilität.

In beiden Konzerten ist die Kongenialität von Vogts Klavierspiel mit dem Orchester von seltenem Format. Es sind Interpretationen aus einem Guss, und davon profitiert das ‘Empereur’-Konzert wohl am meisten.

Ohne Pathos, ohne satten, behäbigen Streicherklang, ohne Müdigkeit, die sich in diesem Werk so gerne breitmacht und ohne aufgeblasene Feierlichkeit überzeugt das Konzert mit klanglicher Raffinesse und liebevoll herausgearbeiteten Details, die zeigen, dass Vogt sich seine Gedanken darüber gemacht hat. Alles in allem macht sich die vorliegende Fassung des ‘Empereur’-Konzerts vorbehaltlos die sprühende Musik dieser Komposition zunutze. Da muss man schon bis zu Böhm-Pollini zurückgehen, um eine ähnliche Frische zu finden, die Gefühle nicht verhindert. © 2017 Pizzicato





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