Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Hartmut Hein
www.klassik.com, February 2019

Eine in ihrem ganzen Ernst und der darin gefundenen, entspannten Erfüllung herausragende und erfreuende dritte Perspektive nach zwei sicherlich auch schon sehr guten Vorläufern. © 2019 www.klassik.com




Carlos MarĂ­a Solare
Fono Forum, March 2018

View PDF  



Guido Fischer
Rondo, October 2017

Mit 50 Jahren kann man schon mal ein wenig zurückschauen. Und wenn man sich dafür erneut seine bisherigen Aufnahmen etwa der Bachschen Sonaten & Partiten zu Gemüte führt, kann man dabei genau den eigenen Reifeprozess studieren. Im Booklettext zu seiner inzwischen dritten Gesamtaufnahme der „Sei Solo“ von Bach beschreibt Christian Tetzlaff denn nun auch die eigene Entwicklung vom Geiger zum Musiker. In jungen Jahren (die erste Gesamteinspielung machte er 1993 mit 27 Jahren) hatte er dieses Geigen-Monument noch allzu sehr nach Lehrbuch gespielt. Heute, eben mit Fünfzig, „kann ich die natürliche Tiefe und Freiheit in dieser Musik jetzt mehr genießen.“ Es wäre natürlich schon merkwürdig, wenn sich ein (schon früh begnadeter) Violinist vom Kaliber eines Tetzlaff ein Vierteljahrhundert lang nur unwesentlich weiterentwickelt hätte. Aber jetzt scheint er tatsächlich endgültig an jenem Punkt angekommen zu sein, an dem er loslassen konnte, um sich ganz und gar frei durch diesen barocken Klangwundergarten zu bewegen und den Hörer durch die Brille seiner immensen Erfahrung hindurch am Staunen und Vergnügen an dieser Musik teilhaben zu lassen. Über Tetzlaffs spieltechnische Möglichkeiten muss man daher erneut nicht viele Worte verlieren. Wer allein in den so konzentriert wirkenden langsamen Sätzen etwa der Sonaten ein derart riesiges dynamisches Spektrum für diese intimen Gespräche zwischen sich und dem Instrument aufbietet, ist über jeden Zweifel erhaben. Und wie federleicht und doch körperreich sich bei Tetzlaff eine Fuge im Hier und Jetzt bewegen kann, unterstreicht das kontrapunktische Wunderwerk der a-Moll-Sonate. Aber im Grunde wird bei ihm jeder Satz zu einem Ereignis, da Tetzlaff nicht nur von erlesen und edel bis zur beeindruckend großen musikalischen Kathedrale „Chaconne“ die Einzigartigkeit dieser Musik zum reinen Leben erweckt. Zwischendurch, in der Loure aus der E-Dur-Partita, stimmt er mit demselben Genuss ein zärtliches Liebeslied an. Magisch—und irdisch schön. © 2017 Rondo




Alain Steffen
Pizzicato, October 2017

Christian Tetzlaff war in seinen frühen Jahren immer ein Musterbeispiel an Akkuratesse und ein sehr objektiver Interpret. Heute präsentiert er sich auf dem Cover mit wilder Haarmähne und ruft Erinnerungen an die sogenannten Teufelsgeiger hervor. Ein anderer Tetzlaff? Sicher! Gar ein plakativerer? Nein, auf keinen Fall! Christian Tetzlaff ist sich selber treu geblieben, die Musik kommt an allererster Stelle. Nur hat sich der Interpret scheinbar von inneren Fesseln gelöst, spielt weitaus freier auf, als man das sonst von ihm gewohnt war.

Seine Interpretation der Sonaten und Partiten BWV 1001–1006 ist sehr lebendig, farbenfroh und äußerst phantasievoll in der Gestaltung. Aber immer noch bleiben klare Linien und das bewusste Ausloten der Architektur von imminenter Wichtigkeit. Tetzlaff verbindet eben nun beides. Intelligentes, strukturbetontes Spiel und eine sehr musikantische und aus dem Kern heraus lebendig-spannende Interpretation.

Eine tolle Aufnahmetechnik, und ein sehr präsentes und natürliches Klangbild runden den guten Eindruck ab. © 2017 Pizzicato






Detmar Huchting
Klassik heute, September 2017

Christian Tetzlaff ist jetzt 51 Jahre alt und legt schon seine dritte Einspielung von Bachs Sonaten und Partiten BWV 1001-1006 für Violine solo vor. Die erste datiert von 1993, die zweite von 2005, diese neue ist 2016 aufgenommen worden.

1720 legte Bach die Handschrift an, in der die vermutlich nicht in einem Wurf entstandenen sechs Sonaten und Partiten zusammengefasst sind. Die Stücke sind auf besondere Weise angeordnet: Von der tiefsten Violinsaite (G) in g-Moll über h-Moll, a-Moll, d-Moll, C-Dur bis zur höchsten Saite (E) und einem strahlenden E-Dur durchschreiten sie einen Weg ins Dunkel und von dort heraus zum Licht. Der Zyklus ließe sich so auch als Weg der Bewältigung von Trauer und Schmerz interpretieren—im selben Jahr war ja seine erste Frau Maria Barbara gestorben, die Mutter zweier seiner später als Komponisten erfolgreichen Söhne. Ob die Sonaten und Partiten für Violine solo ein musikalisches Trauermonument für die plötzlich verstorbene geliebte Frau sind, wird allerdings kontrovers diskutiert, zumal die Arbeit an dem Zyklus schon in Weimar aufgenommen wurde (Martin Geck tut die These in seiner Bach-Monographie aus dem Jahr 2000 als „bestenfalls Spekulation“ ab).

Ein konzeptionelles Vorbild für den Zyklus hatte Bach in den Partiten für Violine solo des Geigers Paul von Westhoff gefunden, der bis zu seinem Tod 1705 in der Weimarer Hofkapelle spielte—dort wird Bach ihn 1703 während seiner ersten Zeit als Geiger und Lakai am Herzogshof in Weimar kennengelernt haben. Dass Maria Barbaras plötzlicher Tod sich noch auf die Fertigstellung der Kompositionen ausgewirkt hat, ist durchaus vorstellbar—das musikalische „Programm“ dieser Sonaten und Partiten ist allerdings unverkennbar barock und auch ohne jeden biographischen Anlass zur Entstehung der Werke als rein künstlerisches Konzept zu verstehen.

Die Handschrift stellt zudem ein kalligraphisches Meisterwerk dar—in ihrem schwungvollen Duktus scheinen die Noten den Bogenstrich des Geigers über die Saiten abzubilden. Nicht nur die schöne Reinschrift der Noten zeigt, dass Bach die Sei solo a Violino senza Basso accompagnato—so betitelte er selbst Manuskript—sehr am Herzen lagen: Sein Schüler Johann Friedrich Agricola berichtet, Bach habe sie „oft für sich selbst am Cembalo gespielt, als Klavierfassung mit vollen Harmonien“.

Vor zehn Jahren hat Hartmut Lück auf Klassik heute Christian Tetzlaffs damalige Einspielung der Sonaten und Partiten BWV 1001-1006 für Violine solo besprochen und kam zu dem Urteil: „Und hier passiert nun das wirkliche, beglückende Wunder, dass Christian Tetzlaff bei höchster technischer und intellektueller Klarheit eine Darstellung liefert, die sich eben nicht aufs sichere Terrain des Analytischen beschränkend zurückzieht, sondern die Werke mit großer Leuchtkraft, sattem Ton und, etwa in der berühmten Chaconne der Partita d-Moll, mit innigster Empfindung vorträgt, die alles nur ,kühl’ Kalkulierte weit hinter sich lässt. Eine Interpretation mit Referenzcharakter.“

Heute muss der Autor dieser Besprechung dem Kollegen für sein klares und wohlformuliertes Urteil danken, weil es mutatis mutandis auch für diese Neueinspielung gilt. Tetzlaffs Zugang zu diesem summum opus der Musik ist mit seiner Biographie selbst gewachsen: Wir haben es hier mit dem äußerst raren Zeugnis zu tun, dass ein Künstler sich ein Werk, vor dem viele andere die Waffen strecken müssen, zu einem Lebensbegleiter erwählt hat. So ist jede Neueinspielung der Sonaten und Partiten BWV 1001-1006 für Violine solo durch Christian Tetzlaff ein Zeugnis seines eigenen Weges als Künstler: Hier wird sein eigener künstlerischer Lebensweg exemplarisch deutlich, und so lässt er seine Zuhörer in einer kaum zu überbietenden Ehrlichkeit an seinem Leben als Musiker teilhaben. Diese menschliche und künstlerische Größe verbietet jeden Vergleich mit den vielen, ebenfalls meisterlichen Aufnahmen dieses Zyklus; sie mögen alle in den Sammlungen der Musikliebhaber stehen bleiben und verdienen ihren Platz darin. Die Aufnahmen der Sonaten und Partiten BWV 1001-1006 von Christian Tetzlaff gehören freilich samt und sonders in die Sammlungen der Musikfreunde, und somit auch diese Neueinspielung. Hoffen wir, dass er uns im nächsten Jahrzehnt mit einer neuen Deutung dieser Werke beschenkt und genießen wir einstweilen seine neueste Facette ihrer Darstellung. © 2017 Klassik heute



WDR (Westdeutscher Rundfunk), September 2017

Alle zwölf Jahre ein halbes Dutzend Werke. Geradezu mathematisch exakt verläuft Tetzlaffs Annährung an Bach. Jede Einspielung hat ihre Qualitäten, und die Tendenz hat eine eindeutige Richtung, findet Tonart-Rezensent Arnd Richter: “Wer sich heute entschließt, nur eine dieser Aufnahme des glänzenden Bach-Interpreten zu kaufen, der sollte sich unbedingt für die jüngste entscheiden. Die ist […] die künstlerisch ausgereifteste.” © 2017 WDR (Westdeutscher Rundfunk)





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group